Archiv für den April, 2008

Non scolam sed vitam discimus

Tägliches Lernen als Ausdruck und Steigerung von Lebensfreude.

Wichtig. Wichtig. Wichtig.

“Wobei die Aufgabe natürlich nicht darin besteht, auf einmal wieder die Schulbank zu drücken, Fakten zu büffeln oder Handgriffe einzuüben. Die heutige Empfehlung bedeutet vielmehr, mit offenen Augen durch den Tag zu gehen und das Geschehen um sich herum bewusst dafür zu nutzen, um etwas für sich selbst “mitzunehmen” – an Erfahrungen, Einsichten, Know-how oder Fähigkeiten.”

Das ist übrigens das, was ich bei vielen Menschen vermisse – und je älter sie werden, desto mehr – aber, und das finde ich noch schlimmer, immer öfter auch bei Jugendlichen:
Veränderung durch Reifung, durch Lernen in der Situation, durch Aufmerksamkeit und offenen Blick, durch Freude am Neuen, durch Spaß am Leben, Neugier auf das, was noch geschehen kann.

Dabei gibt es nichts Schöneres auf der Welt, als auf der Welt zu sein – als ein Lernender und Reifender…

Übrigens wird dieser Impuls in anderer Weise auch von einem Professor für Neurobiologie, Prof. G. Hüther, in seiner Wichtigkeit betont:

“Das Gehirn ist nicht zum Auswendiglernen, sondern für das Lösen von Problemen optimiert. Je häufiger jemand Gelegenheit hat, schwierige Probleme zu lösen, unterschiedliche Herausforderungen zu bestehen und vielfältige Aufgaben zu meistern, desto komplexer werden die dabei im Gehirn entstehenden Nervenzellvernetzungen. Dadurch kann ein Mensch seine Erfahrungen flexibler nutzen und bleibt umso offener für Neues.
Leider gibt es auch Menschen, die nur wenige Herausforderungen in ihrem Leben erfolgreich bewältigt haben. Sie konnten sich dadurch nur sehr wenige, oft auch sehr einseitige Bewältigungsstrategien für neue Probleme aneignen. Herausforderungen werden dann immer wieder auf die gleiche, altbewährte Weise angegangen. Solange das gelingt, wird die eigene Denkweise immer einseitiger und unflexibler. Wer allerdings irgendwann mit seinen eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern nicht mehr weiterkommt und an Problemen scheitert, verliert die Lust, zieht sich zurück und ‘macht dicht’.”

Das kann man hier nachlesen.

 

30 Jahre DGhK – Jubiläumsfamilienfest in Dortmund

Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen.

Aus diesem Grund feiert der Regionalverein Rhein-Ruhr nach seiner Mitgliederversammlung am nächsten Samstag (26.4.) in Dortmund ein großes Familienfest. Das Programm findet man hier.
Interessenten sind herzlich willkommen.

Als 1978 einige engagierte Pädagogen, Psychologen und Betroffene die DGhK gründeten, geschah dies in einer Zeit, in der das Wort „Hochbegabung“ so gut wie nicht bekannt war und in der das Thema weitgehend tabuisiert wurde. Die Gründer der DGhK und die ersten Mitglieder waren lange Jahre lang einsame Pioniere, die mit viel Widerstand, Unverständnis und leider manchmal auch Boshaftigkeit zu kämpfen hatten. Ich selbst habe Ende der achtziger Jahre noch erlebt, wie auf einer pädagogischen Messe Lehrer und Erzieher reihenweise mit eindeutigen Handbewegungen an unserem Stand vorbeigingen und z. T. sehr bösartige Bemerkungen absonderten. Interesse an Informationen hatte damals so gut wie niemand.
Die DGhK hat mit dem engagierten Einsatz unzähliger Menschen in den zurückliegenden Jahren großartige Arbeit geleistet in all den Bereichen, in denen Hochbegabung eine Rolle spielt. Nicht zuletzt der DGhK ist es zu verdanken, dass Hochbegabung heute nicht mehr als Stigma erlebt, sondern immer häufiger als fördernswertes Potenzial wahrgenommen wird.

 

Gleichberechtigung?

Die Frage danach, was die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern bedeutet, wie sie gestaltet werden kann – und welche Fallen auf dem Weg lauern, lässt mich schon eine ganze Weile nicht los (hier und hier und hier).

