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HAWIK IV – Erste Eindrücke

Da es nach der Einführung des neuen IQ-Testes, HAWIK-IV, etliche irritierte Rückfragen verunsicherter Eltern gab, welchen IQ-Test man denn nun empfehlen könne und ob da jetzt nun mit dem HAWIK-IV völlig andere Ergebnisse herauskämen, habe ich gerne das Angebot eines testenden Psychologen angenommen, mir einmal das Material des neuen HAWIK-IV zu zeigen, um einen Eindruck zu bekommen.

Der Psychologe, der an ca. 20 Personen den neuen HAWIK angewendet hat, ist angetan von dem neuen Test. Für ihn zeigen sich in einigen Bereichen Verbesserungen, die es erlauben, noch differenziertere Aussagen zu machen, auch etwa zu Hochbegabung und Underachievement.

Es gibt beim HAWIK-IV drei Alterseingangsstufen, wobei sich jeweils das letzte/erste Jahr überlappen, so dass man individuell entscheiden kann, ob ein 16-Jähriger noch den “Jugendtest” oder den der Erwachsenen absolvieren soll.

Erstmals scheint es wirklich möglich, schon 3-Jährige recht zuverlässig testen zu können. Pro Jahrgang wurde der Test an jeweils 75 Mädchen und 75 Jungen durchgeführt, so dass dort eine recht zuverlässige Ergebnis-Vergleichbarkeits-Grundlage entstanden ist. Trotzdem sollten Eltern es sich wirklich gut überlegen, ob ein Test in einem solch frühen Alter schon notwendig ist. Auf puren Verdacht hin, z.B. auf vorliegende Hochbegabung bei ansonsten “unauffälligem” Kind, empfiehlt sich eine Testung in diesem Alter eher nicht. Aber immerhin: es sieht so aus, als ergäben sich zuverlässige Ergebnisse.

Als großes Plus des neuen Testes gab der Psychologe an, dass es nun leichter möglich sei, Hochbegabte und Minderleister zu identifizieren. Eine ganz bestimmte Aufgabe, die hochbegabten Kindern oft zu öde erscheint und bei der gerade diese Kinder einknicken und Fehler machen, gibt es nun gleichzeitig unter einer erschwerten Bedingung. Dabei schneiden dann gerade diese Kinder sehr gut ab. Die Differenz bei der Auswertung dieses Aufgabenkomplexes leichter Teil/erschwerter Teil gibt deutliche Hinweise in Bezug auf die Vigilanz (hier einfach ausgedrückt: Abschlaffen der Aufmerksamkeit bei zu leichten Aufgaben). Unterstützt werden kann diese Aussage durch einen weiteren Testteil, den die Kinder, die den schwierigen anderen Testbereich besser lösten, auch weit besser meisterten als andere Kinder.

Herausgefallen gegenüber dem HAWIK-III sind beim HAWIK-IV z.B. Rechenaufgaben und Bildfolgen; neu hereingekommen sind Bildkonzepte (abstraktes kategoriales Denken), Buchstaben-Zahlen-Folgen (Akustische Merkfähigkeit; Aufmerksamkeit und Konzentration), Matrizen-Test (Visuelle Informationsverarbeitung, Erkennen von Analogien, abstraktes Denken), Symbolsuche (Beobachtungsgenauigkeit, Konzentration, Geschwindigkeit von Verarbeitungsprozessen)

