Archiv für den Dezember, 2009

Frohes neues Jahr!

Jenseits von rückblickender Rührseligkeit, Pessimismus oder (naivem) Optimismus bezüglich 2010 und auch jenseits irgendeiner Art von Sentimentalität oder Tiefgründigkeit fand ich folgendes Zitat einfach nur erfrischend:

Der Jubel über den Jahreswechsel ist ziemlich banal – schließlich kommt ein neues Jahr jedes Jahr wieder.
Jahre sind eine ziemlich solide Ware. Sie werden pünktlich geliefert, und jedes hält, was es verspricht: Genau ein Jahr, keine Sekunde mehr, aber auch keine Sekunde weniger.
Gabriel Laub (1928-98), poln.-dt. Schriftsteller, Satiriker u. Essayist

In diesem Sinne…

 

Zwei Artikel zu Aspekten der Hochbegabung

Da ich zwischen Weihnachten und Neujahr ein bisschen faul bin, die beiden Artikel, die ich gefunden habe, aber ganz interessant sind, hier immerhin kurz die Angaben zum Weiterlesen – diesmal ohne meinen “meinungsfreudigen” Kommentar:

Zum Thema Minderleister titelt faz.net: Leider hochbegabt.

webmoritz.de, das studentische Onlineportal der Universität Greifswald, schreibt zum Thema schulbegleitendes Studium: Mit 14 an die Uni – Hochbegabte Schüler beginnen ein Studium in Greifswald.

 

Allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Hirte sein

weite Wege gehen
Schweigen lernen
Nächte ertragen
zu den Sternen schauen
auf die Erde achten
dem Licht trauen
Gemeinschaft wagen
Wehrloses schützen
das Verlorene suchen
das Schwächste tragen
einfach sein
wie ein Hirte werden
(unbekannt)

 

Bildungsgipfel – Nur Verlierer

“Überall nur Verlierer”, so heißt es im Untertitel eines Berichtes der SZ zum Bildungsgipfel.

Das Kompetenzgerangel der Länder und ihr Feilschen um Geld gehen “zielstrebig am Ziel vorbei”.

Schlimmer noch: “Denn die Botschaft, die ihr Verhalten ausstrahlt, ist verheerend. Die Menschen interessieren sich nicht für Kompetenzfragen oder für die Feinheiten der Verteilung der Umsatzsteuer. Sie wollen vielmehr wissen, ob der Staat sich angemessen um gute Schulen und gute Universitäten kümmert. So gesehen haben am Mittwoch alle verloren: Der Bund und die Länder, die Schulen und die Universitäten – und die Menschen, die sich ein besseres, gut ausgestattetes Bildungssystem wünschen.”

Hatte da jemand Hoffnung auf “Mehr”?
Mensch, Du hofftest vergebens.
Nichts Neues unter der Sonne. Unter der Sonne nichts Neues.

Mich beschleicht ein Gefühl der Resignation, das ich nicht haben möchte.

 

Schein und Sein

Zwischen Wollen und Können fließt oft der Mississippi – und zwischen Anspruch und Wirklichkeit auch.

Eine hochbegabte Schülerin geht auf ein bestimmtes Gymnasium im Ruhrgebiet – auf Anraten der Grundschule und weil die Schule zudem im Wohneinzugsbereich liegt. Dort wollte das Mädchen Latein und Französisch gleichzeitig lernen: ein Drehtürmodell in der 6. und 7. Klasse.
Diese Drehtürmöglichkeit wurde offiziell auf der schulischen Homepage angeboten. Trotzdem wussten die Lehrer, die angesprochen wurden, gar nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Es hatte wohl auch noch niemand ausprobiert.
Konzeptionell und planerisch war das Ganze eine Katastrophe, besser gesagt: Es gab kein Konzept und keinen Plan. Bemerkungen von Lehrern bei Kollisionen von Arbeiten waren z. B.: "Bist du ja selbst schuld, wenn du das machst. Ich kann darauf keine Rücksicht nehmen!"
Das Mädchen stand ziemlich alleine da. Zu allem Unglück konnte sie nach diesen 2 Jahren Plackerei und Ärger im Fach Französisch nicht eingegliedert werden, obwohl das vorher so besprochen war. Sie ist jetzt notgedrungen so lange in einem Nebenfach geparkt, bis die anderen, die in der 7 mit Französisch angefangen haben, auf ihrem Niveau sind. Dann steigt sie dort wieder ein.

Immerhin: Nach diesen schlechten Erfahrungen und nach mehreren Gesprächen mit dem Schulleiter gibt es jetzt wieder eine Ansprechlehrerin für besonders Begabte. Man ist ja für jeden Fortschritt glücklich.

Trotzdem: Wer schreibt solche Dinge auf eine Schul-Website? Das ist ja “irreführende Werbung”, im Grunde sogar fahrlässig! Schüler, die diese Angebote wahrnehmen wollen, müssen dies bitter bezahlen in Form von Erduldung von Unverständnis, persönlichen Demütigungen und (organisatorischen) Problemen jeglicher Art.

Ähnliche Erfahrungen sind im Moment leider nicht selten zu machen: Schulen werben für sich auf Teufel komm raus – und ein Fähnchen, auf dem Hochbegabung steht, macht sich da gut. Ob dahinter nur ein gähnender Abgrund droht, vor dem man die Hochbegabten schützen müsste, interessiert da wohl niemanden.