Archiv für den Februar, 2008

Eltern unter Druck

Laut einer neuen Studie fühlen sich Eltern vermehrt unter Druck.
Selbst wenn Hilfen existieren, schaffen es Eltern kaum mehr, alles unter einen Hut zu bekommen:

Beide Elternteile sollen/müssen berufstätig sein – bei den aktuellen Verschärfungen in der Sozialgesetzgebung müssen Frauen das mittlerweile zwangsläufig, um nicht völlig zu verarmen, wenn Ehe in die Brüche geht – dann sollen möglichst viele Kinder her mit allem Drum und Dran, ein Haushalt will aufrechterhalten sein, häufig muss sich auch noch um pflegebedürftige Eltern gekümmert werden und ein gewisses soziales Leben mit gelegentlichen Freundesbesuchen sollte auch sein, um nicht in Isolation zu geraten.

Selbst bei Ganztagskindergärten und -schulen – und das ist der günstigste Fall –  gibt es immer noch eine Unzahl von Terminen allein rund um die Kinder, die bei einer Berufstätigkeit beider Eltern kaum zu schultern sind: Kieferorthopäde, Theateraufführungen, Nachhilfe, Sportverein der Kinder und entsprechende Wettbewerbe, Elternsprechtage, Ausflüge, Bastelnachmittage, Musikunterricht.

Schon Krankheiten wie eine Bagatellerkältung stürzen einen minutiös geplanten Tag ins Chaos.

Und immer ist das Gefühl da, es nicht zu schaffen, zu wenig zu tun, verbunden mit dem Schuldgefühl, das wirklich Wichtige, auch bei den Kindern, zu verpassen.

Hamster im Rad.

Dazu kommt, dass von beruflicher „Erfüllung“ oft nicht die Rede sein kann: Stress, Zeitmangel, unbefriedigende Arbeitsbedingungen, Versagensängste, Unsicherheit des Arbeitsplatzes und die Angst vor dem sozialen Abstieg (siehe Interview in der Westfälischen Rundschau) belasten häufig zusätzlich.

Eine ständige Überlastung ist die Folge – und gerade die wesentlichen Dinge fallen einfach weg: Begleitung der Kinder in klärenden und hilfestellenden Gesprächen, Ausbildung einer Familienatmoshäre, in der man sich wohlfühlen kann, Muße zum Spiel, zum Zuhören, zum Einfach-Da-Sein.

Einfach da sein zu können – ein unerreichbarer Luxus. Unerreichbarer als der Kauf des nächsten neuen Autos.

Eine emotionale Verarmung bis hin zur Verwahrlosung der Kinder ist die Folge, selbst auch schon in Mittelschicht- und Oberschichtfamilien. Eltern in ihrer Erschöpfung werden oft gleichgültig oder in falscher Weise sich in Ersatzhandlungen verlierend überfürsorglich.

Überall fehlt das „menschliche Maß“.

Bei all dem werden die Familien ja nicht „reicher“ durch die anhaltenden Teuerungen auf allen Gebieten: Finanzieller Wohlstand nimmt ab in vielen Schichten, trotz der Doppelverdiener, und der persönliche, ideelle, innere Reichtum, ein Sinnerleben, kann sich erst gar nicht bilden, weil keine Zeit für Ruhe und Reifung bleibt. Alles wird immer mehr verlagert ins materiell Fassbare. Welch ungeheure Reduzierung von Lebensmöglichkeit und Lebensqualität.
 
All das ist vor allem für die Kinder tragisch; es gibt immer weniger Vorbilder und kaum wirkliche Geborgenheit, weil auch Eltern oft nur noch damit beschäftigt sind, irgendwie über die Runden zu kommen.

Ist das wirklich das, was wir wollen?
Soll Leben so aussehen?
Macht das  – auch gesellschaftlich gesehen – irgendeinen Sinn?

Wer profitiert eigentlich davon?

 

Unglaublich!

Da gibt es einen Jungen, der in einer Fast-Großstadt eine Grundschule besucht.
Dieser Junge hat einen IQ von 140.
Die Lehrerin weiß das, kennt den Test und kümmert sich absolut und überhaupt nicht darum.
Der Junge wird auffällig.
   
Die Lehrerin gibt ihm nur die Empfehlung für die Hauptschule.
Sie begründet das mit dem Verhalten des Jungen.
Sie ist nicht davon abzubringen.
    