Was mir bei all dem allerdings wieder einmal als Allerwichtigstes aufgefallen ist, das ist die enorme Bedeutung der Person des Testenden. Die kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Ein Beispiel: in einem Testbereich des HAWIK-IV gibt es einen wirklich handwerklichen Fehler: eigentlich dürfen nur 3 Bilder abstrakt inhaltlich zusammenhängen – in einem Fall sind es aber eindeutig 4, wobei die Kombination mit diesem einen Bild, das zuviel ist, per Auswertung als falsch gewertet werden müsste. Es ist aber definitiv eine richtige Antwort, wenn das Kind dieses Bild nennt. Was tun?
Oder: Der Testende sagt nach einer nicht richtig gelösten Aufgabe zum Kind: “Gut, weiter dann: Aber das nächste Beispiel kannst Du dann sicher auch nicht lösen.” – Oder aber er sagt: “Gut, weiter: Das nächste Bild liegt Dir sicherlich viel mehr.”
Allein durch solche, manchmal völlig unbewusst dahergesagten, Dinge kann ein Test massiv beeinflusst werden; ebenso auch durch die Gestaltung von Räumlichkeiten, Hektik im Umfeld, professionelles Desinteresse (Massenbetrieb) etc.

Bei den Testergebnissen bei Anwendung des neuen Testes, die der testende Psychologe, der mir freundlicherweise Einsicht in den HAWIK-IV gegeben hat, festgestellt hat, sieht er bisher keine signifikanten Unterschiede zu den Ergebnissen mit dem HAWIK-III. Aber in dem Bereich eine Aussage zu machen, dafür sei es noch zu früh. Hochbegabung habe sich mit dem neuen Test im Grunde bisher genau so oft herausgestellt wie mit dem alten.
Es mag dennoch sein, dass der Test „schwerer“ geworden ist, dass aber durch die Differenzierung bei einem Testbereich, der für hochbegabte Kinder „zu leicht“ war und schlecht gemeistert wurde, jetzt aber mit dem Wert für den erschwerten Teil dieses Testbereiches „verrechnet“ wird, hochbegabte Kinder besser erkannt werden können.

Der HAWIK-IV wird sich durchsetzen; eine Neujustierung des Testes war überfällig.
Spätestens im nächsten Sommer, so der Psychologe, solle sich niemand mehr mit dem alten HAWIK-III testen lassen. Eltern von Kindern mit Verdacht auf Hochbegabung und/oder Underachievement sollten schon jetzt wegen der besseren Differenzierung der Testergebnisse in einem dafür relevanten Bereich darauf achten, dass der HAWIK-IV als Test eingesetzt wird.
Ob allerdings auch offizielle Stellen wie schulpsychologische Dienste etc. schon bald das Geld für den neuen HAWIK-IV ausgeben können/wollen, bleibt fraglich. Auf die Dauer wird es aber ein K.O-Kriterium sein, den alten Test anzubieten.
Mindestens 1000 Euro müssen für den HAWIK-IV ausgegeben werden. Das Papier der Aufgaben, die bei der Testung oft gebraucht werden, ist dabei leider z.T. viel zu dünn. Es empfiehlt sich eine Laminierung.
Ein EDV-Auswertungsprogramm für den HAWIK-IV ist auf dem Weg, aber noch nicht wirklich zuverlässig einsetzbar. Es dauert halt immer, bis neue Software-Lösungen wirklich zufriedenstellend laufen. Wenn es aber so weit ist, scheint das EDV-Programm eine große Hilfe bei der Auswertung der Testergebnisse zu sein.

 

 

Einfühlsame Pädagogik

Sagt die Grundschullehrerin zum hochbegabten Jungen, der sich im Matheunterricht langweilt und mit dem Füller auf seine Hand “richtige” Aufgaben aufschreibt und ausrechnet:
“Wenn Du das nochmal machst, hacke ich Dir die Hand ab!”

 

Gewürzterror

Überall ist die Rede vom Recht auf Freiheit und Forderung nach noch mehr Freiheit: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit, zu streiken, sich zu versammeln, geheim zu wählen, Recht auf Freiheit von Zigarettenrauch etc. etc.

Ich fordere: Freiheit vom ekelhaften Zwangsknoblauch in allem und jedem!!

Nichts gegen Knoblauch, wohlgemerkt. Ich mag Knoblauch. Es gibt Gerichte, die gehen nicht ohne.

Aber ich will wählen können, wann ich ihn esse!!

