Archiv für den April, 2007

Das Eigentliche des Wirklichen suchen

Zum Tode von Carl Friedrich von Weizsäcker ein Nachruf in der Süddeutschen Zeitung:

Es scheint “nicht zu gewagt, Carl Friedrich von Weizsäcker als einen der
großen, aber als einen durch Wissenschaft aufgeklärten Mystiker der
europäischen Geistesgeschichte zu bezeichnen. Am Samstag starb Carl
Friedrich von Weizsäcker nach langer, schwerer Krankheit in Söcking am
Starnberger See. Er wurde 94 Jahre alt.”

Das Eigentliche des Wirklichen suchen –
Das Wesentliche das eigene Wesentlichste sein lassen –
Es gibt nur wenige, die sich, je auf ihre Art, eine solche Sehnsucht leisten und sich in unermüdlicher Konsequenz auf den Weg machen, dem Herz der Dinge auf die Spur zu kommen. Dem Kern. Der wirklichen Kern-Energie in allen und in allem.

“Die Kraft aus dem Kern freigelassen – ein ewiger Frühling”
Migaku Sato

 

Stöckchen-Alarm

Mein erstes Stöckchen, wie schön. Andere Blog-Inhaber stöhnen vermutlich schon, wenn ihnen wieder einmal jemand…., aber ich freue mich, zumindest jetzt beim ersten Mal, darüber. Über Bücher rede ich auch gerne. Das Stöckchen kommt übrigens vom Weltenkreuzer.

Gebunden oder Taschenbuch?

Egal. Mittlerweile vielleicht sogar eher gebunden. Am liebsten mag ich eigentlich das Mittelding, die broschierten Ausgaben. Die glänzen, sind flexibel, machen mehr her als ein Taschenbuch und sind nicht so fest und teuer wie gebundene Bücher

Amazon oder Buchhandel?

Eindeutig beides. Es gibt Buchhandlungen, in denen “finde” ich Bücher, sie springen mich dort richtig an; in anderen, ähnlich großen Buchhandlungen, gehe ich durch die Regalreihen, und es tut sich nichts, weil es dort zu ordentlich und steril ist. Aufbau und Atmosphäre von Buchhandlungen sind sehr wichtig für mich, wie die Bücher dort präsentiert sind, ob sie sich anbieten. Positive Beispiele für Buchhandlungen sind für mich z.B. Poertgen-Herder in Münster und der Stern-Verlag in Düsseldorf. Bei Amazon liebe ich die Querverweise, die mich auf Bücher führen, die ich sonst nicht gefunden hätte.

Lesezeichen oder Eselsohr

Oh, oh! Ja, manchmal beides. Sachbücher sind für mich auch lebendige Arbeitsbücher, in die ich Eselsohren mache und in denen ich z.T. auch Sätze markiere.

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?

Keins von beiden: Ich bin der komische „Kategorien-Typ“: Ich ordne z.B. nach literarischen Epochen, Art der spirituellen Ausrichtung, psychologischen Schulen etc.; Krimis werden z.B. nach Herkunftsland geordnet. Innerhalb einer “Kategorie” ordne ich dann nach Autor.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?

Böses Thema! Behalten! Aber…. irgendwann geht das nicht mehr. Ab und an, so selten wie möglich, wird aussortiert, weil definitiv kein Platz mehr da ist (und wir haben viel Platz für Bücher). Mag ich gar nicht dran denken. Hin und wieder stelle ich Bücher bei Ebay ein.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen? und Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?

Eindeutig behalten, aber lesen meist ohne.

Kurzgeschichten oder Roman?

Weit eher Romane. Sehr häufig aber auch Biografien, noch häufiger Sachbücher.

Harry Potter oder Lemony Snicket?

Potter! Wobei ich aber keinen von denen gelesen, wohl aber alle als Hörbuch genossen habe und zwar beim Autofahren. Da bleibe ich dann auch gerne mal eine halbe Stunde vor meiner Haustür im Auto sitzen, weil es gerade so spannend ist in Hogwarts – und die Nachbarn wundern sich.

Aufhören, wenn man müde ist, oder wenn das Kapitel zu Ende ist?

Meist Letzteres.

“Die Nacht war dunkel und stürmisch” oder “Es war einmal”?

Eigentlich so wirklich keins von beiden. Ich bin kein rechter Fan von Märchen und Gruselgeschichten – mit einer Ausnahme: Ich liebe E.T.A. Hoffmann. Der kann übrigens beides…

Kaufen oder leihen?

Meist kaufen, manchmal aber auch leihen. Leihen meist bei Krimis, halt Büchern, die man einmal so liest.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?

Ersteres so gut wie nie, die drei anderen kommen alle vor. Manchmal „finden“ mich Bücher aber auch, nach denen ich gar nicht gesucht habe, die einfach irgendwie auftauchen und sagen „Lies mich! Ich bin jetzt dran.“

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?