Die Entwicklung der letzten Jahre und gesetzgeberische Maßnahmen gehen eindeutig zulasten der Frauen, die sich in dem unübersichtlichen Gestrüpp von z.T. sehr subtilen aber auch finanztechnisch sehr konkreten Anforderungen nur verheddern können – viele davon im Namen einer sich der Gleichberechtigung verpflichtet gebenden Attitüde, die aber letztlich die Situation der Frauen nur immer unübersichtlicher und eine realistische und befriedigende Lebensplanung und -gestaltung fast unmöglich macht.

Ich selbst bin interessanterweise völlig ohne die üblichen weiblichen Minderwertigkeitsprobleme der Frauen und Mädchen der 60er bis 80er Jahre großgeworden und konnte mit der Frauenemanzipationsbewegung im Zuge der 68er-Bewegung mit Alice Schwarzer und allem, was dazugehörte, nie etwas anfangen. War echt nicht mein Ding.

Ein konkretes Problem holte allerdings auch mich ein: Die Vereinbarkeit von Kind und Arbeit. Ich kann es einfach nicht bereuen, die ersten Jahre meines Kindes zu Hause erlebt und mich auch ansonsten auf das Zentrum Familie bezogen zu haben in meinen Entscheidungen. Natürlich habe ich dadurch eine typische “Frauen-Nicht-Karriere” gemacht: mangelnde Mobilität, 400 Euro-Jobs, Teilzeitarbeit etc. Auf der “faulen Haut” gelegen habe ich nie. Ehrenamtliches Engagement war und ist zudem neben Familie und Berufstätigkeiten bis heute hin immer fester Bestandteil meines Lebens gewesen.
Gestern bekam ich nun eine Information meines Rententrägers: Von der Rente, die ich allein erwirtschaftet habe für mich selbst, kann ich mir später höchstens die Miete für eine 2 Zimmer-Studentenbude leisten. Warm allerdings. Mehr ist nicht! Kein Telefon, kein Brötchen, kein Buch, und ein Auto oder Urlaub schon gar nie wieder.
Nun habe ich das Glück, dass meine “klassische” Familiensituation gehalten hat, so dass ich nicht in Armut fallen werde. Aber genau das wird auf uns zukommen: Altersarmut, die vor allem ein weibliches Gesicht haben wird!

Frauen, die gemacht und getan haben im Haushalt, irgendwie auch gearbeitet haben, Teilzeit, oft mit schlechtem Gewissen, was ihre Kinder angeht, irgendwie auch noch Opa und Oma (auch die des Mannes) versorgt und ehrenamtlich die Schulbibliothek betreut haben, sie werden, wenn sie alleine stehen – und jede 2. Ehe scheitert nunmal heutzutage – , mit einer Rente in 400 Euro Höhe dastehen.

Ich weiß keine Lösung, aber das Problem ist offensichtlich und kann auch durch die bemühten Versuche, irgendwie Kind und Karriere besser vereinbar zu machen, nicht wirklich beseitigt werden. Denn selbst, wenn die Kinderbetreuung besser funktioniert eines Tages: es gibt IMMER und ständig Lücken: Schwangerschaft und Mutterschaftsausfälle, Krankheiten und Arztbesuche der Kinder, Elternsprechtage, Hinfälligkeit und Pflegebedürftigkeit der Eltern, der normale Haushaltswahnsinn – und all dies ist und bleibt Domaine und Verantwortungsbereich der Frauen.
Wenn eine Frau arbeitet und ein Kind wird plötzlich krank, dann ist es in fast 100% der Fälle so, dass in unhinterfragter Selbstverständlichkeit die Frau sehen muss, wie sie das hinbekommt – ob sie arbeitet oder nicht.

Schwierig, schwierig.

Anlass dieses Beitrages ist übrigens ein absolut lesenswerter Artikel im Zeit-Magazin, das diesmal den Frauen gewidmet ist: Alles beim Alten: “Von Gleichberechtigung kann in Deutschland keine Rede sein. Wer das Gegenteil behauptet, geht den Männern auf den Leim.”

Besonders berührt hat mich folgende Feststellung: “Von der Familienforscherin Gisela Erler stammt der Satz: »Je näher eine Arbeit am Menschen verrichtet wird, desto billiger wird sie.« Je abstrakter, je technischer, desto teurer wird Arbeit bezahlt.”
Bitter.
Aber selbst wenn Frauen in Männerdomänen erfolgreich sind, ist es erwiesenermaßen so, dass der entsprechende Bereich sehr schnell an Prestige und Gewinnmöglichkeiten verliert. Wer will schon eine Frau mit auf Geschäftsreise nehmen, die den abschließenden Umtrunk oder gar Bordellbesuch am Abend vermasselt…

Ein (leider nicht zu realierender) Taum:
Man müsste einen Generalstreik der Frauen ausrufen: Jedes Ehrenamt niederlegen, jede freiwillige, unbezahlte soziale/familiäre Arbeit verweigern.