Knoblauch ist nun mal nicht irgendein Gewürz. Er hat eine sehr starke kommunikative und soziale Komponente – wie das Rauchen. Ein einziger, stark Knoblauch ausdünstender Mensch kann einen ganzen Saal verpesten. Toleranz macht nur dann Sinn, wenn sie nicht durch Rücksichtslosigkeit anderer ausgenutzt wird.

Heutzutage ist es allerdings fast absolut unmöglich geworden, irgendetwas an gewürzten Lebensmitteln oder (Tiefkühl-) Fertiggerichten zu kaufen, das ohne Knoblauch ist. Das gilt auch für Lebensmittel aus Bioläden.
Gerade, wenn man es beruflich eilig hat und eine schnell zubereitete Mahlzeit zwischendurch braucht, aber danach noch mit anderen Menschen, Geschäftspartnern zumal, in engeren Kontakt kommen wird, steht man da und weiß nicht, was man tun soll.

Dass in über 9583,7% aller Dinge, auf denen nur schon das Wort “Kräuter” steht (Käse, Quark, Butter, Tofu, Dips, Chips, angemachte Salate, andere Mahlzeiten) zwangsläufig und totsicher Knoblauch ist, das weiß man ja mittlerweile, und das reduziert die Anzahl der Dinge, die man kaufen kann, schon beträchtlich.
Warum aber, um alles in der Welt, ist auch ein so völlig unverdächtiges Gericht wie das deutsche “Edelgemüse” mit Möhren, Brokkoli und Kasselerstückchen knoblauchverseucht??
WARUM???
Warum heißt “Kräuter der Provence” automatisch “Mit Knoblauch”?
Warum muss ein Tiefkühl-Fertiggericht mit Nudeln und einer simpler Schinken-/Käsesauce nach Knoblauch nur so stinken???
Warum müssen Hirschsteaks mit Knoblauch mariniert sein???

Ganz schlimm finde ich, dass Knoblauch sehr häufig noch nicht einmal auf der Packung in der Zutatenliste der Gerichte aufgeführt ist. Wenn da nur schon “Kräuter” steht oder auch nur pauschal “Gewürze”…
Kein Entrinnen!

Ich habe in England, Schottland und Irland schon hunderte Fish&Chips gegessen – natürlich völlig knoblauchfrei. Als ich vor kurzem in Deutschland einen “original englischen Pub” aufsuchte und es mit einem hiesigen “britischen” Fish&Chips versuchte, waren die Erbsen der Mahlzeit knoblauchverseucht. Hat schon jemals jemand in Großbritannien Erbsen mit Knoblauch gegessen?

Ich fasse es nicht!

Warum bereitet es ansonsten ganz vernünftigen deutschen Zeitgenossen ein so großes Vergnügen, aus eigentlich harmlosen Mahlzeiten eine Knoblauchorgie zu machen mit dem genüsslich-verschwörerischen Augenzwinkern, dass es etwas ganz Besonderes gebe?
Kampf gegen die böse Welt???
Rache an den Mitmenschen wegen frühkindlichem Muttertrauma?
Angst vor Vampiren???
Pure heimtückische Rücksichtslosigkeit?
Der Wunsch, kein deutscher Gartenzwerg, sondern ein Multikulti zu sein?

Warum muss aus jedem Rohkost-Dip ein so nach Knoblauch stinkendes Zaziki gemacht werden, dass es kein Grieche mehr anrühren würde???

Ich verstehe es nicht – und ich kann es nicht ausstehen. Ständig mit Knoblauch zwangsgefüttert zu werden und meine Mitmenschen, ohne es zu wollen mit dem obligatorischen Mundgeruch und anderen typischen Ausdünstungen zu belästigen: ICH WILL ES NICHT!
Ich möchte wählen können.

Freiheit vom Zwangsknoblauch!

 

Danke!

Gründe zum Jammern gibt’s genug in dieser “besten aller Welten”, so dass es leicht ist, zu klagen – und angesagt scheint es auch zu sein.

