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Harry Potter und Hitchcock

Im Moment befinden wir uns im “pädagogischen Sommerloch”.
Nicht nur, um dieses Loch zu füllen – aber auch – gibt es jetzt heute hier “Dies und Das”.

Ich möchte ich mich z.B. aus der allgemeinen Hysterie nicht ganz ausschließen und auch in meinem Blog der allgemeinen “Pottermania” ein wenig Rechnung tragen.
Ich habe keines der Potter-Bücher gelesen, aber alle in der genialen Version des Rufus Beck gehört, wobei die Nachbarn sich schon häufiger einmal wunderten, dass ich vor dem eigenen Haus ewig in meinem Auto sitzenblieb…
Wer mag, der hat hier die Gelegenheit, ein ausführliches Interview mit Rufus Beck nachzulesen, das der Tagesspiegel veröffentlicht hat.

Der geniale Regisseur Hitchcock war menschlich ziemlich heftig, wie es aussieht. In der SZ habe ich eben zufällig ein interessantes Interview mit Tippi Hedren gefunden, der Hauptdarstellerin von Hitchcock’s “Marnie” und “Die Vögel”.

 

Der Elternwille…

… ist ein hohes Gut.
Es kann trotzdem nicht angehen, ihn in allem als Maßstab für wichtige Entscheidungen deren Kinder betreffend zu nehmen – und zwar durchaus gerade zum Schutz der Kinder.

Eltern meinen zwar immer, sie wüssten genau, was ihren Kindern gut tue und was sie bräuchten: Inhalte und Maßstäbe dessen, was sie ihren Kindern vermitteln oder manchmal auch aufzwingen wollen, sagen jedoch oft mehr über die Bedürfnisse und Prinzipen, Ideologien und auch Verirrungen der Eltern aus, als dass sie tatsächlich zum Wohl der Kinder wären.

Es ist kein Geheimnis, dass unser Schulsystem nicht mehr effektiv und zeitgemäß ist und nun wirklich nicht jedem Kind die richtige individuelle Förderung zukommen läßt. Das ist leider so und muss verändert werden, weil Kinder oft leiden unter nicht akzeptablen Unterrichtssituationen. Dabei ist es gut, dass es viele alternative Schulkonzepte gibt, die für einzelne Gruppen – unter staatlicher Aufsicht – individuelle Unterrichtskonzepte anbieten.

Konsequent weitergedacht könnte man meinen, es sei vielleicht sinnvoll, wenn es auch die freie Wahl der Möglichkeit der total individuellen Beschulung zu Hause gäbe: das völlig selbstbestimmte Lernen in der Familiensituation, so wie es z.B. das “Netzwerk Bildungsfreiheit” verlangt. Es geht um die Forderung: Weg mit dem Schulzwang und her mit dem Homeschooling.

Bei dieser Forderung nach der “Bildungshoheit der Familie” wird allerdings, meiner Meinung nach, die Grenze des sinnvollen Rufs nach Freiheit des Einzelnen und der Priorität des Elternwillens deutlich überschritten.

Zunächst mag der Gedanke bestrickend sein, Kinder frei vom oft frustrierenden Schulalltag individuell und persönlich in der Familiensituation zu Hause beschulen zu dürfen.
Zu Ende gedacht kann sich diese Wunschvorstellung für einzelne Kinder jedoch durchaus zum Horrorszenario entwickeln – und auch gesamtgesellschaftlich gesehen birgt diese Forderung große Gefahren in sich.

Verblieben Kinder z.T. bis zum Erwachsenwerden “rundum” in der Familie – und von dieser ausschließlich kontrolliert,
–  wären die Kinder den Eltern und der jeweiligen “Familienideologie” ausgeliefert
–  würde der Aufbau einer wirklich eigenständigen Identität für die Kinder extrem erschwert, weil es für die Heranwachsenden kaum Möglichkeiten gäbe, alternative Denk- und Lebensformen kennenzulernen und auszuprobieren
–  wäre jedweder extremen Haltung in der Erziehung Tür und Tor geöffnet.
Oft geht es den Eltern nämlich nicht wirklich um ihre Kinder, sondern um die Weitergabe unterschiedlichsten ideologischen Gedankengutes – und Kinder können sich nicht wehren in einer symbiotischen Situation, in der sie quasi “inzuchtmäßig” der Familienideologie ausgeliefert sind und alternativlos nicht anders können, als sich mit dem Familiensystem zu identifizieren.

