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Dringend gesucht: Qualität und Authentizität

Im Vorfeld schon in allen Nachrichten, habe ich es mir nicht entgehen lassen, den “Skandal” auch anzusehen im Fernsehen: Marcel Reich-Ranicki verweigert die Annahme des Fernsehpreises vor Hunderten von illustren Gästen im Saal und dem ganzen Fernsehvolk draußen vor den Bildschirmen.
Nachdem so hochwertige Sendungen wie “Deutschland sucht den Superstar” ausgezeichnet worden waren, sollte Reich-Ranicki den Ehrenpreis für sein Lebenswerk bekommen. Der vorgesehene Preisträger machte jedoch allen einen Strich durch die Rechnung.

Ich schaute mir das alles dann also an gestern Abend und erwartete einen arrogant-auftrumpfenden Reich-Ranicki, wie man ihn ja nun als “Literaturpapst” so kennengelernt hat.
Nein, nichts dergleichen.
Reich-Ranicki war es eher unangenehm, all das, was er sagen musste, zu sagen. Es war eher wie bei Martin Luther: “Ich stehe hier, ich kann nicht anders.”
Er blieb sich treu – und anders als bei den zelebrierten Tränchen der vielen Möchte-Gern-Stars, die ihre Trophäe mit viel Gedöhnse bejubelten – wehte plötzlich ein Hauch von Ernsthaftigkeit durch den Raum, von Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, von Authentizität.

Das Ganze war eher berührend als ein Skandal.

Thomas Gottschalk, der Laudator Reich-Ranickis dazu: “Dass Reich-Ranicki es ablehnen würde, den Ehrenpreis anzunehmen, damit hatte ich allerdings keine Sekunde gerechnet. Andererseits steckt in der Ablehnung eine gewisse Logik: Wenn er eine halbe Stunde lang eine wild gewordene Horde Teenager sieht, Atze Schröder in einer weißen Paradeuniform, Richterin Salesch und zwei Köche mit idiotischen Texten erleben muss, ist es für ihn in der Tat konsequent zu entscheiden: Ich habe hier nichts verloren.”

Thomas Gottschalk gilt mein Respekt für seine großartige Reaktion – die auch prompt von Reich-Ranicki belohnt wurde, als er ihm in einer seiner hinreißenden Geschichten indirekt das “Du” anbot.
Das war ein fast intimer Moment in der ganzen öden Show, weit jenseits aller Anbiederei.

Danke Marcel Reich-Ranicki.

Man lese und höre und sehe
beim WDR
in der Süddeutschen Zeitung – auch hier – und die Rede Reich-Ranickis hier.
in der WAZ – mit Filmausschnitt hier
in der FAZ
in der ZEIT

Übrigens – und vielsagend:
“ZDF-Intendant Markus Schächter nannte den Auftritt Reich-Ranickis in der Nacht zu Sonntag eine ‘Sternstunde’ des Fernsehens, der ehemalige RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma bezeichnete das Geschehen als ‘pure Comedy’, ZDF-Talker und -Entertainer Markus Lanz ordnete das unter den 1500 Gästen für Aufregung sorgende Ereignis als ‘Folklore’ ein.”
Kommentar unnötig, oder?

Nachtrag:
Jetzt purzeln sie nur so, die Zeitungsberichte, die die miese Qualität des Fernsehens anprangern. Wussten wir alle das nicht schon lange??? Natürlich! Aber es bedurfte wohl eines Aktes der Wahrhaftigkeit, um tatsächlich Scheiße Scheiße nennen zu dürfen.
Man lese in der Süddeutschen: Therapie WahrheitDumpfheit, Grellheit, DummheitEine Parade von Peinlichkeiten.

 

Die Super Illu – Zum Tag der Deutschen Einheit

Betroffen habe ich heute in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel mit dem Titel Die Psychotherapeuten der Ostdeutschen gelesen – einen Artikel über die so viel belächelte Super Illu, dem heißgeliebten Yellow-Press-Blatt der Ostdeutschen.