Aus einer aktuellen Erfahrung heraus, die mittlerweile sicherlich kein Einzelfall mehr ist, möchte ich aber auch einmal deutlich “Danke” sagen.
“Danke” all den Schulen und Lehrern, die sich wirklich um Kinder mit Hochbegabung bemühen. Vor allem Dank an die, die Schüler/innen, die hochbegabt und dazu in irgendeiner Weise “schwierig” sind, Underachievern z.B., Hilfe und einen Vertrauensvorschuss geben.

Es gibt es: vorbildhaftes Verhalten in ganz normalen Schulen und dort, wo man es vielleicht nicht vermutet. Als Beispiel kann ich anführen das Vestische Gymnasium in Bottrop-Kirchhellen, das einem Jungen, der nun wirklich alle Symptome des Underachievements zeigt, größtmögliche und sehr individuelle Unterstützung gibt.

Sie existieren, die Fälle, in denen Underachiever eine wirkliche Chance bekommen. Das bedeutet aber auch, dass eigentlich irgendwann dann auch die Schüler dran sind, das Ihre zu geben…

 

 

Spät entdeckte Hochbegabung

Es berührt mich immer wieder, von Leidensgeschichten hochbegabter Kinder zu erfahren. Diese Leidensgeschichten gibt es immer noch, mittlerweile manchmal weniger, weil die Schulen sich ignorant weigern, zu helfen, sondern immer öfter, weil die allgemeinen Lebensumstände schwieriger und komplexer geworden sind, Familien auseinanderbrechen, problematische und widersprüchliche Symptome, Auffälligkeiten, Lebens-, Verhaltens- und Erziehungsaspekte oft wenig harmonisch und konstruktiv aufeinanderprallen.

Noch mehr berührt es mich, muss ich gestehen, wenn ich aus erster Hand Schicksale hochbegabter Erwachsener erzählt bekomme, von Betroffenen, die z.T. erst im Alter von 50 Jahren erfahren haben, dass sie hochbegabt sind. Es macht mich immer wieder betroffen, wie einsam diese Menschen oft ihr Leben lang gewesen sind im Gefühl, überall falsch zu sein, und wie sehr doch die Hochbegabung, wenn auch unerkannt – und gerade, weil unerkannt, im Guten und Belastenden, ihr Leben geprägt hat. Oft gibt es aus diesem Grunde der unerkannten Hochbegabung tragische Familiengeschichten über mehrere Generationen hinweg.

Begegnungen mit hochbegabten Erwachsenen, die erst spät von ihrem Potenzial erfahren haben, ergeben sich oft ganz zufällig. Die Betroffenen sind dann eigentlich immer von einer beschämenden Dankbarkeit, endlich einmal unverschlüsselt ihre Geschichte erzählen zu können.

Was bei solchen Gesprächen immer wieder zum Ausdruck kommt, ist, dass die Erwachsenen, denen die Diagnose “Hochbegabung” plötzlich eindeutig wird, egal, wie alt sie tatsächlich sind, sich fühlen wie am Anfang ihres Lebens.
Nichts, was war, gilt mehr wirklich.
Die bisherige Lebensgeschichte bricht zusammen und muss im Licht des neugefundenen Faktums Hochbegabung völlig neu angesehen, gedeutet und eingeholt, ja, neu erfunden werden.
Oft folgt ein Aha-Erlebnis dem anderen – wie eine Reihe von inneren Explosionen. Erlebnis-Puzzlesteine, die früher nicht einordbar waren, finden plötzlich ganz eindeutig ihren Platz.
Es ist für Erwachsene oft ein unglaublicher Einbruch in ihr bisheriges Leben, mit ihrer Hochbegabung konfrontiert zu werden – wie Tod und Auferstehung. Sie fühle sich wie der Phönix aus der Asche, der stirbt und neu geboren wird, sagte mir eine hochbegabte Frau.
Die späte Entdeckung der eigenen Hochbegabung ist bei Erwachsenen oft mit ganz großer Bestürzung verbunden, mit einer unglaublich überwältigenden Mischung aus Schock und Erleichterung, plötzlichem Verstehen, Bedauern über Versäumtes, großem Schmerz und dem Gefühl, eigentlich noch gar nicht wirklich gelebt zu haben.
Hochbegabte Erwachsene müssen sich sehr häufig von Grund auf neu kennenlernen und in sich selbst ganz neu einleben. Das ist nicht einfach. Bis heute gibt es noch nicht wirklich große Hilfen dazu. Einige Ansprechmöglichkeiten findet man hier.