Der Junge ist jetzt also auf einer Hauptschule.
Er wird dort immer auffälliger.
Jetzt soll er auf eine Schule für „Schwererziehbare“
Er hat immer noch einen IQ von 140.

Wegen Körperverletzung wird man angeklagt.
Gibt es auch einen Tatbestand „seelische Grausamkeit“ oder „psychische Vernichtung Schutzbefohlener“, der in dem Fall dieser Grundschullehrerin greifen könnte?

 

Bitte nicht verwechseln!

Durch den aktuellen Steuerhinterziehungsskandal etlicher Manager etc. ist das Wort „Elite“ wieder in aller Munde. Die

Das Wort ist negativ besetzt – und wird oft sehr undifferenziert benutzt.

Hochbegabte Kinder und Erwachsene haben oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, sie bildeten eine eben solche, eine Elite.
Mag ja sein, dass das in EINER Hinsicht so ist, aber es handelt sich dabei um eine intellektuelle Elite! Das hat aber nichts, aber auch gar nichts mit dem üblen Dunst zu tun, der den Begriff „Elite“ oft umhüllt:

Hochbegabung ist mit einem großen intellektuellen Potenzial verbunden, oft ererbt – und ist ein MENSCHLICHES Phänomen: Galeerensträflinge waren hochbegabt, Soldaten, Minnesänger und Burgfräuleins, Sklaven, Bauern, Akkordarbeiter, Revolutionäre, Reispflückerinnen in China, kindische Entertainer und magersüchtige Models – ganz egal.

Ungefähr 2% der Bevölkerung halt, überall und immer.

Hochbegabung hat mit einem bestimmten finanziellen Hintergrund oder anderen sozialen Kriterien gar nichts zu tun!!!

Die Elite, die z.T. jetzt zu Recht argwöhnisch ins Visier genommen wird, ist dagegen ein SOZIALES Phänomen, eine Geldelite, die das „normale Volk“ nur noch aus dem Fernsehen oder von „Sozialprojekten“ her kennt: Das Schloßinternat Salem veranstaltet (als Unterrichtsfach!) z.B. tatsächlich so etwas, Sozialprojekte für die angehende „Verantwortungselite“: Dann schickt etwa eine reiche Schülerin großzügig ihrer „Sozialoma“ eine Ansichtskarte aus Neuseeland, oder die Jungs renovieren netterweise einen Raum in einem Begegnungszentrum für Jugendliche, mit denen sie nie auch nur ein einziges Bier zusammen trinken würden. Die Art, wie sie über die Betroffenen ihrer „Sozialprojekte“ sprechen, ich beziehe mich da auf eine Fernsehsendung des WDR am 11.2.08, ähnelt dann der, wie man von Schlupp vom anderen Stern redet. Da wundert es einen nicht, wenn diese Leute in die Irre laufen. Die leben in einem eigenen, bequemen, abgeschirmten Universum.

Aber bitte: Das alles hat mit Hochbegabung, aus der sich bei positiver Sozialisation evtl. eine intellektuelle Elite entwickelt und die ca. 2% der Menschheit überall und in allen Verhältnissen betrifft, nichts nichts nichts zu tun!!

 

Na also, geht doch!

„Förderung nicht nur für Elite“ titeln die Cuxhavener Nachrichten und berichten von einer Kooperation von Kindergärten und Schulen zu einem „Hochbegabtenverbund“.

„So soll … diese Einrichtung keineswegs nur einer kleinen Elite mit einem nachgewiesenen IQ von über 130 zugutekommen, unterstreicht Robert Just, Schulleiter des Amandus-Abendroth-Gymnasiums.
Vielmehr wird in allen Schulformen und schon in den Kindergärten beobachtet, dass es es eine Vielzahl von Kindern gibt, auf die vielleicht nicht unbedingt der strenge Begriff Hochbegabung zutrifft, die aber wohl spezielle Begabungen haben und die von zusätzlichen Angeboten besonders profitieren könnten. Das können Kinder sein, die im Unterricht durch besondere Lebhaftigkeit auffallen, aber auch jene, die sich hinter ihrer Stille verbergen.
Besondere Begabungen sollen in jedem Alter erkannt, anerkannt und dann auch gefördert werden, ohne Zeit zu verlieren. Dabei geht es nicht nur um die Förderung des Talentes, sondern um das ganze Kind: ‚Wir wollen, dass die Kinder uns nicht wegen Unterforderung und Langeweile wegrutschen‘, erklärt Georg Schillmöller, Leiter der Nordholzer Grundschule.“

Na also!
Förderung für alle ist doch etwas Schönes – was will man mehr, wenn’s funktionniert?