Alles würde zusammenbrechen.

 

Es ist nie zu spät!

In einem Artikel der ZEIT fand ich einen Beitrag, in dem es um die Kehrtwendung einer Grundschullehrein in ihrem Unterrichtsverhalten geht.

“Monika Kaiser-Haas war seit 21 Jahren Lehrerin und unterrichtete an der Ludgerus-Grundschule in Hiltrup, einem Stadtteil von Münster, als ihr klar wurde, dass sie all die Jahre etwas falsch gemacht hatte. Und zwar grundlegend. Ein ständig unaufmerksamer und renitenter Zweitklässler hatte sie darauf gebracht. Nachdem er mit seinen Eltern Cape Canaveral besucht hatte, hielt er vor der Klasse einen einstündigen Vortrag über Luft- und Raumfahrttechnik. »Als ich ihm so zuhörte, habe ich meine ganze pädagogische Arbeit hinterfragt«, sagt Monika Kaiser-Haas. Sie kam zu dem Schluss, dass sie mit ihrem Unterricht die Fähigkeiten des hochbegabten Schülers unterdrückt hatte. »An seiner Aufmüpfigkeit war nicht er schuld, sondern ich.« Das war 1997.
Monika Kaiser-Haas begann, Begabte zu fördern. Sie gab ihnen anspruchsvolle Aufgaben und setzte sich dafür ein, dass besonders gute Schüler eine Klasse überspringen konnten. Vor zehn Jahren war sie damit an ihrer Schule noch eine Exotin – heute kann sich die 59-Jährige als Vorreiterin betrachten. …
Dabei lässt sie viel Freiraum. Da kann sich zum Beispiel der zehnjährige Jan zwischendurch an den Laptop seiner Lehrerin setzen und ein bisschen mit einem Grafikprogramm herumspielen. Nach einer Viertelstunde hat er eine Figur gezeichnet, die deutlich als römischer Legionär erkennbar ist. »Oh, das ist toll. Speicher das mal«, sagt Monika Kaiser-Haas.
Sie könnte sich auch darüber aufregen, dass ein Schüler ihren Computer benutzt, ohne sie zu fragen. Viele Lehrer würden das tun. Doch viele Lehrer werden auch nicht verstehen, wie man nach vielen Jahren im Beruf auf die Idee kommen kann, seinen bisherigen Unterrichtsstil infrage zu stellen.
Der siebenjährige Luft- und Raumfahrtexperte von damals hatte für Monika Kaiser-Haas am Ende der vierten Klasse übrigens noch ein Buch geschrieben, nur für sie. Darüber, wie sie den Mathe-Unterricht für Begabte wie ihn in Zukunft etwas interessanter gestalten könne. Das Buch, sagt sie, benutzt sie noch heute.”

Nachahmung erwünscht.

 

Extrem erfolgreich

Jetzt wissen wir also, warum Frauen so treu ihre Pflicht erfüllen, oft besser sind als Männer – aber fast immer weniger erfolgreich. Und vor allem noch immer kaum Spitzenpositionen einnehmen, sondern vorher an einer “gläsernen Decke” scheitern. Man lese den Artikel im Tagesspiegel: Das extreme Geschlecht.

“Auf eine kurze Formel gebracht lautet das Phänomen so: Männer sind extremer als Frauen.
Männer sind sowohl dümmer als auch schlauer als Frauen. Frauen dagegen „bewegen sich eher um den Durchschnitt“, wie es die britische Psychologin Helena Cronin von der London School of Economics formuliert – und das, meint die Expertin, könnte auch Licht auf die Frage werfen, weshalb Frauen bis heute so selten in den Spitzenpositionen der Gesellschaft anzutreffen sind. Denn natürlich sind auch Spitzenpositionen Extreme. …

Dass Männer extremer sind, dafür liefern nicht nur Natur und die Geschichte etliche Belege, das hat sich auch in zahlreichen Studien offenbart, bei Intelligenzmessungen etwa. Im Schnitt schneiden Männer und Frauen in IQ-Tests ähnlich ab, was allerdings nicht weiter verwundert, da die Tests eigens so entwickelt wurden, dass sie geschlechterneutral ausfallen. Selbst bei diesen auf politische Korrektheit getrimmten Tests jedoch zeigt sich: Männer sind sowohl dümmer als auch klüger.