Scientologen, Eltern, die Sexualunterricht ablehnen, ihren Kinder die Teilnahme am Sportunterricht oder den Umgang mit den modernen Medien verbieten wollen, Zeugen Jehovas, politisch links/rechts Extreme, Eltern, die jedweden wissenschaftlichen/biologischen Ansatz ablehnen und nur die Schöpfungsgeschichte als Ursprung des Lebens unterrichtet haben wollen (Kreationismus) – kurzum: jedwede extremreligiöse, extrempolitische und/oder sektiererische Richtung könnte so zu Hause ihre kleine “Parallelgesellschaft” aufbauen.

Es kann nicht im Sinne unserer Gesellschaft sein, fundamentalistische Tendenzen in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu unterstützen oder auch nur zuzulassen.
Zudem – man mag es vielleicht nicht gerne hören: Nicht alle Eltern tun ihren Kindern gut.

“Freiheit, die ich meine”, kann auch in einem demokratischen Staat nicht bedeuten, allen alles zu gewähren.
Ausnahmen sollten dabei aber in besonderen Fällen durchaus möglich sein und in Offenheit erlaubt werden.
Aber auch nur dort: in Ausnahmefällen.
Bei der Untersuchung dieser Einzelschicksale muss allerdings immer und ohne Ausnahme und ganz eindeutig das sorgfältigst ermittelte Kindeswohl Maßstab für eine Entscheidung sein – und nicht allein der Wille der Eltern.

 

Hochbegabung, eine Herausforderung

Auf den Seiten des Goethe-Instituts fand ich eben ein Interview mit Christian Fischer vom ICBF in Münster (Internationales Centrum für Begabungsforschung) über Hochbegabung – mit sinnvollen Grundinformationen zum Thema.

 

Gesamtkunstwerk

Es ist immer noch keine Selbstverständlichkeit, dass Hochbegabung bei Kindern im (Schul-) Alltag erkannt wird. Verkompliziert wird diese Situation manchmal noch deutlich dadurch, dass Hochbegabung alle möglichen anderen vorkommenden Komplikationen bei Kindern natürlich nicht ausschließt. Heraus kommt dann möglicherweise ein schwierig zu durchschauendes und aufzulösendes Bündel an Symptomen bei Kindern, das oft erst durch eine aufwändige Diagnostik aufgeschlüsselt werden kann.

So gibt es jedwede denkbare Kombination: Hochbegabung und Legasthenie und Linkshändigkeit und ADS/ADHS und körperliche Behinderung und Autismus und minimale cerebrale Dysfunktionen und Asperger und Magersucht und und und.
Natürlich gibt es auch die Kombination Hochbegabung und Dyskalkulie. Über die Problematik, kein Gefühl für Zahlen zu bekommen, so dass die Additionsaufgabe “e plus k” genau so schwierig zu lösen ist wie “14 + 23”, davon berichtet heute die WAZ.

 

Pressewirksam

Ein hochbegabtes zweijähriges Mädchen, Georgia Brown, in England mit Rekord-IQ eingetreten in die Hochbegabten-Organisation Mensa – das ist spektakulär und pressewirksam und befriedigt ein gewisses Sensationsbedürfnis.
Ein 12jähriger hochbegabter Junge, elendiglich zugrundegegangen in einer deutschen Realschule, hat Schwierigkeiten, überhaupt wahrgenommen zu werden.

So ist das nun mal.

Dass übrigens in England nur etwa 30 Kinder unter 10 Jahren bei Mensa Mitglied sind, liegt schlicht daran, dass die Zielgruppe dieser Hochbegabten-Organisation, auch in Deutschland, eher hochbegabte Erwachsene sind. Unterstützung für Eltern mit hochbegabten Kindern gibt es in der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK). Jugendliche finden Kontakt im Kubus.

 

Charisma

Die eine hat’s, der andere nicht… 
Charisma, diese besondere, geheimnisvolle Strahlkraft einiger Menschen, ist Thema eines interessanten Artikels im SZ-Magazin.