 

Geld und Mönch und Mensch – eine Gratwanderung

Der Mönch und Bestellerautor Anselm Grün, Autor hunderter spiritueller Bestseller-Ratgeber und Finanzchef seines Ordens, gab der Süddeutschen Zeitung ein Interview über die Bedeutung des Geldes – und dessen Einfluss auf sein Ordensleben.

Da liest es sich schon beeindruckend, wie wenig diesem erfolgreichen Mönch das ganze Geld bedeutet, das durch seine Bücher eingespielt wird – wobei es sich immerhin um ca. 15 Millionen verkaufter Bücher und mehr als 100 Millionen Euro Einnahmen handelt.
Anselm Grün ist ziemlich überzeugend in seiner Bescheidenheit, und man glaubt ihm auch, dass er nicht mehr haben möchte als seine Mitbrüder. 50 Euro Taschengeld gibt er aus im Monat, mal für einen Kaffee oder so. Für seinen Orden verwaltet und vermehrt er allerdings Vermögen.

Das alles zeugt von einem vorbildlichen Leben der Losgelöstheit von den Verlockungen dieser Welt.
Fast verdächtig heilig – aber nicht unglaubwürdig. Beinahe beneidenswert frei.

Schon fast mit Erleichterung las ich am Ende des Interviews, dass der gute Mönch dann wohl doch vielleicht eine kleine und sehr menschliche Schwäche hat, wie er am Schluss nachdenklich für möglich hält:

SZ: Sie sind seit über 30 Jahren Finanzchef des Klosters Münsterschwarzach. Wird das nicht langweilig?
Grün: Noch macht es Spaß, es gibt aber schon zwei, drei junge Mönche, von denen ich hoffe, dass sie mein Nachfolger werden können.
SZ: Und Sie werden loslassen können?
Grün: Das weiß ich nicht so genau. Jetzt sage ich natürlich: Ich kann loslassen. Aber wenn es so weit ist, wer weiß? Andererseits habe ich viele Interessen.
SZ: Werden Sie das Spekulieren vermissen?
Grün: Mmh. (Längere Pause). Kann schon sein.“

Sympathisch ehrlich!

 

Surprise

Also, ich bin ja sonst nicht so freizügig mit privaten Infos, aber das heute muss sein:

Ich rufe gerade meinen Blog auf – und was sehen meine total überraschten Augen: eine völlige „Renovierung“ von speybridge.

Wow!

Danke, mein Sohn, für dieses gelungene Geburtstagsgeschenk!!

 

Universitärer Bildungsnotstand

„Der Umbau auf Bachelor und Master setzt auf Dequalifizierung.“, so Julian Nida-Rümelin.

„Das Umbauprogramm setzt auf mehr Betreuung, schnellere Studienabschlüsse, deren internationale Vergleichbarkeit und höhere Mobilität. Vor allem aber setzt es auf etwas, das nirgendwo ausgesprochen wird: auf Dequalifizierung….Um eine Magisterarbeit betreuen zu können, musste man bis dato habilitiert sein. Der bayerische Landesgesetzgeber hat nun bestimmt, dass als Qualifikation der betreffende Studienabschluss ausreicht. Kurz: Wer vor wenigen Monaten seinen Master gemacht hat, kann eine Masterprüfung abnehmen.

Das Szenario sieht etwa folgendermaßen aus: Die Akademikerquote, also der Anteil der Absolventen eines Hochschulstudiums an einem Jahrgang, wird auf 50 Prozent angehoben. Angesichts der knappen Personalressourcen studiert die ganz überwältigende Mehrzahl bis zum Bachelor, schon deswegen, weil für die Master-Studiengänge keine ausreichenden Kapazitäten mehr bereit stehen. Die Lehre in den Bachelor-Studiengängen entkoppelt sich von der wissenschaftlichen Forschung, verschult und erstarrt. Nach einigen Jahren hinkt sie dem Forschungsstand weit hinterher.“

Man lese den Artikel in der Südddeutschen Zeitung.