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Hochbegabte Mädchen

Im Focus wird auf ein Phänomen aufmerksam gemacht, mit dem ich auch immer wieder konfrontiert werde: Jungen werden extrem häufiger in ihrer Hochbegabung entdeckt als Mädchen.

Zum allergrößten Teil liegt das daran, dass Jungen wirklich meist irgendwie verhaltensauffällig nach außen hin werden (Aggressivität, Klassenclown etc.), so dass man nicht mehr weggucken kann und etwas unternommen werden muss. Dabei wird Hochbegabung dann oft entdeckt.

Mädchen leiden in ganz vielen Fällen still vor sich hin, kapseln sich ab, passen sich an, basteln manchmal sogar bewusst Fehler in ihre Klassenarbeiten, um nicht als besonders gut aufzufallen, möchten ihre Freundinnen nicht verlieren. Sie werden oft eher ein wenig depressiv, leiden unter psychosomatischen Beschwerden wie Bauch- und/oder Kopfschmerzen, kauen Nägel etc.
Natürlich vermischen sich die Symptome von Mädchen und Jungen oft auch; in der Tendenz kommen Lehrer und Eltern jedoch sehr viel seltener auf die Idee, dass ein Mädchen hochbegabt sein könnte als es bei einem Jungen der Fall ist.
In vielen Fällen ist es so, dass eine Hochbegabung bei einem Mädchen erst dadurch entdeckt wird, dass ein auffälliger Bruder getestet wurde und der kluge testende Psychologe die Eltern motiviert, die Geschwister doch gleich mittesten zu lassen. Oft ist der gemessene IQ des eher zufällig getesteten unauffälligen Mädchens höher als der des auffälligen Jungen – und Eltern und Lehrer fallen aus allen Wolken….

 

“Der Stuhl springt mit dem Abend in den Tisch.”

In der WAZ von heute finden sich weitere Erfahrungen mit der Sprachstandserfassung der 4-Jährigen mittels Sprachtest Delfin 4.

Bei obigem Satz der Überschrift handelt es sich übrigens nicht um eine Zeile aus einem expressionistischen oder dadaistischen Gedicht: Dieser Satz ist Bestandteil des Testes, einer der “Quatschsätze”, die die Kinder nachsprechen sollten. Dass dazu nicht alle Kinder Lust hatten, ist geradezu als Zeichen erhöhter Intelligenz zu werten.

 

Dies und das zur Hochbegabung

Hier gesammelt einige aktuelle Artikel zur Hochbegabung:

Die Kreativschule des Ehepaares Mehlhorn in Leipzig ist ein erfolgreiches Reformprojekt in Sachsen. Jetzt soll auch in Bayern, in Bayreuth, eine Schule nach dem erfolgreichen Konzept eröffnet werden.

Über Mensa wird anlässlich der Jahreshauptversammlung mehrfach berichtet.

Die Westfälische Rundschau bietet einen “Einführungsartikel“.

Über die Einsamkeit mancher Hochbegabter berichtet das Hamburger Abendblatt.

Optimistisches (das sich hoffentllich auch konkret auswirkt…) aus Hessen gibt es hier.

 

Frauen

Da haben wir es wieder:

Frauen als Objekt. Als Objekt des öffentlichen Interesses:

Eigentlich sind sie nur ein Unsicherheitsfaktor – kosten Männer Geld, ruinieren sie manchmal sogar, okkupieren Arbeitsplätze, vernachlässigen dabei ihre Mutterpflichten, kriegen Prügel von der Kirche, sollen aber bitte überall ehrenamtlich all das auffangen und an Arbeit leisten, was nicht bezahlt wird, verdienen auch im Beruf weit weniger als Männer, sollen gleichzeitig Kinder erziehen und die Alten pflegen, auch die Eltern des Mannes natürlich, aber ganz klar berufstätig sein, um finanziell für sich selbst sorgen können, eine eigene Rente aufbauen und noch natürlicher natürlich reichlich Nachwuchs in die Welt setzen, weil das ja die eigentliche Berufung der Frau sei. Und: sexy sollen sie sein, die Frauen – wozu sollen sie denn sonst gut sein…

Willige gesellschaftliche Verfügungsmasse – in jeder Hinsicht und je nach Bedarf.

