Archiv für den März, 2007

Sprachstandserfassung

So, nun habe ich also die ersten Rückmeldungen über die neuen Sprachstandserfassungen mit Delfin im Kindergarten erhalten – und ich weiß nicht, ob diese Erfahrungen zum Lachen oder zum Weinen Anlass bieten:

In einem Kindergarten betrug die Quote der Verweigerer 90%. Den Kindern war die Situation fremd; das Spielchen wurde von “irgendeiner” Grundschullehrerin geleitet – und die Kinder, egal auf welchem Sprachstand, haben schlicht gefremdelt und geschwiegen.

Auch schon Kunde bekommen habe ich vom Abschneiden zweier wohl hochbegabter Kinder, die beide normalerweise reden wie Wasserfälle. Eines davon, ein Mädchen, kann darüber hinaus ernsthafte Gedichte wie die Fontane-Ballade vom “Herrn Ribbek” auswendig rezitieren. Das Mädchen hat schlicht geschwiegen (s.o.) – und ist deswegen “durchgefallen”; der Junge fand das Ganze so demütigend, dass er es boykottiert hat, indem er irgendwelche unsinnigen Laute und Satzfetzen produzierte und damit natürlich als defizitärer Sprecher aufgefallen ist. Auf die Idee, dass ein 4-Jähriger schon zu Ironie und eigenständigem Handeln in der Lage sein könnte, ist niemand gekommen.

Der Test scheint, vor allem und zumindest, was die Durchführung angeht, extrem überarbeitungsbedürftig zu sein.
Auch über das Niveau des Sprach-Spielchens mag man streiten. Hochbegabte sind durchaus, siehe oben, in der Lage, Situationen, die sie als unwürdig empfinden, zu boykottieren. Das sollte man zumindest wissen, wenn man “professionell” mit Kindern zu tun hat. Dieses Wissen ist aber bis heute durchgängig nicht voraussetzbar:
So wurde mir z.B. von der schulärztlichen Einschulungsuntersuchung eines mit IQ 140 getesteten 6-Jährigen berichtet. Der sagte sehr bestimmt, nachdem er vier Farben benennen und ein 9-teiliges Pumuckl-Puzzle zusammenbasteln sollte, was er dann auch widerstrebend (normalerweise machte er “ernsthafte” Puzzle mit 500 Teilen) getan hatte, auf die zusätzliche Aufforderung, noch drei Teile in die richtigen Öffnungen einer Box zu stecken: “Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst! Darf’s sonst noch was sein!?” Darauf die Schulärztin zur Mutter: “Naja, körperlich ist er ja soweit, aber besonders helle scheint er nicht zu sein!”

Auch bei den Sprachstandstest scheint es wieder einmal nur auf die Mindestanforderungen anzukommen. Eigentlich wären diese Erhebungen – ohne zusätzlichen Aufwand, ohne zusätzliche Kosten – auch eine wunderbare Gelegenheit, Kinder mit besonders gut ausgeprägten Sprachfähigkeiten, Kinder mit sprachlicher Hochbegabung, früh zu erkennen, damit auch sie entsprechend gefördert werden können.
Vielleicht kommt ja noch jemand auf die Idee…

 

Gefährlich legal

Dass die Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen recht willkürlich ist, mit der Gefährlichkeit der einzelnen Stoffe nicht viel zu tun hat und es vielleicht sogar wirtschaftlich/kommerzielle Gründe hat, Alkohol und Nikotin weiterhin frei verkäuflich zu lassen, das ist nichts Unbekanntes, wurde jetzt aber untersucht und bestätigt. Man lese in der SZ.

 

Fruchtbare “Langeweile”

Spiritualität im Alltag – nicht unbedingt “Sondersituationen” wie der Rückzug auf Berge oder in Klöster sind erforderlich für ein spirituelles Leben, sondern eigentlich “nur” die richtige Übungshaltung im Alltag und der Mut zur “Langeweile”.
Sakyong Mipham Rinpoche, moderner Buddhist und anerkannte geistliche Autorität im tibetischen Buddhismus, im Interview mit der SZ.

