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Narzisstische Borniertheit nach dem Unwetter – eine Wutrede

Wie allseits bekannt, hat ein unglaublich heftiges Unwetter am Pfingstmontag vor allem das Ruhrgebiet getroffen. Es ist wirklich fast irreal gewesen, wie es hier auf den Straßen und überall aussah. Auch unser Dach war betroffen.
Allein in Essen wurde wohl über 10% des Baumbestandes vernichtet, das sind zehntausende Bäume allein im Essener Stadtgebiet. Die Bilanz ist verheerend: Orkantief „Ela“ hat vermutlich allein in Essen einen vorläufig bezifferten finanziellen Schaden von rund 63,3 Millionen Euro angerichtet.

Was all die Helfer, seien es ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer, sei es das THW und wer auch immer, geleistet haben in den letzten zwei Wochen, das ist unglaublich. Viele Helfer arbeiteten und arbeiten bei minimalem Schlaf fast durch bis hin zur totalen Erschöpfung. Ihnen allen ist es zu verdanken, dass die gröbsten Schäden beseitigt sind – und mehr als das.

Was bleibt, ist die Tatsache, dass hier noch alle Wälder und Parks, auch der Grugapark, gesperrt sind – und zwar, um die Bürger zu SCHÜTZEN! Die Gefahr, die von abbrechenden Ästen und auch jetzt noch umstürzenden Bäumen ausgeht, ist nämlich immer noch sehr groß!

Und was macht angesichts all dieser Fakten der allseits beliebte deutsche Zipfenmützen-Michel?
Er mosert, meckert und macht sein Ding trotz aller Verbote, trotz aller Gefahr.
Es gibt Leute – und gar nicht einmal so wenige –, die haben nur ihre Ansprüche, vermeintlichen Rechte und Routinen im Hirn, die durch das Unwetter empfindlich gestört worden sind.
Was für eine Frechheit, dass es so ein Unwetter gibt! Und was für eine Frechheit, dass es am nächsten und auch am übernächsten Tag tatsächlich immer noch Konsequenzen gibt, die Unbequemlichkeiten mit sich bringen.

-       Da werden Helfer behindert, beschimpft und bespuckt.
-     Da erstattet ein Rechtsanwalt Anzeige, weil Helfer ein im Sturm umgekipptes Baustellen-Klohäuschen erst einmal in seiner Einfahrt sicher abgestellt haben!!! Der Shitstorm gegen ihn muss wohl heftig gewesen sein: Er zog die Anzeige zwischenzeitlich zurück und will jetzt sogar noch spenden. AHHHH ja!!
-     Da gibt es Hasskommentare gegen die Bahn, weil die nicht mit Harry Potters Zauberstab mal kurz etliche hundert Kilometer Oberleitung in einer Stunde in Ordnung bringen kann.
-     Da gibt es Rentner, die auf Einhaltung ihrer täglichen Mittagsruhe pochen, während Helfer sich draußen damit plagen, umgestürzte Bäume von drei zerstörten Autos wegzuräumen.
-     Da laufen Leute einfach durch den abgesperrten Wald, weil sie glauben, dass es zu ihrem vom Grundgesetz garantierten Recht gehört, da zu joggen, wo sie wollen – mit versichertem Recht auf Unversehrtheit natürlich.
-     Da geht sogar eine Lehrerin mit einer ganzen Klasse trotz Absperrung in den Wald und meint, sie habe nicht gewusst, dass man das nicht darf.

Die WAZ in einem Kommentar: “Viele Bürger haben sich vom Schrecken der Sturmnacht erholt und wollen tun, was sie gewohnt sind: Mit dem Hund Gassi gehen, eine Runde joggen, mit der Familie grillen.”
Und weiter: “Für Feuerwehr und Forstbetriebe ist an Alltag noch nicht zu denken. Auch am Tag elf nach dem Sturm arbeiten Mitarbeiter gefühlte 24 Stunden. Obendrein müssen sie sich die Pöbeleien so mancher Bürger gefallen lassen – weil die Motorsäge zu laut ist oder der Hund seine gewohnte Gassirunde braucht.”
“’Der Hund muss raus’, sagen die Tierlieben. ‘Die Förster fahren hier ja auch lang’“, sagen die Spitzfindigen. Und ‘Ich wusste nicht, dass der Wald immer noch gesperrt ist’, sagt die Lehrerin, die samt Schulkindern in den gesperrten Gladbecker Stadtwald hineingeradelt ist . Von solchen Szenen berichten in diesen Wochen nach dem Orkantief ‘Ela’ die Forstmitarbeiter im Ruhrgebiet, wenn man sie fragt, wie die Revierbürger mit der Sperrung der Wälder umgehen. Kurzum: Viele ignorieren sie einfach. ‘Es sind kaum weniger Menschen im Wald als vor dem Sturm’, sagte der Duisburger Stadtförster Stefan Jeschke Mitte dieser Woche. Man stelle sich vor: Der Wald ist gesperrt – und jeder geht rein, um zu gucken warum.” (WAZ)

Wir reden hier von erwachsenen Menschen! Von sogenannten “mündigen Bürgern” – und zwar aus allen gesellschaftlichen Schichten! Borniertheit, Egozentrik und Verantwortungslosigkeit gibt es überall; sie treten übrigens auch völlig unabhängig von der Höhe des IQ auf.

Meine unmaßgebliche und hier gerne auch undifferenzierte Meinung:
-     Das sind die Erwachsenen, die ihren Kindern Vorbild sein sollen – und nur narzisstisch und komplett borniert die Erfüllung ihrer eigenen persönlichen Ansprüche im Hirn haben.
-     Das sind die Erwachsenen, die immer noch egozentrisch glauben, das Leben habe für sie ein Ponyhof zu sein und eine Aneinanderreihung von unterhaltsamen Events von Formel 1 übers Oktoberfest bis zum Papstbesuch – ohne jedes eigene Risiko oder persönliche Engagement ihrerseits natürlich.
-     Das sind die Erwachsenen, deren Kinder Lehrer chronisch nerven, weil sie nicht in der Lage sind, sich zu konzentrieren und auf eine Situation einzustellen, in der sie nicht im Mittelpunkt stehen.
-     Das sind die Erwachsenen, die, wenn sie denn in der entsprechenden Position sind, hinter vorgehaltener Hand flüstern oder aber auch lauthals damit angeben, dass sie wüssten, wie man den Mindestlohn elegant umgehen und viel Geld an der Steuer vorbeischleusen könne.
-     Das sind die Erwachsenen, die zusammenstehen, ihre leeren Pommesschälchen einfach so auf den Boden werden und gleichzeitig darüber palavern, dass die Jugend von heute eine Katastrophe sei, anspruchsvoll, verwöhnt, respektlos, vorlaut und dreckig.

AHHHH ja!!

Ich habe solche Leute so satt!

 

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