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Luxus

Es ist kein Luxus, Begabte zu fördern.
Es ist ein Luxus, und zwar ein sträflicher, dies nicht zu tun.

(Alfred Herrhausen, früherer Manager der Deutschen Bank)

 

Kindergarten in Not I

Da gibt es in NRW südlich des Ruhrgebiets, in einer relativ kleinen Stadt, einen Kindergarten, der sehr individuell und eigentlich schon verhaltenstherapeutisch mit hochbegabten Kindern arbeitet, die z.T. mit großen persönlichen und sozialen Störungen dorthin kommen. Nach einigen Wochen ist es diesen Kindern dann eigentlich immer möglich, in die Kommunikation mit anderen Kindern zu gehen, zu spielen, sich langsam in die Gruppe zu integrieren und sich das geistiges Futter zu holen, das sie brauchen. Sie machen große Entwicklungssprünge – und aus gestörten Problemkindern werden Kinder, die mit ihrem großen Potenzial zu ebensolchen Hoffnungen Anlass geben.

Eine extrem wichtige Arbeit an hochbegabten Kindern, die in anderen Einrichtungen zugrundegehen würden. Und zudem eine präventive Arbeit, die dem Staat, den Krankenkassen (viele dieser Kinder weisen heftige psychosomatisch und psychisch relevante Symptome auf) und anderen Institution auf Dauer enorme Kosten erspart.

Aber wen interessiert das?!

Der Kindergarten, es verwundert kaum, muss sich privat finanzieren und bekommt keinerlei städtische Unterstützung. Dass die Städtische Erziehungsberatungsstelle trotzdem besonders schwierige Kinder mit Hochbegabung gerne mal in diesen Kindergarten schickt, scheint niemanden zum Nachdenken zu bewegen.

Bisher hat dieser KiGa finanzielle Unterstützung durch eine Stiftung bekommen – gerade soviel, dass zusammen mit den Elternbeiträgen der KiGa finanziell über die Runden kam.

Jetzt hat diese Stiftung ihren Schwerpunkt verlegt – und von jetzt auf gleich etlichen Fördereinrichtungen im frühkindlichen Bereich die Gelder nicht nur gekürzt, sondern total gestrichen.
Auch diesem Kindergarten.
Eine Entscheidung am Grünen Tisch.
Die Benachrichtigung über die Streichung der Gelder kam übrigens freundlicherweise zwei Tage vor Weihnachten. Frohes Fest!

Da hochbegabte Kinder nicht besonders häufig finanziell so potente Eltern haben (allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz), dass der Kindergarten eigeninitiativ gerettet werden könnte, werden jetzt Sponsoren gesucht, die eine kontinuierliche Förderung gewährleisten können.

Ansonsten muss der Kindergarten definitiv schließen.

Anfragen und Angebote gerne über mich.

 

Tier müsste man sein!

Einen bemerkenswerten Zeitungsartikel von Caroline Rollinger habe ich gefunden, am 24.12.2007 in der WAZ und abgewandelt in der Aachener Zeitung vom 11.9.2007 (daraus die folgenden Zitate).

Es geht darum, dass man festgestellt hat: “Knut ist wieder in den Schlagzeilen.

“Geh’ mir weg mit Knut”, wird der gelangweilte Leser jetzt denken, aber gemach, gemach: Das Ganze wird noch spannend.

Denn:
Knut ist wieder in den Schlagzeilen, aber: “Diesmal nicht, weil er so niedlich aussieht, sondern wegen seines besorgniserregenden Verhaltens. Der Polarbär nuckelt an seinen Tatzen – ein möglicher Hinweis darauf, dass der Bär sich langweilt.”

Und dann folgt die atemberaubende Feststellung: “Das Problem der Langeweile bei Zootieren ist nicht neu.

Sieh an:

“Zu wenig Platz, Futter auf dem Präsentierteller und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten machen den Tieren zu schaffen. «Da verwundern lustlos herumschweifende Tiger und Affen, die traurig an die Käfigstangen schlagen, nicht», sagt Laura Zimprich von der Tierschutzorganisation «Animal Public».”