 

Erholung

Unterwegs im Urlaub.

Nicht weit weg und doch weit weg von allem.
Plötzlich reicht es, von Balkon und Fenster auf den See zu schauen.
Wasser und Horizont
Kleine Kräuselwellen
Aufleuchten der sterbenden Blätter im Licht der Sonne
Ein paar späte Segelboote
Möwen und Enten in ihrem eigenen Lebensgeheimnis
Sich verlieren im wechselnden Licht
Windstille
Gedankenstille
Dasein genügt
Sieh dort: der Regenbogen umspannt den ganzen See                                               

       

 

Herausforderung

                                                
Der größte Lehrer kann dich nicht umgestalten;
er kann dich befrei’n,
du musst dich entfalten.

Ernst Freiherr v. Feuchtersleben

 

Hochbegabung: Störung? Krankheit?

Hochbegabung = Abweichung von der “Normalität” = nicht normal…

In den letzten Wochen in mehreren Zeitungsartikeln als “Fluch” bezeichnet, wird heute einmal wieder das “Phänomen” Hochbegabung abgehandelt unter dem weiten Mantel der behandlungsbedürftigen Störungen:
Unter dem bereits aussagekräftigen Titel “Legasthenie, Dyskalkulie und Hochbegabung” veröffentlicht Echo-online die Ankündigung einer Messe zu Beratungs- und Förderangeboten in Rossdorf, Hessen.
Mehr als 50 Pädagogen informieren – jetzt wörtlich zitiert: “über
den Umgang mit Störungen wie Legasthenie und Dyskalkulie, aber auch zur Hochbegabung
“.

Ich verkneife mir jeden Kommentar, weiß aber nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Erinnert werde ich in diesem Zusammenhang an den Beginn des Vortrages eines der Mitbegründer der Jugendplattform KUBUS auf einem Ärzte-Symposium mit dem Thema “Autismus, Asperger-Syndrom und Hochbegabung”:

Etwas irritiert war ich, als ich den Titel der Tagung las, auf der ich einen Vortrag zum Thema Hochbe­gabung halten sollte. Hochbegabung in einer Reihe mit Autismus und dem Asperger-Syndrom? Auf den ersten Blick schien mir das ein wenig merkwürdig. Dreht man jedoch die Perspektive von sich weg und hin auf die eines Beobachters, wird die Parallele offenbar: Alle drei Phänomene führen zu einem für die Umwelt schwer verständlichen Verhalten.
Allerdings ist das Ausmaß doch sehr verschieden: Während Autismus und Asperger-Syndrom Krank­heiten sind, die dem Betroffenen ein eigenständiges Leben stark erschweren oder gar unmöglich ma­chen, ist Hochbegabung ein Phänomen, das den Betroffenen eigentlich das Leben um vieles erleich­tern müsste, wenn die Umgebung nicht oftmals Schwierigkeiten hätte, mit dem Hochbegabten umzu­gehen.Bei Autismus und Asperger-Syndrom kann es Ziel einer Therapie sein, den Patienten an die Realität heranzuführen und ihm ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen. Was aber könnte das Ziel einer „Therapie“ für Hochbegabte sein?
Eine Heranführung an die „Normalität“ kann es nicht sein, denn sie würde für den Betroffenen einen Rückschritt bedeuten, und ich kenne einige Fälle in denen genau solche Versuche zu massiven psychischen Problemen bis hin zu
Suizidversuchen geführt ha­ben.