Die umfangreichste Messung in dieser Hinsicht stammt aus den 1930er Jahren. Damals warf ein Psychologe aus Edinburgh einen Blick auf den Intelligenzquotienten von über 80 000 schottischen Kindern. Wie sich zeigte, gab es weitaus mehr Männer als Frauen mit einem unterbelichteten IQ zwischen 60 und 90. Die Mädchen kreisten stärker um den Durchschnitt von 95 bis 115 Punkten. Erst ab einem IQ von 120 (ab 130 spricht man von „Hochbegabung“) übertrafen die Jungs die Mädchen wieder. Im Schnitt allerdings kamen die Mädchen und Jungs auf den exakt gleichen IQ von 103.

Der Schnitt aber ist nicht unbedingt das, was in unserer Gesellschaft den Ausschlag gibt, schon gar nicht in den Extrembereichen. „Wir fokussieren in der Diskussion oft auf den Durchschnitt und ignorieren die Extreme, und so erscheinen uns die Unterschiede zwischen Mann und Frau klein“, sagt (die Psychologin) Cronin. Jeder Unterschied an der Spitze muss uns somit zutiefst ungerecht vorkommen. Dabei spiegelt die gläserne Decke, wie Cronin meint, letztlich vielleicht kein politisches Phänomen wider, sondern ein statistisches.”

Wenn das so ist, was bedeutet das dann…????

 

WÜTEND

Ich bin Kunde der größten deutschen Bank für Privatkunden.
Eigentlich ein zufriedener Kunde.
Ich praktiziere online-Banking.
Auch dort – bisher keine Probleme.

Bis zu dem dem Tag, und das war gestern, an dem ich eine Überweisung anstoßen wollte und ein Fenster aufging mit der Bemerkung: “Ätschbätsch, darfst Du nicht; Du hast keine TAN mehr!”

Ärger!! Ja, ja, irgendwo, ganz klein und dünn und unscheinbar, wird die Anzahl der verfügbaren TANs angezeigt – und in dem Stress der letzten Wochen habe ich es übersehen. Ja, selbst schuld. Gut und schön, aber die Bank gibt auch keinerlei Hilfestellung und lässt den Kunden blind ins Unglück laufen:

Da ja die Anzahl der TANs sowieso zurückgezählt wird, wäre es ein Akt der Kundenfreundlichkeit, bei z.B. weniger als 5 verfügbaren TANs irgendetwas aufblinken zu lassen (blinkblinkblink) oder ein Fenster zu öffnen mit einer Warnung, dass nur noch x TANs zur Verfügung stehen und man neue bestellen soll. Dann wird man doch aufmerksam darauf. Ich habe selbst programmiert und weiß, dass das kein großes Problem ist: Für den Kunden wäre eine solche Warnung aber eine große Hilfe! Dann hätte man zumindest eine allerletzte TAN zum Bestellen einer neuen Liste…

Nein, nichts dergleichen!
Verflixt: Ist eigentlich allen klar, dass man ohne TAN nicht mehr existiert?

Der weitere freundliche Hinweis nach dem “Ätschbätsch” riet mir dann jedenfalls, eine neue TAN-Liste mittels einer TAN zu bestellen.

Ach ja! Gute Idee!!

Ich suchte Hilfe und fand auch schnell die Telefonnummer des Direkt-Service der Bank, auf die werbend hingewiesen wurde, bei Problemen immer erreichbar, und wählte sie erleichtert. Eine freundlich-männliche Maschinenstimme bat mich auch sofort, meine Kontonnummer einzugeben. Gut, machte ich. Darauf die freundliche Stimme: “Ihr Konto ist für das Telefon-Banking nicht freigeschaltet. Möchten Sie einen Antrag haben?” Dafür braucht man dann wohl eine TAN… Auf mein nicht zitierfähiges Fluchen hin sagte die freundliche Stimme: “Ich habe Sie leider nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie Ihre Antwort.”

Schrei!Brüll!
Ich will kein Telefon-Banking, ich will nur eine neue TAN-Liste.