Da ich viele Sachbücher lese, erübrigt sich die Frage meist. Wirklich dramatische Cliffhänger mag ich nicht gar so gerne, offene Enden durchaus schon.

Morgens, mittags oder nachts lesen?

Ausschlaggebend ist, dass ich Zeit habe….

Einzelband oder Serie?

Einzelband, aber durchaus sofort ein Buch desselben Autors, wenn ich sein Schreiben mag.

Lieblingsserie?

Da fällt mir jetzt nur eine Jugendserie ein: Anne of Green Gables von Lucy M. Montgomery.
Nein, da gab es noch eine Krimi-Trilogie von Andrew Taylor: Die vier letzten Dinge.

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?

Ja, gibt es: Bernadette Roberts: Jenseits von Ego und Selbst. Sehr speziell, nicht leicht zu lesen und – verstehe es, wer kann.

Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?

Einige Romane von Sandor Marai. Wir sind im Urlaub durch Ungarn gefahren. Da bot sich Sandor Marai an.

Welches Buch liest du gegenwärtig?

Einen Roman von Ulla Hahn: Das verborgene Wort. Handelt von der Kindheit eines begabten Mädchens in einer schlichten und armen rheinisch/katholischen Familie in den fünfziger Jahren. Ist mit rheinischem Dialekt gespickt und sehr sensibel in wunderschöner Sprache erzählt.

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?

Jedes Buch hat seine Zeit, gibt Impulse für den weiteren Weg. Es bleibt jeweils sehr wichtig und nah und ein Stück der Lebensgeschichte – aber keines von denen könnte ich jetzt über alle anderen stellen, denn damit würde die Dynamik meines Lebens und Weges in ihrem Ruf “Weiter” irritiert.

Stöckchen, Du gehst jetzt weiter an Akshayas und Manon Garcia. Und Slash – was ist mit Dir? Mach mal! :-)

 

Hochbegabte Mädchen

Im Focus wird auf ein Phänomen aufmerksam gemacht, mit dem ich auch immer wieder konfrontiert werde: Jungen werden extrem häufiger in ihrer Hochbegabung entdeckt als Mädchen.

Zum allergrößten Teil liegt das daran, dass Jungen wirklich meist irgendwie verhaltensauffällig nach außen hin werden (Aggressivität, Klassenclown etc.), so dass man nicht mehr weggucken kann und etwas unternommen werden muss. Dabei wird Hochbegabung dann oft entdeckt.

Mädchen leiden in ganz vielen Fällen still vor sich hin, kapseln sich ab, passen sich an, basteln manchmal sogar bewusst Fehler in ihre Klassenarbeiten, um nicht als besonders gut aufzufallen, möchten ihre Freundinnen nicht verlieren. Sie werden oft eher ein wenig depressiv, leiden unter psychosomatischen Beschwerden wie Bauch- und/oder Kopfschmerzen, kauen Nägel etc.
Natürlich vermischen sich die Symptome von Mädchen und Jungen oft auch; in der Tendenz kommen Lehrer und Eltern jedoch sehr viel seltener auf die Idee, dass ein Mädchen hochbegabt sein könnte als es bei einem Jungen der Fall ist.
In vielen Fällen ist es so, dass eine Hochbegabung bei einem Mädchen erst dadurch entdeckt wird, dass ein auffälliger Bruder getestet wurde und der kluge testende Psychologe die Eltern motiviert, die Geschwister doch gleich mittesten zu lassen. Oft ist der gemessene IQ des eher zufällig getesteten unauffälligen Mädchens höher als der des auffälligen Jungen – und Eltern und Lehrer fallen aus allen Wolken….

 

“Der Stuhl springt mit dem Abend in den Tisch.”

In der WAZ von heute finden sich weitere Erfahrungen mit der Sprachstandserfassung der 4-Jährigen mittels Sprachtest Delfin 4.

Bei obigem Satz der Überschrift handelt es sich übrigens nicht um eine Zeile aus einem expressionistischen oder dadaistischen Gedicht: Dieser Satz ist Bestandteil des Testes, einer der “Quatschsätze”, die die Kinder nachsprechen sollten. Dass dazu nicht alle Kinder Lust hatten, ist geradezu als Zeichen erhöhter Intelligenz zu werten.

 

Dies und das zur Hochbegabung

Hier gesammelt einige aktuelle Artikel zur Hochbegabung:

Die Kreativschule des Ehepaares Mehlhorn in Leipzig ist ein erfolgreiches Reformprojekt in Sachsen. Jetzt soll auch in Bayern, in Bayreuth, eine Schule nach dem erfolgreichen Konzept eröffnet werden.

Über Mensa wird anlässlich der Jahreshauptversammlung mehrfach berichtet.

Die Westfälische Rundschau bietet einen “Einführungsartikel“.

Über die Einsamkeit mancher Hochbegabter berichtet das Hamburger Abendblatt.

Optimistisches (das sich hoffentllich auch konkret auswirkt…) aus Hessen gibt es hier.