Da muss ein Jugendlicher einer großen Versammlung von verdoktorten Ärzten sagen: “Hallo Jungs, ich bin hochbegabt – aber ich bin nicht krank oder unnormal, und therapiert werden muss ich deswegen schon gar nicht!” …

 

Neue Kurzsichtigkeit

Ist nun jeder gute Schüler hochbegabt? Ist andererseits jeder hochbegabte Schüler automatisch ein schulischer Überflieger?
Diese Fragestellung ist aktueller denn je.

Starke Schüler brauchen Förderung” titelt Echo-online.
So lobenswert diese Feststellung ist und so modellhaft sinnvoll der Umgang mit Hochbegabung auf den mit dem hessischen Gütesiegel ausgezeichneten Gesamtschulen Münster und Rodgau, so sehr erregen die Aussagen der jeweiligen Direktoren dieser Schulen in mir den Argwohn, dass es wiederum nur die Schüler mit den guten Noten sind, die in den Genuss der entsprechenden Fördermaßnahmen für Hochbegabte kommen:

“Ich tue mich schwer mit dem Begriff Hochbegabung und spreche lieber von hochmotivierten und leistungsstarken Schülern“, sagt z.B. Herr Cwielong vom Gymnasium Münster.
Und Heidi Kempf von der Rodgauer Schule: “Verschwindend wenige Schüler seien getestet hochbegabt, alle motivierten, lernfreudigen Schüler würden in den Kursen zusammengefasst.”

Mich stört an dieser Aussage nicht, dass Schüler nicht getestet sind – mich stört allerdings, dass der Blick einmal wieder nicht gerichtet ist auf die hochbegabten Schüler, die eben nicht “motiviert und leistungsstark” sind, weil ihre Vorgeschichte sie zu Underachievern gemacht hat. Es geht einmal wieder nur um die Hochleister.

Mein Verdacht bestätigt sich immer mehr: Das “Phänomen” Hochbegabung ist zwar so langsam salonfähig geworden, und man tut auch recht gerne etwas für die Hochleister. So etwas schmückt mittlerweile ja auch. Diejenigen aber, die an ihrer Hochbegabung leiden, Minderleister geworden sind, nicht motiviert vielleicht sogar zum Problem geworden sind, weil sie z.B. keine Hausaufgaben machen, stören etc. die fallen mittlerweile immer öfter durch jedes Raster, während die Hochleister hofiert werden.

Da hat sich eine neue Art des falschen Umgangs mit Hochbegabung entwickelt.
Diese basiert oft auf Unkenntnis, die – sorry – auch z.T. darauf zurückzuführen ist, dass die meisten Menschen/Pädagogen, die mit Schule zu tun haben, halt nicht hochbegabt sind, einfach keine eigenen Erfahrungswerte damit besitzen und deswegen einfach diesen Qualitätssprung im Denken selbst nicht nachvollziehen können (wer noch nie Eierlikör getrunken hat, weiß nicht, wie er schmeckt). Auch deswegen werden so häufig Schüler anhand der “normalen” und sozial anerkannten Kriterien für die Hochbegabtenprogramme halt leistungsorientiert ausgewählt. Leistung ist handfest.

Pädagogin Heidi Kempf: „Lehrer sind sehr wohl in der Lage, hochbegabte Schüler von fleißigen zu unterscheiden.“
Sorry: aber das glaube ich ganz und gar nicht. Das mag vielleicht bei der Unterscheidung innerhalb der Gruppe der wirklichen Hochleister zutreffen, ansonsten aber nicht!
Im Gegenteil, der Trend geht in die andere Richtung, nämlich die simple Gleichung “Motivierter Hochleister = vielleicht hochbegabt” bzw. im Umkehrschluss “Minderleister, Leistungsverweigerer = Problem und bestimmt nicht hochbegabt” für die Wirklichkeit zu halten und als Basis pädagogischen Handelns zu nehmen.

Es gehen immer noch viel zu viele hochbegabte Schüler verloren, weil sie nicht als hochbegabt erkannt werden und – wenn es sich um Minderleister handelt – weil es viel zu wenige Underachiver-Programme gibt.