 

Buchkontakt erst in der Schule

Es ist ja ein bekanntes Phänomen, dass es nicht mehr unbedingt die Kinder mit dem vielzitierten Migrationshintergrund sind, die Schwierigkeiten mit unserer Sprache haben, sondern unsere eigenen “einheimischen”.

“Für immer mehr Kinder in Deutschland ist das Schulbuch das erste Buch im Leben. ‘Zwei von drei Eltern lesen ihrem Nachwuchs niemals vor’, erklärte Christoph Schäfer von der ‘Stiftung Lesen’ auf der Leipziger Buchmesse. ‘Von der Geburt bis zur Einschulung lesen Eltern aus bildungsfernen Schichten ihren Kindern insgesamt nur 24 Stunden vor.’ Werden diese Kinder nicht im Kindergarten ans Schmökern und Lesen herangeführt, seien sie in den entscheidenden Jahren vor dem Schuleintritt von Bildung und Wissen ausgeschlossen.

Während Bilderbücher vielen Kleinen fremd sind, gehört der Fernseher zum vertrauten Inventar. Zwei Stunden Fernsehen ist Alltag für jeden zweiten Fünf- bis Sechsjährigen, ergab eine Befragung von 4500 Vorschulkindern in Bayern.

Kinder, die mehr Zeit vor dem Fernseher verbringen als mit Eltern und Geschwistern, kennt Günter Kloos in Gelsenkirchen nur zu gut. Fast 300 Kinder mit Sprachverzögerungen untersucht der Hals-, Nasen-, Ohrenarzt jedes Jahr vor der Einschulung. ‘Fernsehkinder sind leicht zu erkennen: Sie reden oft mit einer Piepsstimme einfältige Worte oder Bruchteile von Sätzen.’ Solche Störungen seien zum Teil sehr auffällig, aber kein Wunder, erklärt Kloos. ‘Wenn niemand mit den Kleinen redet, können sie auch nicht sprechen lernen.’ ”

Nachzulesen in der WAZ und im Kölner-Stadtanzeiger.

 

Let’s fetz!

Beruhigend für alle verunsicherten Eltern, die genervt annehmen, der Musikgeschmack ihrer hochbegabten Sprösslinge sei eigentlich ein sicheres Zeichen dafür, dass keine Hochbegabung vorliegen könne:
Die Universität Warwick hat den Musikgeschmack hochbegabter Schüler untersucht….
Näheres dazu unter Netzeitung.de.

 

Böse, böse!

Sie ist da, die neueste Studie der Vereinten Nationen: Die überaus heftige Kritik des UN-Inspektors Vernor Muñoz am deutschen Bildungssystem vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen und die arroganten Reaktionen aus der deutschen Bildungspolitik bis hin zum Vorwurf an den Costa-Ricaner Muñoz, er habe das deutsche Bildungssystem gar nicht verstanden – alles nachzulesen in der SZ von heute: hier und hier und hier.

Aus dem Artikel: “Das System ist eine Burg für Privilegierte, die Angst haben vor den Schmuddelkindern der Unterschicht. Es ist ein Relikt aus Zeiten der Ständegesellschaft: ein Anachronismus.”
Der Grund der Privilegierung im jetzigen Bildungssystem ist ein Armutszeugnis: es ist nur das Geld; es handelt sich also um einen Vorteil aus finanziellen Gründen, nicht um eine Privilegierung durch Hochbegabung oder durch einen anderen irgendwie qualitativ bildungsrelevanten Aspekt. Intellektuell besonders gut “ausgestattete” Schüler/innen sind ja nun mit Sicherheit nicht Nutznießer dieses veralteten System, an dem seit Jahrenden immer nur noch herumgeflickschustert wird.
Das jetzige System ist weder für die wirklich guten noch für die schlechten Schüler geeignet und treibt diejenigen, die es eh schon schwer haben, Migranten und Arme, noch weiter an den Rand der Gesellschaft.

Weiter: Es “…verleitet das gegliederte System dazu, die individuelle Förderung zu vernachlässigen und den Unterricht zu starr und einfältig zu organisieren. Ein Systemwechsel und eine neue Unterrichtskultur müssen Hand in Hand gehen. Dafür brauchen die Schulen mehr Freiräume: mehr Zeit, mehr Pädagogen und mehr Eigenverantwortung.”

So ist das.

 

Na also!

Vielleicht ist die Hoffnung, der Umgang mit Hochbegabung im (Kindergarten-/Schul-) Alltag könnte eines Tages selbstverständlich werden, doch nicht so abwegig. Im Kölner Stadtanzeiger jedenfalls ist ein Bericht zu finden über eine Kindertagesstätte in Köln-Chorweiler (!), die sich präsentiert als Kölns erster Schwerpunktkindergarten für Hochbegabtenförderung.

“Hier hat man gelernt, durch das Beobachten der Kinder außergewöhnliche
Begabungen zu erkennen. ‘Das müsste jede Kita lernen’, sagt Leiterin Karola Palinsky. Sie glaubt, dass sich in jeder Kindertagesstätte oder Kindergartengruppe ein bis zwei hochbegabte Kinder befinden, die oft nicht als solche erkannt werden. ‘Diese Kinder fühlen sich dann unwohl. Sie merken, dass sie anders als andere sind, wissen aber nicht warum.’”
Die Leiterin geht davon aus, “dass sich zumindest die großen Kitas in Köln den Umgang mit Hochbegabten im vorhandenen engen personellen und finanziellen Rahmen zur Aufgabe machen können. ‘Man braucht ein dynamisches Team, das Lust auf Weiterbildung hat und einen Träger, der das unterstützt. Hochbegabtenförderung kann man in den laufenden Betrieb integrieren.’”

Na also!

 

Vaterlose Gesellschaft

“Die Fehler” werden im SZ-Magazin vom Freitag Väter genannt, die zwar immer Zeit finden für den TÜV-Termin ihrers Autos, nie aber für das Flötenvorspiel ihrer Tochter oder den Termin ihres Sohnes beim Kieferorthopäden.
Väter leisten bis heute bei weitem nicht jenen Dualismus, den man von Frauen mittlerweile stillschweigend und selbstverständlich erwartet: Geld zu verdienen, Erfolg zu haben im Beruf und trotzdem zuständig zu sein für die tausend Dinge, die mit Erziehung von Kindern zusammenhängen.

Wer hätte das gedacht…

 

Fernlehrgang Hochbegabung

Es gibt ab sofort einen ersten Fernlehrgang zum Thema Hochbegabung. Angeboten wird er vom IFLW – Institut für integratives Lernen und Weiterbildung und schließt mit dem Titel „Begabungspädagogin IFLW“ bzw. „Begabungspädagoge IFLW“ ab.

Die Fortbildung richtet sich an Fachleute aus dem psychosozialen oder therapeutischen Bereich und vermittelt fundierte Kenntnisse zum Themenkreis der Hochbegabung bei Kindern und Jugendlichen.

Der Fernkurs wurde von mehreren Autorinnen entwickelt, die in der Hochbegabtenszene durchaus einen Namen haben, und ist von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) geprüft und zugelassen.

Internet http://www.iflw.de

 

Gotteslästerlich

Man ahnte es ja, wusste es irgendwie intuitiv … dass es aber tatsächlich so war und ist, schockiert dann doch: da hat tatsächlich einer versucht, sich die Welt passend zu machen und auf seinen kleingeistigen Maßstab zu reduzieren. Der Mann gibt auch noch vor, religiös und gläubig zu sein, versucht aber gleichzeitig, in unglaublich dilettantischer Weise Gott zu spielen und Fakten verleugnend und Menschen manipulierend die Schöpfung in seinen engen Horizont zu zwingen und neu zu erfinden. Einfach ekelhaft. Wer mag, der lese in der SZ.