 

Hier darf’s ein bisschen mehr sein

So etwas gibt es: eine Ganztagsschule für Hochbegabte.
In Kaiserslautern.
Näheres ist zu finden unter diesem Link.

 

Eine Schule für alle

Lesenswert: ein Artikel bzw. eine “Position” im Tagesspiegel zum deutschen Schulsystem und dem Bewusstseinswandel der nötig ist – nötiger als eine Reform und noch eine und noch eine – bei Beibehaltung des alten Systems im alten Bewusstssein.

Wir müssen weg vom dreigliederigen Schulsystem, dem “Festhalten an der Ständeschule des Kaiserreiches” und uns entwickeln hin zur Umsetzung dieser Vision, deren Umsetzung aber gar nicht unrealistisch ist, wie etliche ausgezeichnete Schulen heute schon zeigen:

Wir brauchen also eine Pädagogik, die jedes Kind, jeden Jugendlichen anerkennt, wertschätzt, respektiert, unterstützt und bestärkt, nicht beschämt oder demütigt. Eine Pädagogik, die in jedem Kind eine Hochbegabung vermutet und ihm hohe Leistungen zutraut.
Wie verträgt sich aber diese Pädagogik mit Sitzenlassen, Probehalbjahr, Abschulen, Abstufen im leistungsdifferenzierten Unterricht oder mit Bemerkungen wie, dass ein Schüler „hier wohl nicht hingehört“?
Wir brauchen eine Schule, in der genau das nicht stattfindet. Als Konsequenz darf es keine ungleichwertigen Bildungsgänge und erst recht keine ungleichwertigen Schularten geben.
Eine anerkennende Pädagogik muss das Lernen des einzelnen Schülers in den Vordergrund stellen.
Lernerfolg entsteht nur, wenn jeder Schüler die Möglichkeit der selbstständigen, aktiven Auseinandersetzung mit den Gegenständen hat in einer Atmosphäre, die ihn ermutigt und in der Lernfreude und Leistungswille entstehen. Dafür müssen individuelle Lernwege zugelassen werden. Das Unterrichten und Belehren als Tätigkeit des Lehrers muss zurücktreten zugunsten seiner Tätigkeit als Lernbegleiter, Lernberater und Gestalter von Lernmöglichkeiten.

Wie wahr, wie wahr!

 

Schicksal der Superhirne…

… betitelt die WELT einen Artikel über Hochbegabung.
Die Neigung, komplexe Zusammenhänge auf einen reißerischen Kurztitel zu reduzieren, ist zwar auch eine Begabung, aber für das Thema keine hilfreiche. Die WELT – als seriös auftretende Zeitung – sollte etwas differenzierter mit den Dingen umgehen können.

Immerhin werden in diesem Artikel auch Lebensläufe hochbegabter Erwachsener geschildet. Das Thema Hochbegabung ist, was Kinder angeht, mittlerweile durchaus eben das: Thema. Hochbegabte Erwachsene, die ihre Kindheit zu einer Zeit hatten, in der das Wort “Hochbegabung” leider mindestens so tabuisiert war wie die Syphilis, haben heute immer noch Schwierigkeiten, an Material zu diesem Thema zu kommen. Dabei ist es gerade auch für sie wichtig, zu ihrer Identiät zu finden – für sie selbst natürlich, aber auch für ihre Kinder, oft auch hochbegabt, mit denen sie klarer, verständnisvoller und konstruktiver umgehen könnten, wenn sie die Möglichkeit hätten, ihre eigene Hochbegabung zu erkennen, aufzuarbeiten und zu integrieren.

 

Klassenkampf

“Offen bleibt die Frage, ob es nötig ist, bereits zehnjährige Kinder
unter Druck zu setzen, um sie dann in Gewinner und Verlierer zu
sortieren.” …

Drei Monate lang wurde eine normale vierte Grundschulklasse in München begleitet – um die Zeit herum, in der es sich entscheidet, wer welche Schulform besuchen wird.

Das ist in Deutschland die Zeit, in der sich häufig schon das Leben der Kinder entscheidet.
Im Alter von 10 Jahren.

Man lese im SZ-Magazin.

 

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