Hochbegabte Hochleister hat man mittlerweile gerne – Underachiver dagegen werden sogar oft auch in den Schulen ausgegrenzt, die sich ansonsten den Umgang mit Hocbegabung auf die Fahnen geschrieben haben.


 

Verarmung

Häufig wird im Moment, der diesjährige Weltkindertag ist heute, geklagt über die üble finanzielle Situation vieler – zu vieler – Kinder. Oft zu Recht.

Kindernot in Deutschland hat aber noch ein anderes Gesicht – meiner Meinung nach ein noch viel schlimmeres als das des Geldmangels – nämlich das der emotionalen Verelendung vieler Kinder – wobei davon durchaus auch Kinder betroffen sind, deren Familien keine finanziellen Sorgen haben.

Zerbrechen von Familienstrukturen, Statusdenken, Freizeitkicks, Arbeitslosigkeit, Süchte aller Art, Unreife, Egoismus und oft pure Gleichgültigkeit von Erwachsenen: ungezählt viele Kinder, auch aus den sogenannten “guten Verhältnissen”, sind alleingelassen mit ihre Ängsten und Problemen, unendlich einsam und allein, in Gefühlsdingen leer und orientierungslos, emotional ausgehungert, vernachlässigt und verstört – die Auswirkungen dieser Entwicklung werden wir zu spüren bekommen. In den Schulen sind es oft die Konsequenzen der Probleme dieser Art, die das Unterrichten so unendlich mühsam macht.

Die SZ legt den Focus ihres Artikels von heute auf genau diesen Punkt: “Vergessen und verloren” heißt der Artikel, in dem der Finger in eine eher in der Dunkelheit offen eiternde Wunde gedrückt wird: Nur wenn einmal wieder ein Baby alleingelassen verhungert oder totgeschüttelt aus einer Kühltruhe gefischt wurde – emotionale Traumatisierung von Kindern also auch zu einer drastisch-konkreten Konsequenz geführt hat – wird die sozial/emotionale Verelendung vieler Kinder mit einem kurzen, empörten Aufschrei beklagt.

Wieviele Kinder bekommen zu Hause schon keine wirkliche Mahlzeit mehr – von einem gemeinsamen Essen am Familientisch gar nicht zu reden… Auch dieses McDonalds-/Pommes-/Pizza-Phänomen ist häufig keine direkte Auswirkung einer finanziellen Notlage von Familien.

Das wird noch schlimm werden” – ein weiterer Artikel der SZ von heute. Ein in der Jugendhilfe aktiver Jugendpastor sagt darin: “Wir haben bereits französische Verhältnisse: In Berlin brennen ständig Autos. Es heißt dann: Der Staatsschutz ermittelt. Ja, was soll er denn ermitteln? Das ist Kinderkriminalität. Das sind ausgestoßene junge Leute, die nichts mit sich anzufangen wissen und sich in Banden zusammenrotten. Das wird noch schlimm werden. Sie glauben gar nicht, welches Ausmaß die sexuelle Verwahrlosung angenommen hat. Mit 15 haben die alles durch. Mit 16 kriegen die Mädchen ihr erstes Kind. So dreht sich die Spirale weiter. Das sind Probleme, die die gesamte Gesellschaft betreffen.”

In einer “Studie wurden 15-Jährige gefragt, wie oft sich ihre Eltern Zeit für ein Gespräch mit ihnen nehmen. Lediglich 40 Prozent antworteten mit: ‘Mehrmals in der Woche’. Damit liegt Deutschland in dieser Kategorie auf dem letzten Platz. Reichtum kann auch darin bestehen, überhaupt erst wahrgenommen zu werden.”

“Reichtum kann auch darin bestehen, überhaupt erst wahrgenommen zu werden.” – Dieser Satz kann gar nicht genug schmerzen.

Reichtum kann auch darin bestehen, überhaupt erst wahrgenommen zu werden.

 

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