Ich gestehe, dass auch ich mich immer über all dies erhaben gefühlt und mich genervt belustigt gezeigt habe angesichts dieser Blätter, von denen es ja auch hier im “Westen” genügend gibt. Nur stehen hier Prinzessin Caroline und Konsorten im Vordergrund, während sich die Super Illu den hier meist völlig unbekannten Alt-Ost-Stars und anderen “Ostalgie-Themen” widmet.

Betroffen gemacht beim Lesen des SZ-Artikels hat mich, dass ich nochmal neu verstanden habe, dass selbst heute noch viele Ostdeutsche überhaupt nicht angekommen sind in unserer geeinten schönen neuen deutschen Republik – weil wir sie nicht mitgenommen haben.

Dabei geht es weniger um wirtschaftliche Dinge oder den Arbeitsmarkt: Es geht vor allem um Identität.
Ratz-Fatz haben wir damals alles einkassiert – und tun es noch heute. Wir haben unsere Geschäftsfilialen in ihre rasch schön restaurierten Innenstädte gesetzt, ihre lokalen Erzeugnisse mit internationalen Waren erschlagen, unsere “schöne neue Konsumwelt” allem übergestülpt und mit Stasi-Vergangenheit und Unrechtsstaats-Begrifflichkeiten bei vielen Menschen Scham erzeugt und Minderwertigkeitsgefühl.

“Wir im Westen” haben einer ganzen Generation und mehr das selbstverständliche Bewusstsein gestohlen, irgendwie “o. k.” zu sein.
Wir haben ihnen die Identität genommen.

Hier setzt die Super Illu an. Sie gibt etwas zurück, das verloren schien: ein Stück Heimat.

“Wenn Stefan Kobus, der stellvertretende Chefredakteur, von Erna Kasupke spricht, was man ihr zumuten kann und was nicht, dann meint er den Prototyp des Super Illu-Lesers. Er meint Lieschen Müller oder Otto Normalverbraucher oder Erika Mustermann. Aber Kasupke klingt schöner.
Wenn es Frau Kasupke gibt, dann ist sie Ende fünfzig. Sie wohnt in, sagen wir, Limbach-Oberfrohna, Landkreis Zwickau in Sachsen.
Zu DDR-Zeiten war sie, sagen wir, Schichtleiterin in einem Textilkombinat, da, wo Malimo erfunden wurde. (Malimo kennen Sie nicht? Malimo hat Weltniveau?)
Gleich nach der Wende ist Erna Kasupke arbeitslos geworden, doch nicht lange, und sie hatte wieder eine Stelle. Ihre Tochter ist nach Bayern gegangen, weil es in Bayern Arbeit gab und in Sachsen keine.
Kasupke interessiert sich nicht für die monegassischen Fürstentöchter und nicht für Carla Bruni. Sie mag Dagmar Frederic, noch immer, und als Erwin Geschonneck, der Schauspieler, im März gestorben ist, hat sie kurz überlegt, ob sie, aus alter Treue, vielleicht zur Beerdigung nach Berlin fahren soll. (Geschonneck? Je gehört?)
Glücklich in dem kleinen Land
Sie hatte nie was mit der Stasi zu tun und nie was mit der Kirche. Sie las, was man lesen durfte und aß, was man kaufen konnte. Sie lebte glücklich in dem kleinen Land, das an diesem Freitag vor 18 Jahren beerdigt wurde. Für Kasupke krachte damals eine Welt zusammen.
Stefan Kobus, in Westdeutschland geboren, spricht oft von Erna Kasupke. Er hat viel gelernt über die Jahre. Er weiß, dass sie es schätzt, wenn man ihr auf Augenhöhe begegnet. Die Redakteure von Super Illu kennen sie sehr gut, was auch daran liegt, dass Kasupke, wenn ihr etwas missfällt, einen Leserbrief schreibt, meist mit der Hand, und seitenlang.
Mehr als 500 Briefe, hinzu kommen die E-Mails, gehen allein im Ratgeberressort jeden Monat ein. (“Da ich vom Arbeitsamt diskriminiert werde, bitte ich Sie …” Angehängt sind acht Seiten Schriftwechsel. Oder: “Wieso zahle ich im Erdgeschoss mehr Miete als meine Nachbarin über mir?”)
Jeder, der einen Brief schreibt, weiß, dass er beantwortet wird, oft von externen Fachleuten. Auch deswegen verkauft das Blatt, das zu Burda gehört, jede Woche 550.000 Exemplare. 3 Millionen Menschen lesen es. Super Illu ist Marktführer im Osten.”