Es ist einfach zum Kotzen!

 

Hochbegabte Erwachsene

Immer wieder ist es zu erleben, dass Eltern, die Probleme mit ihren hochbegabten Kindern haben, diese Schwierigkeiten als besonders belastend erleben, wenn sie – vermutlich – selbst unerkannt hochbegabt sind. Kinder kommen halt nicht nach anderen Leuten, und dass es einen erblichen Faktor bei der Hochbegabung gibt, ist ja nun nicht abzustreiten. Gerade diese eventuell auch hochbegabten Eltern haben oft Probleme damit, die Hochbegabung ihrer Kinder zu erkennen und zu akzeptieren. Dasselbe gilt im Übrigen nicht selten auch für Eltern, die um ihre eigene Hochbegabung wissen. Vermutlich ist dieser Widerstand zumindest teilweise darin begründet, dass eigene belastende und schmerzhafte Erfahrungen in der Jugend dazu bewegen, alles, was mit irgendwelchen Besonderheiten zu tun hat, (unbewusst) auszublenden nach dem Motto “Nur nicht daran rühren!” und “Meinem Kind soll das erspart bleiben, was ich erlebt habe”. Gerade diese Eltern beteuern gerne immer wieder, sie wollten doch nur ein “normales” Kind und nichts weiter. Manchmal ist es in diesen Fällen nicht möglich, den Eltern eine einigermaßen fruchtbare Annäherung an das Thema “Hochbegabung” zu erleichtern. Für die betroffenen Kinder ist das natürlich besonders schwierig, denn sie haben es nicht nur mit der eigenen Problematik zu tun, sondern erleben auch noch mangelnde Akzeptanz seitens ihrer Eltern und leben manchmal zusätzlich deren eigene alte (Identitäts-) Problematik aus und weiter.

Das Phänomen der Hochbegabung bei Kindern ist mittlerweile anerkannt, und bei allem, was noch zu tun übrig bleibt, ist doch schon eine Menge geschehen, um diese Kinder in ihren Fähigkeiten zu erkennen und zu unterstützen. Bei erwachsenen Hochbegabten ist das noch nicht ausgeprägt der Fall. Das liegt zum Teil daran, dass bei Erwachsenen vieles schon verschüttet und zugedeckt ist und die auftretenden Symptome extrem unterschiedlich sind, so dass Hochbegabung als des “Pudels Kern” und Grund für viele bisher unverstandene Schwierigkeiten oft sehr schwer auszumachen ist. Auf die Idee, “einfach mal” einen Test zu machen, kommen die wenigsten.

Ich bin aufmerksam gemacht worden auf ein Buch, das meines Wissens nach das erste ist, das sich mit dem Thema der erwachsenen Hochbegabten auseinandersetzt: “Ganz normal hochbegabt – Leben als hochbegabter Erwachsener” von Andrea Brackmann. Hier finden sich dankenswerterweise unterschiedliche Ansätze und Anwege hin zum Thema, persönlich geprägt, mit vielen Beispielen und Lebensläufen. All das erleichtert den Zugang und bietet denen eine Hilfe, die sich erst einmal vorsichtig an das Thema Hochbegabung annähern müssen. Auch Anlaufstellen, es sind noch nicht viele, sind im Anhang genannt, z.B. Mensa und Hochbegabte Erwachsene. Für ältere Jugendliche gibt es zudem den Kubus, der mit der “Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind” (DGhK) kooperiert, und die Storming Brains.

Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr hochbegabte Erwachsene sich selbst auf die Spur kommen. Das ist wichtig für sie selbst natürlich, aber auch für ihre Kinder: Die eigene gelungene Identitätsfindung ist für Eltern eine elementare Voraussetzung dafür, einen klaren, unverstellten Blick auf ihre Kinder und deren Besonderheiten haben zu können.

 

Sprachstandserfassung

So, nun habe ich also die ersten Rückmeldungen über die neuen Sprachstandserfassungen mit Delfin im Kindergarten erhalten – und ich weiß nicht, ob diese Erfahrungen zum Lachen oder zum Weinen Anlass bieten:

In einem Kindergarten betrug die Quote der Verweigerer 90%. Den Kindern war die Situation fremd; das Spielchen wurde von “irgendeiner” Grundschullehrerin geleitet – und die Kinder, egal auf welchem Sprachstand, haben schlicht gefremdelt und geschwiegen.

Auch schon Kunde bekommen habe ich vom Abschneiden zweier wohl hochbegabter Kinder, die beide normalerweise reden wie Wasserfälle. Eines davon, ein Mädchen, kann darüber hinaus ernsthafte Gedichte wie die Fontane-Ballade vom “Herrn Ribbek” auswendig rezitieren. Das Mädchen hat schlicht geschwiegen (s.o.) – und ist deswegen “durchgefallen”; der Junge fand das Ganze so demütigend, dass er es boykottiert hat, indem er irgendwelche unsinnigen Laute und Satzfetzen produzierte und damit natürlich als defizitärer Sprecher aufgefallen ist. Auf die Idee, dass ein 4-Jähriger schon zu Ironie und eigenständigem Handeln in der Lage sein könnte, ist niemand gekommen.

Der Test scheint, vor allem und zumindest, was die Durchführung angeht, extrem überarbeitungsbedürftig zu sein.
Auch über das Niveau des Sprach-Spielchens mag man streiten. Hochbegabte sind durchaus, siehe oben, in der Lage, Situationen, die sie als unwürdig empfinden, zu boykottieren. Das sollte man zumindest wissen, wenn man “professionell” mit Kindern zu tun hat. Dieses Wissen ist aber bis heute durchgängig nicht voraussetzbar:
So wurde mir z.B. von der schulärztlichen Einschulungsuntersuchung eines mit IQ 140 getesteten 6-Jährigen berichtet. Der sagte sehr bestimmt, nachdem er vier Farben benennen und ein 9-teiliges Pumuckl-Puzzle zusammenbasteln sollte, was er dann auch widerstrebend (normalerweise machte er “ernsthafte” Puzzle mit 500 Teilen) getan hatte, auf die zusätzliche Aufforderung, noch drei Teile in die richtigen Öffnungen einer Box zu stecken: “Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst! Darf’s sonst noch was sein!?” Darauf die Schulärztin zur Mutter: “Naja, körperlich ist er ja soweit, aber besonders helle scheint er nicht zu sein!”

Auch bei den Sprachstandstest scheint es wieder einmal nur auf die Mindestanforderungen anzukommen. Eigentlich wären diese Erhebungen – ohne zusätzlichen Aufwand, ohne zusätzliche Kosten – auch eine wunderbare Gelegenheit, Kinder mit besonders gut ausgeprägten Sprachfähigkeiten, Kinder mit sprachlicher Hochbegabung, früh zu erkennen, damit auch sie entsprechend gefördert werden können.
Vielleicht kommt ja noch jemand auf die Idee…

 

Fruchtbare “Langeweile”

Spiritualität im Alltag – nicht unbedingt “Sondersituationen” wie der Rückzug auf Berge oder in Klöster sind erforderlich für ein spirituelles Leben, sondern eigentlich “nur” die richtige Übungshaltung im Alltag und der Mut zur “Langeweile”.
Sakyong Mipham Rinpoche, moderner Buddhist und anerkannte geistliche Autorität im tibetischen Buddhismus, im Interview mit der SZ.