Ach ja:

Anders jedoch als bei hochbegabten Kindern ist man nun bei den Zootieren sehr schnell auf die Idee gekommen: “«Nicht nur ein artgerechtes Gehege, sondern auch die Förderung der natürlichen Instinkte und der Intelligenz ist für das Wohlbefinden der Tiere sehr wichtig», bekräftigt die Vorstandsassistentin der Stiftung Artenschutz, Birgit Benzing. In puncto Zeitvertreib sind der Fantasie der Pfleger keine Grenzen gesetzt.”

Schau, schau!

Und weiter: ” Nachdem wissenschaftliche Studien Anfang der 90er Jahre das Thema Langeweile thematisierten, gab es ein Umdenken in den Zoos. Seither halten Spielzeuge, Trainingsprogramme und Fütterungen, bei denen die Tiere ihr Futter suchen oder ihm nachjagen müssen, viele Tiere auf Trab.

Beneidenswert, nicht wahr:

“Jeder Zoologische Garten oder Tierpark in Deutschland entscheidet selbst, welchen Tieren er die Zeit vertreibt und wie lange. Die Methoden werden aber immer weiterentwickelt, wie der Münsteraner Allwetterzoo zeigt. Hier erhalten seit kurzem sogar bisher vernachlässigte Tiere wie Vögel und Fische ein körperliches und geistiges Fitnessprogramm

Wow! Mensch! Zootier müsste man sein!

Langeweile durch Hochbegabung bei Kindern: Mein Gott, die sollen sich nicht so anstellen und sich anpassen…
Langeweile bei Zootieren: Da müssen ausgefeilte pädagogische Programme her, um die Tiere bei Laune zu halten. Die Tierpfleger sind da auch sehr engagiert und ideenreich, wie man in diesem Artikel lesen konnte.

Ich habe da in aller Bescheidenheit einen genialen Vorschlag:
Wie wäre es, wenn man Tierpflegern statt einigen Pädagogen das Unterrichten hochbegabter Kinder überlassen würde. Denen würde bestimmt schon etwas Spannendes zur Förderung einfallen.

Oder sollte man hochbegabte Kinder in den Zoo…

“Also das geht jetzt doch zu weit!”, mag jetzt vielleicht der bestürzte Leser denken: Bier ist Bier, und Schnaps ist Schnaps – und man darf doch dem niedlichen Knut nun wirklich nicht seine Personal Trainer wegnehmen, nicht wahr?!

 

Auf ein immer neues Immer-Jetzt!

Die Zeit geht nicht, sie stehet still,
wir ziehen durch sie hin;
Sie ist ein Karawanserei,
wir sind die Pilger drin.

Gottfried Keller


Ein gutes, fruchtbares Jahr 2008 allen Lesern dieses Blogs!

Erwarte nichts.
Heute: Das ist das Leben.

Kurt Tucholsky

 

Wahrheit im Geheimnis

«Vielleicht empfindet jemand einen Widerstand gegen den Gedanken der Menschwerdung.
Vielleicht ist er bereit, ihn als liebliches, tiefsinniges Gleichnis zu nehmen, nicht aber als wörtliche Wahrheit.
Wenn irgendwo im Reich des Glaubens, dann kann tatsächlich hier der Zweifel einsetzen.
In diesem Fall wollen wir ehrfürchtig sein und Geduld haben.
Wir wollen dieses Herzensgeheimnis des Christentums mit ruhiger, wartender, bittender Aufmerksamkeit umgeben, dann wird uns schon einmal der Sinn aufgeschlossen werden.»

Romano Guardini

 

Auf Weihnacht zu

Richtung Bethlehem
________________________

dem Unbegreiflichen empfänglich gewesen
einen Himmel unter dem Herzen getragen
aufgebrochen in die Nacht
vor verschlossenen Türen gestanden
angekommen auf freiem Feld
die Hoffnung ins Stroh gelegt
Zeichen gesetzt zum Frieden der Welt

Christoph Leisten

 

Unterrichtsfach Lebensfreude

“Welche Art von Menschen wollen wir eigentlich aus der Schule entlassen?”, so die verantwortungsbewusste, aber deswegen nicht langweilige, sondern zutiefst kreative Frage des Schulleiters und Philosophielehrers Ernst Fritz-Schubert.

Seit Anfang dieses Schuljahres wagt die Willy-Hellpach-Schule in
Heidelberg ein ungewöhnliches Projekt. Als erste und einzige Schule in
Deutschland unterrichtet sie das Fach „Glück”.