Hier gibt es eine Menge zu lernen für die Polititk. Das Wissen darum scheint angekommen zu sein, denn:
“Wenn Politiker wissen wollen, was der Osten denkt, dann laden sie sich bei Super Illu zur Redaktionskonferenz ein.”

Der “Westen” vertut eine große Chance, wenn er weiterhin die Bedürftigkeit der Menschen im Osten nicht ernst nimmt: In der Super Illu wird nämlich durchaus auch Politik gemacht:
“Jetzt gibt es Seiten, auf denen die große Politik erklärt wird, und zwar so, dass sie jeder versteht. Und alle 14 Tage gibt es Gregor Gysi, der seine Kolumne schreibt. Daneben behauptet der konservative Hugo Müller-Vogg das Gegenteil von dem, was Gysi sagt. So, nun mach’ dir mal deine Meinung.”

Ich mag solche Zeitschriften immer noch nicht. Das gilt auch für die Super Illu.
Aber ich habe etwas verstanden:
Die Super Illu ist identitätsstiftend.
Auf einer bestimmten Eben nimmt sie emotionale Bedürfnisse vieler Ost-Deutschen auf und ernst und gibt ihnen ein Stück Heimat. Sie trifft die Leute auf “Augenhöhe”.
Das tun sonst wohl nicht viele.
Oni soit qui mal y pense – Ein Schuft, der Böses dabei denkt.

Es geht um Identität, um ein positives Selbstwertgefühl. Das ist nicht mit Geld zu kaufen – aber es ist Gold wert.
Die Macher der Super Illu haben das verstanden – ich wünschte mir, die Verantwortlichen in der Politik hätten es auch…

 

Morgen ist es soweit: DGhK-Kongress

Morgen also findet der Jubiläums-Kongress der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) in Essen im Haus der Technik am Hauptbahnhof statt. Thema des Kongresses 20/20 – Zukunft denken.
Infos hier.
Anmeldung ist nicht mehr möglich – es werden aber noch Karten an der Tageskasse erhältlich sein.
Presse/Fernsehen – alles ist mobilisiert. Mal sehen, was passiert. Gleich jedenfalls wird es im Rahmen eines Beitrages über hochbegabte Schüler im Elsa-Brandström-Gymnasium Oberhausen auch ein Interview mit mir geben. Die Lokalzeit Ruhr des WDR wird das wohl heute Abend senden.
Ist das alles aufregend…
Hoffentlich klappt morgen alles von der Organisation her, hoffentlich werden alle begeistert sein, hoffentlich hilft der Kongress auch dabei, das Thema Hochbegabung weiter zu enttabuisieren.

 

Einfach nur krank!

Rausschmisshilfe bei der Barmer – Kündigung via Krankenkasse titelt die SZ, und es ist nicht zu fassen, was es dort zu erfahren gibt:

“Die Ersatzkasse Barmer bot im Internet einen Service der besonderen Art: Sie stellte Firmen vorformulierte Kündigungsschreiben für Schwangere, Mütter und Behinderte zur Verfügung.
Das Schreiben der Barmer Ersatzkasse kommt direkt auf den Punkt: ‘Betreff: Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses.’ Der Mustertext sollte ein Service für Arbeitgeber sein und ihnen die Kommunikation mit ihren Mitarbeitern erleichtern. ‘Kündigung einer Schwangeren oder Mutter’ war das Schreiben betitelt, ein anderes lieferte den Text zur ‘Kündigung eines Schwerbehinderten’.”