 

Buchkontakt erst in der Schule

Es ist ja ein bekanntes Phänomen, dass es nicht mehr unbedingt die Kinder mit dem vielzitierten Migrationshintergrund sind, die Schwierigkeiten mit unserer Sprache haben, sondern unsere eigenen “einheimischen”.

“Für immer mehr Kinder in Deutschland ist das Schulbuch das erste Buch im Leben. ‘Zwei von drei Eltern lesen ihrem Nachwuchs niemals vor’, erklärte Christoph Schäfer von der ‘Stiftung Lesen’ auf der Leipziger Buchmesse. ‘Von der Geburt bis zur Einschulung lesen Eltern aus bildungsfernen Schichten ihren Kindern insgesamt nur 24 Stunden vor.’ Werden diese Kinder nicht im Kindergarten ans Schmökern und Lesen herangeführt, seien sie in den entscheidenden Jahren vor dem Schuleintritt von Bildung und Wissen ausgeschlossen.

Während Bilderbücher vielen Kleinen fremd sind, gehört der Fernseher zum vertrauten Inventar. Zwei Stunden Fernsehen ist Alltag für jeden zweiten Fünf- bis Sechsjährigen, ergab eine Befragung von 4500 Vorschulkindern in Bayern.

Kinder, die mehr Zeit vor dem Fernseher verbringen als mit Eltern und Geschwistern, kennt Günter Kloos in Gelsenkirchen nur zu gut. Fast 300 Kinder mit Sprachverzögerungen untersucht der Hals-, Nasen-, Ohrenarzt jedes Jahr vor der Einschulung. ‘Fernsehkinder sind leicht zu erkennen: Sie reden oft mit einer Piepsstimme einfältige Worte oder Bruchteile von Sätzen.’ Solche Störungen seien zum Teil sehr auffällig, aber kein Wunder, erklärt Kloos. ‘Wenn niemand mit den Kleinen redet, können sie auch nicht sprechen lernen.’ ”

Nachzulesen in der WAZ und im Kölner-Stadtanzeiger.

 

Let’s fetz!

Beruhigend für alle verunsicherten Eltern, die genervt annehmen, der Musikgeschmack ihrer hochbegabten Sprösslinge sei eigentlich ein sicheres Zeichen dafür, dass keine Hochbegabung vorliegen könne:
Die Universität Warwick hat den Musikgeschmack hochbegabter Schüler untersucht….
Näheres dazu unter Netzeitung.de.

 

Na also!

Vielleicht ist die Hoffnung, der Umgang mit Hochbegabung im (Kindergarten-/Schul-) Alltag könnte eines Tages selbstverständlich werden, doch nicht so abwegig. Im Kölner Stadtanzeiger jedenfalls ist ein Bericht zu finden über eine Kindertagesstätte in Köln-Chorweiler (!), die sich präsentiert als Kölns erster Schwerpunktkindergarten für Hochbegabtenförderung.

“Hier hat man gelernt, durch das Beobachten der Kinder außergewöhnliche
Begabungen zu erkennen. ‘Das müsste jede Kita lernen’, sagt Leiterin Karola Palinsky. Sie glaubt, dass sich in jeder Kindertagesstätte oder Kindergartengruppe ein bis zwei hochbegabte Kinder befinden, die oft nicht als solche erkannt werden. ‘Diese Kinder fühlen sich dann unwohl. Sie merken, dass sie anders als andere sind, wissen aber nicht warum.'”
Die Leiterin geht davon aus, “dass sich zumindest die großen Kitas in Köln den Umgang mit Hochbegabten im vorhandenen engen personellen und finanziellen Rahmen zur Aufgabe machen können. ‘Man braucht ein dynamisches Team, das Lust auf Weiterbildung hat und einen Träger, der das unterstützt. Hochbegabtenförderung kann man in den laufenden Betrieb integrieren.'”

Na also!

 

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