Ich wählte den Email-Weg – und bekam eine Standardanwort, die mir großzügig erklärte, wo ich denn sehen könnte, wieviel TANs ich denn noch habe. Und dass ich eine neue TAN-Liste mittels einer TAN bestellen könnte oder – ohne TAN – per Fax oder per Brief. Ja, die Fax-Nummer war dabei (ich habe kein Fax mehr) – aber nirgendwo ein Hinweis auf eine postalische Adresse, wo ich denn nun meine Liste bestellen könnte.

Ich schrieb noch ein Email und formulierte darin zusätzlich auch meinen Vorschlag, doch nächstens bitte irgendwie zu warnen, wenn man gegen Null läuft bei den TANs – und erhielt als Anwort wieder dieselbe Mail (schreibt die ein Automat???), dass man mich gerne darauf hinweist, wo man die Anzahl der TANs sehen könnte – und wenn ich eine neue Liste bräuchte, dann…

Ich biss in die Tapete.

Ja, gut, ich bin bereit, brav einen Brief zu schreiben, um eine neue Liste zu bekommen. Aber an welche Adresse???
Kein Hinweis.

Ich habe dann in meinem Fundus irgendwo einen alten Briefumschlag aus Zeiten der postalischen Überweisungen gefunden. Ich werde jetzt also einen Brief schreiben, ihn in diesen alten verblassten Umschlag stecken, ihn wegschicken und warten, was geschieht.
Und wann es geschieht.

Bis dahin – man habe Verständnis – bin ich, was Überweisungen angeht, finanztechnisch tot.

Zu denken gibt mir allerdings der jeweils letzte Satz dieser wunderbar hilfreichen Support-Mails der Bank, was die Bestellung per Brief angeht:
“Bitte geben Sie unbedingt in Ihrer Bestellung mit an, ob Ihnen der Aktivierungscode zur Freischaltung der neuen Liste vorliegt.”

????????????????????????????
Hätte ich dafür eine TAN gebraucht???
????????????????????????????

Sorry, liebe größte Bank für Privatkunden, Kundendienst sieht anders aus!!!

 

Wer nicht “Ich” ist, der ist nicht!

Die Sprechstunde – Schulblog eines Lehrers macht auf einen äußerst aufschlussreichen Bericht der ZEIT aufmerksam, “Die verlorene soziale Stimme” – ein Interview mit dem Kinder- und Jugendpsychlogen Wolfgang Bergmann.

In diesem Artikel geht es, nach Geschehnissen wie dem tödlichen Holzklotz-Wurf von einer Autobahnbrücke, um die Situation von Kindern und Jugendlichen, die oft anscheinend zu Empathie bzw. überhaupt der Wahrnehmung anderer Menschen und ihres Wertes nicht mehr in der Lage sind.

“Die soziale Stimme ist nicht mehr verinnerlicht. … Diesen Abschied vom Gewissen beobachten wir seit zehn, fünfzehn Jahren mit wachsender Intensität. Mir berichten nicht nur Therapeuten, sondern auch Grundschullehrer: Wir haben immer mehr Kinder, die wir nicht erreichen, als könnte man sie im Innersten nicht mehr berühren. Die Kinder denken, die ganze Welt müsste ihnen zur Verfügung stehen und gleichzeitig haben sie das Gefühl: Ich bin nichts wert. Dies ist die Entwicklung, die sich in einer solchen, sehr dramatischen Situation als Symptom zeigt.”

Bergmann zu den Gründen: “Ich kann dazu drei Punkte nennen. Erstens liegt es an der modernen Kleinfamilie, die eine Harmoniegemeinschaft ist. Kinder werden zu sehr verwöhnt, aber zu wenig geliebt. Lieben kann man nie zu viel. Starkes Verwöhnen bewirkt aber, dass sich Kinder allmächtig fühlen, ihre Grenzen nicht kennen.
Zweitens werden die Kinder bereits im Kindergarten, spätestens in der Grundschule in ein radikales Rivalitätsdenken gedrängt. Das geht mit solchen, scheinbar harmlosen Bemerkungen los: „Schau mal, die Anna malt aber viel schönere Blumen als du“. Die beiden Punkte zusammen führen zu dem Konflikt, einerseits extremen Leistungsdruck und die Angst vor dem Scheitern zu empfinden, andererseits ständig zu denken: „Ich bin der Tollste“.
Als Drittes kommt die moderne Medienwelt hinzu: Noch nie gab es Kinder, die so gefüttert wurden mit Glücksversprechen. Das Ich-Ideal muss sich an all den Superstars und Supermodels orientieren. Es geht darum zu agieren, als wäre man allmächtig, ein junger Gott. Die Realität ist dagegen unattraktiv. Ein guter Mathematikunterricht ist nichts im Vergleich der Möglichkeiten vom Internetspiel „World of Warcraft“. “