Schwangere Arbeitnehmerinnen, berufstätige Mütter, arbeitende Schwerbehinderte finanzieren diese Krankenkasse mit und als Dank dafür hilft die Kasse dabei, ihren Rausschmiss zu vereinfachen.

Wie krank ist diese Welt eigentlich mittlerweile?

Ebenfalls lesenswert ist in dem Zusammenhang der Artikel Diskriminierung am Arbeitsplatz – Ein Recht auf Karriere:
“Seitdem sie 18 ist, hat Barbara Steinhagen hart für ihre Karriere geschuftet. Ihr Arbeitgeber Sony BMG ließ sie jedoch fallen, als sie schwanger wurde. Nun klagt sie wegen Diskriminierung.”
In dieser Woche ist die Verhandlung beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt.
“‘Ein Sieg würde die Modalität der Stellenbesetzungen in den Unternehmen grundlegend verändern’, sagt der Anwalt. Dann müssten alle Entscheidungen nachvollziehbar gemacht werden.
Frauen, die sich für eine Familie entscheiden, könnten im Berufsleben dann nicht mehr so leicht benachteiligt werden, hofft Barbara Steinhagen. Das zähle mehr als eine Entschädigungszahlung. Ihren alten Job möchte sie nach zweijähriger Streiterei vor Gericht ohnehin nicht zurück. Sie kämpft also ‘nicht nur für mich, sondern für alle Frauen, die sich nicht bevormunden lassen möchten’. Steinhagen sucht gerade einen neuen Job. Einfach sei das nicht. ‘Es wird einem viel weniger zugetraut, wenn man ein kleines Kind hat.'”

Ja, ja: Familie und Karriere, die sind für Frauen “gleichberechtigt” vereinbar – und die Erde ist eine Scheibe.

 

Nichts Neues unter der Sonne

Die Süddeutsche bringt einen Bericht über die Krise des “Bologna-Prozesses”, der Hochschulreform hin zu Bachelor- und Masterstudiengängen: Der Bachelor-Blues.

Durch die Verkürzung der Studienzeit (Bachelor) seien eine massive Verschulung der Lehre, geringer gewordene Mobilität der Studenten und eine höhere Studien-Abbrecherquote eingetreten. Auch die Qualität der neuen Abschlüsse sei zweifelhaft.

Man fordert eine Reform der Refom.

Diese Notwendigkeit sehen allerdings nicht alle. Dazu gehört Wolf Wagner, Politikprofessor an der FH in Erfurt, der vor allem den Hochschullehrern selbst die Schuld am Scheitern der Reform gibt.
Seine Begründung ist dieselbe, die man, variiert, auch auf das verkürzte Abitur anwenden kann.

Die Reformen als solche sind wahrscheinlich durchaus sinnvoll – erfordern aber in der Umsetzung ein Umdenken und das Anwenden neuer Methoden.
Und genau das passiert nicht.
Da wird einfach Stoff gekürzt, die Stundenzahl erhöht – und weitergemacht wie immer.
Und das KANN nicht funktionnieren.

Wolf Wagner, Politikprofessor an der FH in Erfurt dazu:
“‘Die Mehrheit der Professoren unterläuft die Ziele des Bologna-Prozesses’ … Sie würden weiterhin frontal Stoff durchpauken, statt auf moderne fächerübergreifende Lernformen umzusteigen. Um Bologna erfolgreich zu machen, müssten sie ihr Einzelgängertum beenden.”

Ach ja, nichts Neues unter der Sonne. Unter der Sonne nichts Neues.

