Archiv für den Januar, 2010

Gemein – aber so isett. Leider! Leider!

Ganz kurz nur möchte ich aufmerksam machen auf eine rein zeitlich schon der Vergangenheit angehörende Sendung des Deutschlandradios, deren Ankündigung aber immer noch inhaltlich sehr aktuell ist und ein heftig zustimmendes Kopfnicken in mir erzeugt.

Der Kluge ist der Dumme hieß die Sendung bzw. ist der Text überschrieben.

Den Hinweis zu diesem Artikel habe ich übrigens dem Blog Hochbegabt und Hochsensibel zu verdanken.

 

Verschüttet: Intuition und gesunder Menschenverstand

Helicopter parents, das ist eine recht neue Unart, Eltern zu sein.
Von der Wahl der richtigen Schnullerform, die irgendeinen heilbringend intellektfördernden Einfluss auf die Synapsen im Gehirn des Babys haben soll, bis hin zur Begleitung des schon erwachsenen Studienabsolventen bei seinen Bewerbungsgesprächen: Für manche Eltern sind ihre Kinder wohl nur noch Objekte, die mit viel Einsatz von Geld, Zeit und Mühen karrierefähig gezüchtet werden müssen. 
Intellektuelle Mast, die zur brillanten Karriere der Kinder führen soll. Wehe, das gelingt nicht… 

Auch wenn der SPIEGEL gerne mal ein bisschen dazudramatisiert, trifft doch das, was in dem Artikel Kinder unter Erfolgsdruck – Very Important Babys steht, auf einen bestimmten Elterntypus durchaus zu.

Wer ein bisschen Meinung und Hintergrund haben möchte, lese zum selben Thema Erziehungszwischenruf: Eltern, fürchtet euch nicht!

Prügel, Vernachlässigung, Misshandlungen jedweder Art – aber auch: Chronische Überbehütung und Reduzierung auf ein Prestige-Objekt des elterlichen Ehrgeizes:
In Kindheit und Jugend zu erlebende Traumata können ja so unterschiedlich aussehen…

Mit vernünftiger, ganzheitlicher Förderung (hoch-) begabter Kinder hat das Ganze überhaupt gar nichts zu tun. Sehr wohl aber viel mit oft egoistisch geprägten außenorientierten Ersatzhandlungen der Eltern und ihrer zunehmenden Unfähigkeit, wirklich lieben und auch loslassen zu können .

 

Musikalische Hochbegabung

Auch ein Blick über den Zaun: Normalerweise ist hier in diesem Blog von intellektueller Hochbegabung die Rede. Das Interview, das unter dem Titel Bar jeder Wunder auf der Kulturplattform kultiversum zu finden ist, gibt jedoch einen so interessanten Einblick in Einschätzung, Schulung und Perspektiven musikalisch hochbegabter Kinder, das ich ihn hier augenommen habe.

Während es für die Feststellung überdurchschnittlicher intellektueller Begabungen standardisierte IQ-Tests gibt – wie fragwürdig ihre Ergebnisse auch immer sein mögen, ist der Begriff der musikalischen Hochbegabung “objektiv” gar nicht wirklich fassbar. