Archiv für den Dezember, 2007

Auf ein immer neues Immer-Jetzt!

Die Zeit geht nicht, sie stehet still,
wir ziehen durch sie hin;
Sie ist ein Karawanserei,
wir sind die Pilger drin.

Gottfried Keller


Ein gutes, fruchtbares Jahr 2008 allen Lesern dieses Blogs!

Erwarte nichts.
Heute: Das ist das Leben.

Kurt Tucholsky

 

Wahrheit im Geheimnis

«Vielleicht empfindet jemand einen Widerstand gegen den Gedanken der Menschwerdung.
Vielleicht ist er bereit, ihn als liebliches, tiefsinniges Gleichnis zu nehmen, nicht aber als wörtliche Wahrheit.
Wenn irgendwo im Reich des Glaubens, dann kann tatsächlich hier der Zweifel einsetzen.
In diesem Fall wollen wir ehrfürchtig sein und Geduld haben.
Wir wollen dieses Herzensgeheimnis des Christentums mit ruhiger, wartender, bittender Aufmerksamkeit umgeben, dann wird uns schon einmal der Sinn aufgeschlossen werden.»

Romano Guardini

 

Auf Weihnacht zu

Richtung Bethlehem
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dem Unbegreiflichen empfänglich gewesen
einen Himmel unter dem Herzen getragen
aufgebrochen in die Nacht
vor verschlossenen Türen gestanden
angekommen auf freiem Feld
die Hoffnung ins Stroh gelegt
Zeichen gesetzt zum Frieden der Welt

Christoph Leisten

 

Unterrichtsfach Lebensfreude

“Welche Art von Menschen wollen wir eigentlich aus der Schule entlassen?”, so die verantwortungsbewusste, aber deswegen nicht langweilige, sondern zutiefst kreative Frage des Schulleiters und Philosophielehrers Ernst Fritz-Schubert.

Seit Anfang dieses Schuljahres wagt die Willy-Hellpach-Schule in
Heidelberg ein ungewöhnliches Projekt. Als erste und einzige Schule in
Deutschland unterrichtet sie das Fach „Glück”.

 

Skrupellos

Was kann man denn überhaupt noch glauben?

Neuere Informationen über die amerikanische Manipulation der weltweiten Meinungen über das Atomprogramm des Iran zeigen wieder einmal, wie menschen- und wahrheitsverachtend die Mächtigen sein können.
Die Welt als Marionette, die der Achtung nicht Wert ist, die nur soviel Wert hat, als man sie für die eigenen Zwecke instrumentalisieren kann.
Das alles im Namen der Demokratie, das im Namen der Religion, das im flammenden Ton der Aufrichtigkeit der Sorge um das Volk und die Sicherheit der Welt.

Nicht, dass der Iran unterschätzt werden sollte – auch er betreibt eine nicht zu durchschauende Machtpolititk. Aber das Verhalten der jetzigen amerikanischen Politik ist zutiefst undemokratisch, es ist skrupellos, es ist gegen jede Religion, es ist würdelos.

Wahrheitswidriges Zündeln kann ungeahnte Konsequenzen haben. Diesen Leuten sollte man noch nicht einmal Nenas 99 Luftballons anvertrauen.

Mich ekelt – und es macht mir Angst.

 

Nebelkerzen

In den letzten Wochen habe ich tunlichst vermieden, all die jetzt wieder auftauchenden Studien und ihre Ergebnisse (Iglu, Pisa) zu kommentieren oder auch nur zu zitieren.
Ob wir hier drei Plätze besser und dort wieder Durchschnitt sind oder was auch immer – wen interessiert’s. Mich nicht mehr. Ganz ehrlich: Ich bin dessen überdrüssig geworden.

Das aufgeregte Hin- und Herdiskutiere ist vor allem Ausdruck der zerrissenen Seele des Deutschen, die sich mal wieder selbst gefällt im Himmelhochjauchzend oder ZuTodebetrübt: Entweder bräsige Selbstzufriedenheit ob der Verbesserung von Platz y auf Platz x oder zerknirschter Weltschmerz und Endzeitstimmung ob einer Verschlechterung oder eines Stillstandes.

Das endlose Diskutieren der erreichten Plätze in den Studien, das Zeit und Zeitungs- bzw. Senderäume füllt, ohne zu wirklichen Erkenntnissen zu führen, hat für mich etwas vom Werfen von Nebelkerzen. Letztlich uninteressante Punkte werden noch und nochmal durchgekaut (dabei weiß jeder: Getretener Quark wird breit, nicht stark), das Wichtige, vor Augen Liegende, sich in allen Studien Wiederholende, Eindeutige und Empörende wird dabei geflissentlich mehr oder weniger außen vor gelassen:

Wir haben ein gravierendes Gerechtigkeitsproblem, das Kinder aus unterpriveligierten Schichten und Migrantenkinder – und dort vor allem auch die Mädchen – völlig unabhängig von ihrem geistig-intelektuellen Potenzial schulisch nicht zum Zuge kommen lässt.
Und das europaweit blamierend eindeutig.
Hinschauen bitte!

Die notwendige innere und äußere Reform des deutschen Schulsystems, das transparenter werden muss hin auf eine wirkliche individuelle Förderung ALLER Schüler und Schülerinnen, wird nicht unnötig dadurch, dass marginale Fortschritte in Studien zu vermelden sind, deren Kriterien nicht immer wirklich transparent und konsequent nachverfolgt werden können. Die Gefahr scheint aber gegeben, dass man sich nach diesen kleinen Verbesserungen – trotz gegenteiliger Verlautbarungen – zurücklehnt nach dem Motto: Ist doch alles nicht mehr so schlimm – und das wirkliche Problem aus den Augen verliert. “Deutschland führt den Durchschnitt an” – so ein Titel in der SZ, der auch die soziale Problematik des deutschen Schulsystems in den Mittelpunkt stellt.

Das deutsche Bildungssystem ist in seinen Grundzügen immer noch ein hochherrschaftliches. Die Abschaffung dieser “elitären” Prägung zu fordern, die nur auf dem Geldbeutel der Eltern beruht, steht nicht im Widerspruch zur Forderung nach Förderung von Kindern mit besonderen Fähigkeiten, mit Hochbegabung.
Es geht in jedem Falle um individuelle Förderung jedes Kindes gemäß seines Potenzials.
Es geht schlicht um mehr Gerechtigkeit in der Bildung – für jeden Schüler, unabhängig von der Herkunft, für jedes Potenzial, egal ob groß oder klein.