 

Mann, Mann…

… schon wieder ist ein Jahr rum – und mein Blog existiert immer noch.

Heute vor zwei Jahren ging ich mit meinem ersten Beitrag online.

Im Februar 2008, als Geburtstagsgeschenk, bekam dieser Blog von meinem Sohn ein neues Outfit verpasst, das ich auch viel freundlicher finde als das alte.

Die Besucherzahlen haben sich im zweiten Jahr im Vergleich zum ersten ungefähr verdoppelt.
Ist doch was!

Beliebtester Suchbegriff ist mit Abstand HAWIK IV, dabei handelt es sich um den überarbeiteten Nachfolger des IQ-Testes HAWIK III; der Vorjahresfavorit Hochbegabung bei Erwachsenen folgt mit etwas Abstand.
Weiterhin beliebt sind Suchbegriffe wie Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, Benoit mit seinem Buch Hohe Lehre und etliche Begriffe rund um Hochbegabung wie Perfektionismus oder das schillernde Wort Elite.

Rein von den Suchbegriffen her gedacht, sollte ich mich eigentlich noch mehr auf Themen aus dem Bereich der Hochbegabung konzentrieren, aber mir selbst würde das nicht so viel Spaß machen, mich nur auf ein Thema zu beschränken. Mal sehen…

Auf jeden Fall freue ich mich über jede Anregung, jeden Kommentar und jede Verlinkung.
Und so weiter und so weiter und so weiter…

 

Frauen in der Falle

Drei Meldungen heute, die alle drei in dieselbe Richtung zielen, die ich schon seit langem, auch hier im Blog, brandmarke:
Es geht um die vielfältigen Fallstricke, die Frauen heute das Leben schwer machen und – in gewisser Weise sogar schwerer als früher, als das Frauenbild noch eindeutig war.

Die widersprüchlichen Forderungen, die an Frauen mittlerweile gerichtet werden, sind nicht mehr erfüllbar. Es sind Forderungen, die der sog. Doppelbindung entsprechen, einer erprobten psycholgischen Möglichkeit, Leute in den Wahnsinn zu treiben, weil sie nur schlechte Entscheidungen treffen können, die man ihnen dann vorhalten kann.
Jede Entscheidung für eine der beiden Alternativen ist schlecht – eine quasi aussichtslose Position.
Beispiele:
“Du bist eine schlechte Mutter, wenn Du berufstätig bist – aber Deine Rente musst Du Dir schon selbst erarbeiten!!”
“Du kannst doch meine arme Mutter nicht ins Heim geben – aber Deinen Verdienst brauchen wir zum Abbezahlen der Hypotheken.”
“Gib Deine Karriere auf wegen der Familie – aber wenn wir uns trennen, dann sorge gefälligst für Dich selbst und natürlich für die Kinder.”

Der erste Artikel in der SZ: Eine Ungerechtigkeit in Höhe von 24 Prozent handelt davon, dass Frauen überall weniger verdienen als Männer:
“Frauen haben 2006 durchschnittlich 24 Prozent weniger verdient als Männer. Damit lag der Verdienstunterschied in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, verdienten Frauen in Deutschland durchschnittlich pro Stunde 14,05 Euro brutto. Der Bruttostundenverdienst von Männern betrug 18,38 Euro. In keinem einzigen Wirtschaftszweig verdienten Frauen mehr als Männer. Mit steigendem Alter der Beschäftigten nahm der Verdienstunterschied zu. …
Die größten Verdienstabstände gab es 2006 bei unternehmensnahen Dienstleistungen (30 Prozent), im Kredit- und Versicherungsgewerbe (29 Prozent) und im Verarbeitenden Gewerbe (28 Prozent).”

Alleine das macht schon wütend.