 

Skrupellos

Was kann man denn überhaupt noch glauben?

Neuere Informationen über die amerikanische Manipulation der weltweiten Meinungen über das Atomprogramm des Iran zeigen wieder einmal, wie menschen- und wahrheitsverachtend die Mächtigen sein können.
Die Welt als Marionette, die der Achtung nicht Wert ist, die nur soviel Wert hat, als man sie für die eigenen Zwecke instrumentalisieren kann.
Das alles im Namen der Demokratie, das im Namen der Religion, das im flammenden Ton der Aufrichtigkeit der Sorge um das Volk und die Sicherheit der Welt.

Nicht, dass der Iran unterschätzt werden sollte – auch er betreibt eine nicht zu durchschauende Machtpolititk. Aber das Verhalten der jetzigen amerikanischen Politik ist zutiefst undemokratisch, es ist skrupellos, es ist gegen jede Religion, es ist würdelos.

Wahrheitswidriges Zündeln kann ungeahnte Konsequenzen haben. Diesen Leuten sollte man noch nicht einmal Nenas 99 Luftballons anvertrauen.

Mich ekelt – und es macht mir Angst.

 

Nebelkerzen

In den letzten Wochen habe ich tunlichst vermieden, all die jetzt wieder auftauchenden Studien und ihre Ergebnisse (Iglu, Pisa) zu kommentieren oder auch nur zu zitieren.
Ob wir hier drei Plätze besser und dort wieder Durchschnitt sind oder was auch immer – wen interessiert’s. Mich nicht mehr. Ganz ehrlich: Ich bin dessen überdrüssig geworden.

Das aufgeregte Hin- und Herdiskutiere ist vor allem Ausdruck der zerrissenen Seele des Deutschen, die sich mal wieder selbst gefällt im Himmelhochjauchzend oder ZuTodebetrübt: Entweder bräsige Selbstzufriedenheit ob der Verbesserung von Platz y auf Platz x oder zerknirschter Weltschmerz und Endzeitstimmung ob einer Verschlechterung oder eines Stillstandes.

Das endlose Diskutieren der erreichten Plätze in den Studien, das Zeit und Zeitungs- bzw. Senderäume füllt, ohne zu wirklichen Erkenntnissen zu führen, hat für mich etwas vom Werfen von Nebelkerzen. Letztlich uninteressante Punkte werden noch und nochmal durchgekaut (dabei weiß jeder: Getretener Quark wird breit, nicht stark), das Wichtige, vor Augen Liegende, sich in allen Studien Wiederholende, Eindeutige und Empörende wird dabei geflissentlich mehr oder weniger außen vor gelassen:

Wir haben ein gravierendes Gerechtigkeitsproblem, das Kinder aus unterpriveligierten Schichten und Migrantenkinder – und dort vor allem auch die Mädchen – völlig unabhängig von ihrem geistig-intelektuellen Potenzial schulisch nicht zum Zuge kommen lässt.
Und das europaweit blamierend eindeutig.
Hinschauen bitte!

Die notwendige innere und äußere Reform des deutschen Schulsystems, das transparenter werden muss hin auf eine wirkliche individuelle Förderung ALLER Schüler und Schülerinnen, wird nicht unnötig dadurch, dass marginale Fortschritte in Studien zu vermelden sind, deren Kriterien nicht immer wirklich transparent und konsequent nachverfolgt werden können. Die Gefahr scheint aber gegeben, dass man sich nach diesen kleinen Verbesserungen – trotz gegenteiliger Verlautbarungen – zurücklehnt nach dem Motto: Ist doch alles nicht mehr so schlimm – und das wirkliche Problem aus den Augen verliert. “Deutschland führt den Durchschnitt an” – so ein Titel in der SZ, der auch die soziale Problematik des deutschen Schulsystems in den Mittelpunkt stellt.

Das deutsche Bildungssystem ist in seinen Grundzügen immer noch ein hochherrschaftliches. Die Abschaffung dieser “elitären” Prägung zu fordern, die nur auf dem Geldbeutel der Eltern beruht, steht nicht im Widerspruch zur Forderung nach Förderung von Kindern mit besonderen Fähigkeiten, mit Hochbegabung.
Es geht in jedem Falle um individuelle Förderung jedes Kindes gemäß seines Potenzials.
Es geht schlicht um mehr Gerechtigkeit in der Bildung – für jeden Schüler, unabhängig von der Herkunft, für jedes Potenzial, egal ob groß oder klein.