 

Frauen

Da haben wir es wieder:

Frauen als Objekt. Als Objekt des öffentlichen Interesses:

Eigentlich sind sie nur ein Unsicherheitsfaktor – kosten Männer Geld, ruinieren sie manchmal sogar, okkupieren Arbeitsplätze, vernachlässigen dabei ihre Mutterpflichten, kriegen Prügel von der Kirche, sollen aber bitte überall ehrenamtlich all das auffangen und an Arbeit leisten, was nicht bezahlt wird, verdienen auch im Beruf weit weniger als Männer, sollen gleichzeitig Kinder erziehen und die Alten pflegen, auch die Eltern des Mannes natürlich, aber ganz klar berufstätig sein, um finanziell für sich selbst sorgen können, eine eigene Rente aufbauen und noch natürlicher natürlich reichlich Nachwuchs in die Welt setzen, weil das ja die eigentliche Berufung der Frau sei. Und: sexy sollen sie sein, die Frauen – wozu sollen sie denn sonst gut sein…

Willige gesellschaftliche Verfügungsmasse – in jeder Hinsicht und je nach Bedarf.

Es ist einfach zum Kotzen!

 

Hochbegabte Erwachsene

Immer wieder ist es zu erleben, dass Eltern, die Probleme mit ihren hochbegabten Kindern haben, diese Schwierigkeiten als besonders belastend erleben, wenn sie – vermutlich – selbst unerkannt hochbegabt sind. Kinder kommen halt nicht nach anderen Leuten, und dass es einen erblichen Faktor bei der Hochbegabung gibt, ist ja nun nicht abzustreiten. Gerade diese eventuell auch hochbegabten Eltern haben oft Probleme damit, die Hochbegabung ihrer Kinder zu erkennen und zu akzeptieren. Dasselbe gilt im Übrigen nicht selten auch für Eltern, die um ihre eigene Hochbegabung wissen. Vermutlich ist dieser Widerstand zumindest teilweise darin begründet, dass eigene belastende und schmerzhafte Erfahrungen in der Jugend dazu bewegen, alles, was mit irgendwelchen Besonderheiten zu tun hat, (unbewusst) auszublenden nach dem Motto “Nur nicht daran rühren!” und “Meinem Kind soll das erspart bleiben, was ich erlebt habe”. Gerade diese Eltern beteuern gerne immer wieder, sie wollten doch nur ein “normales” Kind und nichts weiter. Manchmal ist es in diesen Fällen nicht möglich, den Eltern eine einigermaßen fruchtbare Annäherung an das Thema “Hochbegabung” zu erleichtern. Für die betroffenen Kinder ist das natürlich besonders schwierig, denn sie haben es nicht nur mit der eigenen Problematik zu tun, sondern erleben auch noch mangelnde Akzeptanz seitens ihrer Eltern und leben manchmal zusätzlich deren eigene alte (Identitäts-) Problematik aus und weiter.

Das Phänomen der Hochbegabung bei Kindern ist mittlerweile anerkannt, und bei allem, was noch zu tun übrig bleibt, ist doch schon eine Menge geschehen, um diese Kinder in ihren Fähigkeiten zu erkennen und zu unterstützen. Bei erwachsenen Hochbegabten ist das noch nicht ausgeprägt der Fall. Das liegt zum Teil daran, dass bei Erwachsenen vieles schon verschüttet und zugedeckt ist und die auftretenden Symptome extrem unterschiedlich sind, so dass Hochbegabung als des “Pudels Kern” und Grund für viele bisher unverstandene Schwierigkeiten oft sehr schwer auszumachen ist. Auf die Idee, “einfach mal” einen Test zu machen, kommen die wenigsten.

Ich bin aufmerksam gemacht worden auf ein Buch, das meines Wissens nach das erste ist, das sich mit dem Thema der erwachsenen Hochbegabten auseinandersetzt: “Ganz normal hochbegabt – Leben als hochbegabter Erwachsener” von Andrea Brackmann. Hier finden sich dankenswerterweise unterschiedliche Ansätze und Anwege hin zum Thema, persönlich geprägt, mit vielen Beispielen und Lebensläufen. All das erleichtert den Zugang und bietet denen eine Hilfe, die sich erst einmal vorsichtig an das Thema Hochbegabung annähern müssen. Auch Anlaufstellen, es sind noch nicht viele, sind im Anhang genannt, z.B. Mensa und Hochbegabte Erwachsene. Für ältere Jugendliche gibt es zudem den Kubus, der mit der “Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind” (DGhK) kooperiert, und die Storming Brains.

Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr hochbegabte Erwachsene sich selbst auf die Spur kommen. Das ist wichtig für sie selbst natürlich, aber auch für ihre Kinder: Die eigene gelungene Identitätsfindung ist für Eltern eine elementare Voraussetzung dafür, einen klaren, unverstellten Blick auf ihre Kinder und deren Besonderheiten haben zu können.