“Eigentlich bildet sich die Identität so: Ich interessiere mich für den anderen, weil er mich widerspiegelt. „Ich bin, weil du bist“ – das ist ein, wie ich finde, kluges Sprichwort. Umgekehrt hat das auch funktioniert: Wenn ich einem anderen Schmerz zufüge, fühle ich selbst welchen. Das ist heute nicht mehr so. Statt dessen geht es um die Selbstidolisierung. Rücksicht auf andere Menschen hat dabei keinen Platz mehr. Viele Kinder und Jugendliche sehen den Schmerz oder das Leid anderer nicht. Man nimmt den anderen nur noch verschwommen wahr.”

Hier etwas zu verändern, ist keine Sache von sachlicher Aufklärung und Information. Man weiß doch auch von Therapien, dass die pure Einsicht – und sei sie noch so klar – neurotische Symptome nicht zum Verschwinden bringt und keinen Menschen verändert.
Diese Tatsache wird auch im Interview deutlich:
“Aufklärung, vernünftige Informationen – vor 50 Jahren hätte das gewirkt, bei den modernen Kindern tut es das nicht. Ähnliches gilt übrigens auch für die Programme zur Gewaltprophylaxe durch Belehrung und Verhaltenstrainings – das beruhigt die Erwachsenen, bewirkt aber nichts. Diese Programme zeigen nur den funktionalen Geist moderner Pädagogik: Pures so tun als ob.”

Wirkliches, authentisches Erleben ist gefragt. Erleben aus erster Hand. Wahrnehmen. Spüren. Fühlen. Freude und Schmerz und Versagen und Gelingen und Anerkennung und Zurückweisung, Fülle und Verzicht.
Und vor allem wirkliche Liebe – jenseits von Verwöhnung, Überfürsorge, egoistischer Ich-Erweiterung der Eltern.

Wer aber führt diese Kinder und Jugendlichen in das LEBEN ein?

Ich gestehe: Mein Optimismus hält sich diesbezüglich in Grenzen.

 

Die fatale Macht der Tränen

“Tränen lügen nicht” – so heißt es in einer deutschen Schlagerschmonzette aus den Siebzigern.

Lügen sie wirklich nicht?

Als eher rational veranlagter Mensch, der aber durchaus sehr aufmerksam und bereit seinen Gefühlshaushalt zu seinem Recht kommen lässt, bin ich eher jemand, der auch in Konfliktsituationen, die mich persönlich sehr betroffen machen und bewegen, versucht, die Dinge fair in einer vernünftigen Streitkultur zu regeln. Es bringt mich auf die Palme, wenn ein “Gegenüber” dem Ganzen ausweicht, indem er schluchzt und weint und sich ganz aufgelöst gibt.
Egal, ob so jemand dann im Recht oder Unrecht ist: die Umgebung neigt, wie der Affe automatisch nach der Banane greift, konsequent und fast immer dazu, sich auf die Seite des Weinenden zu schlagen – und denjenigen, der versucht, fair zu sein und Ruhe in den Konflikt zu bringen, obwohl er selbst betroffen und aufgewühlt ist, als emotional kalt abzuwerten.

Völlig irrational das Ganze.

Tränen haben eine ungeheure Macht – und die Mitmenschen identifizieren sich schnell und gerne mit einer ja so schrecklich leidend Weinenden.
Und das meist jenseits aller Argumente.

Gerade Frauen, und ich entschuldige mich da nicht bei meinen Geschlechtsgenossinen, spielen diesen Mechanismus oft und gerne aus – sehr häufig unbewusst.
Auch anderen Frauen gegenüber.

Gegen Tränen anzukommen, ist eine fast aussichtslose Angelegenheit.

Und ich bin mir sicher: Oft sind Tränen nicht Ausdruck einer wirklichen emotionalen Bewegung, sondern einfach ein Reflex, basieren auf einem simplen Reiz-Reaktions-Schema und sind – wie bewusst oder unbewusst auch immer – Flucht- und Machtmittel.

Mit Begeisterung las ich einen Bericht der Süddeutschen Zeitung: Der falsche Eindruck vom emotionalen Ausdruck.