 

Irgendwo in Deutschland

Traurig, aber wahr:
Es gibt einen Kindergarten in einer kleinen Stadt in einem eher ländlich geprägten Umfeld, der wunderbare Arbeit leistet. Alles ist offen, in viele klar abgegrenzte Bereiche (Leseecke, Labor, Bauwagen, Computerbereich, Bastelecke, Experimentierraum, Snoozlebereich, Turnraum mit sehr schöner Ausstattung etc.) wunderschön und sinnvoll gegliedert.
Alle Kinder können alle Materialien benutzen – und sie tun es.
Auch begabte “ganz Kleine” werden bei Interesse einbezogen in die Arbeit mit den Großen. Es gibt keine festen Gruppen, sondern es wird nach dem Fachleiterprinzip inhaltlich gearbeitet.
Langeweile gibt es nicht in dem Kindergarten. Jedes Kind findet für sein Begabungsniveau Möglichkeiten. Es kann selbstorganisiert gespielt und gelernt werden, allein und bei bester Unterstützung.
Es ist eine Wonne!
Früheinschulung ist dort überhaupt kein Thema, weil selbst Kinder mit Hochbegabung nichts vermissen. Im Gegenteil: es macht Sinn, die Kinder so lange wie möglich in diesem Kindergarten zu belassen, denn die konservativ arbeitenden Schulen der Umgebung werfen die Schulkinder eher wieder zurück in eine Unselbständigkeit des Lernens, die sie vorher nicht gekannt haben, weil sie im Kindergarten gelernt haben, sich selbst zu organisieren.
Dieser (städtische) Kindergarten arbeitet nicht nur, was Begabungsförderung angeht, vorbildlich, sondern auch noch integrativ, mit Schwerpunkt auf Naturkunde, Gesundheit, Bewegung etc. Das alles kompetent mit speziell ausgebildetem und extrem motiviertem Personal, das sehr unterschiedliche Weiterbildungen absolviert hat und absolviert.

Ein Traum von einem Kindergarten.
Soweit, so gut.

Dieser Kindergarten sollte nun – verdientermaßen – eine Auszeichnung für seine begabungsfreundliche Arbeit bekommen, einen Preis, inklusive einem netten Scheck, einem Schild für den Eingangsbereich und Presse.

Das aber brachte die Leiterin des Kindergartens in arge Not.
Man lese, warum:

Alle anderen Einrichtungen der kleinen ländlichen Stadt arbeiten halt nach alter Väter Sitte, nicht schlecht, bewährt, ohne Experimente. Und: Sie schauen mit bösen bösen Augen auf diesen wunderbaren Kindergarten, der alles anders macht als sie. Er ist ihr Feind.
Anstatt sich zu bemühen, Ähnliches zu leisten, wird verleumdet, schlecht gemacht und gemunkelt, Misstrauen gesät, Eltern wird abgeraten, ihre Kinder dorthin zu schicken, es wird versucht, die gute Arbeit in den unterschiedlichen Bereichen kaputtzureden.

Neid, Missgunst, Angst, Unsicherheit. Was auch immer!
Vor allem aber: Dummheit!

Fazit: Die Leiterin des Kindergarten bittet nun darum, erst einmal den Preis für begabungsfreundliche Arbeit bitte nicht bekommen zu müssen! Jetzt auch noch mit einer solchen Auszeichnung in der Öffentlichkeit zu erscheinen, wäre sehr wahrscheinlich äußerst kontraproduktiv für den Kindergarten. Dann würde man ihm, neben allem anderen, auch noch vorwerfen, elitär zu sein. Man habe schon genug Probleme mit all dem Misstrauen der eigenen Arbeit gegenüber – und ein solcher Preis würde die Arbeit erschweren, nicht erleichtern.

Also: kein Preis für einen auszeichnungswürdigen, begabungsfreundlichen Kindergarten, weil er sich fürchten muss vor der Reaktion in der Stadt.

Das mitten in Deutschland im Jahre 2007.

 

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