Der zweite Artikel in der WAZ: Junge Männer lieben das “Heimchen” handelt davon: wie die Mehrzahl der Männer sich das Leben von und mit einer Frau vorstellen:
“Ein überraschend konservatives Familienbild haben junge Männer in Deutschland: Nur jeder Dritte (32 Prozent) der 16- bis 29-Jährigen findet, dass Frauen sich nicht nur für die Familie aufopfern, sondern selbstbewusst auch eigene Interessen und Wünsche durchsetzen sollten. Dies ist ein Ergebnis der Vorwerk-Familienstudie 2008.”

Finanzieren wollen sie das “Heimchen-Leben” der Frauen aber natürlich nicht Die Frau soll doch gefälligst selbstständig für sich sorgen. Sie ist doch emanzipiert, nicht wahr?!

“Idealerweise” sieht ein Frauenleben also so aus:
– Aufgeben des Berufes, Frau des Mannes und Mutter der Kinder und Pflegerin der Alten
– Nach der Scheidung (fast jede 2. Ehe wird nunmal geschieden) alleinerziehend mit ein oder zwei Kindern unter widerwilliger Zahlung des Minimalunterhalts des Erzeugers (wenn überhaupt!)
– Halbtagstätigkeit weit unterhalb der früher möglichen Karriere mit Minimalbezahlung und Stress ohne Ende, weil sie alleine alles managen muss
– Im Alter Sozialfall mit 350 Euro Rente

All das gesetzlich unterstützt, wie ebenfalls die SZ berichtet:
“Denn das Gesetz hat die klassische Ehefrau und Mutter quasi abgeschafft. Wenn eine Frau heute diese Rolle wählt, übernimmt sie das Risiko, im Scheidungsfall schlecht dazustehen.
Denn anders als früher richtet sich die Unterhaltszahlung des Mannes im Falle der Trennung nicht mehr einfach am bisherigen Familieneinkommen, sondern es wird auch berücksichtigt, welchen Beruf die Frau, die für die Kinder pausiert hat, früher ausgeübt hat und wie viel sie heute verdienen könnte. Auch müssen geschiedene Ehefrauen neuerdings hinter einer neuen Lebensgefährtin zurückstehen, wenn diese mit dem Ex-Mann kleine Kinder hat und das Geld nicht für alle reicht. ”

Die Emanzipation hat uns weit gebracht!!!

 

Otto – den fand ich mal gut

Man kann den allgegenwärtigen Berichten, Bildern, Reportagen über ihn nicht ausweichen im Moment: Otto Waalkes wird 60 Jahre alt.
Weise?
Weiß ich nicht.
Eher umweltfreundlich.
Er recycelt all seine jahrzehntealten Witze immer wieder neu und immer wieder erfolgreich.
Auch davon ist im Moment immer wieder die Rede.
Find’ ich nicht gut.
Halte ich aber für symptomatisch.

Otto von der Wiege bis zur Bahre: beständig, zuverlässig witzig, ohne Überraschungen.
Sehr beruhigend, dass es so etwas noch gibt in dieser hektisch, sich unendlich schnell verändernden Welt.
Der ewige Kinderspielplatz.
Hier kann man Kind bleiben, Schabernack machen und unschuldig prollen.

Kennt noch jemand die Brecht’sche Geschichte von Herrn K? Die, in der er erbleichte?
Zur Erinnerung: “Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ‘Sie haben sich gar nicht verändert.’ ‘Oh!’ sagte Herr K. und erbleichte.”
Otto wäre statt dessen wohl stolz, so etwas zu hören.

Es gab und gibt die Werbung einer bekannten Kaffeerösterei, in der in behaglicher Atmosphäre eine Frau eine Tasse Kaffee in Händen hält und wohlig seufzend sagt: “Alles soll so bleiben, wie es ist.”

Für mich ein Alptraum!!
Für viele aber der tiefste aller Wünsche: Sich nicht verändern müssen.
Sich nicht verändern wollen.
Alles soll so bleiben, wie es ist.
Sonnenschein for ever.

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung ist diesbezüglich ein aufschlussreicher Artikel über Otto und seine Fans zu lesen.
Ausschnitt:
“In [seinen] beiden Filmen spielt Otto … den jüngsten Zwerg namens Bubi, zieht sich also ins Kleinkindalter zurück. Bubi greint, Bubi grinst und Bubi bekommt von den anderen Zwergen – das ist der Running Gag des Films – alle paar Minuten einen Schlag auf den Hinterkopf.”
Und Fazit:
“Letztlich scheint in dieser Rollenwahl das entscheidende Kennzeichen seines Spätwerks auf: die freiwillige Infantilisierung. Was der einstige Götterbote heute zu bieten hat, ist unreifer Humor für ein erschreckend unreifes Volk, das seine Sehnsucht nach der Fürsorge und Zuwendung, die Kleinkinder genießen, auf einen alten Mann projiziert, der wie ein Baby plärrt und Grimassen schneidet.”

Ich befürchte, diese Analyse trifft’s ziemlich.

Otto, den fand ich echt mal gut.
Ist ‘ne Weile her.

 

Fragen! Antworten?

Beim Weltenkreuzer gibt es eine interessante Diskussion zum Thema “Dinge gut machen – und nicht aus Zeitdruck nur irgendwie”.

Wenn man anfängt, sich selbst zu zitieren, ist das meist ein schlechtes Zeichen im Sinne von NichtsmehrNeueszusagenhaben oder gar von beginnender Demenz. Das Thema allerdings, so finde ich, ist ein so wichtiges, dass ich es wage, meinen alten Senf zu unterschiedlichen  Aspekten der Diskussion über die Zeit und die Wertigkeit des Tuns noch einmal zur Ansicht freizugeben:
Zum Was und Wie von Handlungen
Zu Zeit und Familie und Gleichberechtigung (mit noch weiterführenden Artikeln, auch hier)
Zum Nein-Sagen
Zu Fruchtbare Langeweile

 

Das Ehrenamt wird’s schon richten

“Immer mehr Eltern schaffen es in NRW nicht mehr, ihre Kinder alleine aus eigener Kraft zu erziehen: Sie fordern zunehmend Profihelfer der städtischen Jugendämter und Familienberatungsstellen an, vor allem bei Schwierigkeiten mit Kleinkindern und Jugendlichen.”

Natürlich ist das weder leist- noch bezahlbar für den Staat.
Die Lösung: das Ehrenamt.

“Zur Linderung alltäglicher Probleme plant die schwarz-gelbe Landesregierung jetzt sogar, erfahrene Bürger als “ehrenamtliche Familienpaten” zu gewinnen, um Eltern im Alltag zu unterstützen, ‘bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist’, wie es die Sozialbeauftragte Angelika Gemkow formuliert.”

Dies und Weiteres dazu liest man heute auf der Titelseite der WAZ: “Eltern brauchen Hilfe”.

Geld wird ohne Ende für Was-Weiß-Ich-Was ausgegeben. Für’s Soziale reicht’s dann nicht mehr.
Dafür hat man’s EhrenamtEhrenamtEhrenamt.

Ich gehöre nun wirklich zu denen, die immer schon und noch immer ehrenamtlich tätig sind.
Aber ich habe auch eine Wut darüber, dass in bestimmten (Wirtschafts-)Bereichen Geld ohne Ende verdient wird – und die Ehrenamtlichen, natürlich sicherlich wieder fast nur Frauen, sollen unentgeldlich die “Drecksarbeit” tun.

Ich gestehe, dass ich ganz heimlich folgender Fantasie nachhänge:
Alle Ehrenamtlichen, wirklich alle (alle Frauen, das würde auch schon mehr als reichen) müssten einmal gleichzeitig ihr unbezahltes Engagement komplett aufgeben.

Eine kurze Zeit würde reichen:
Deutschland bräche zusammen.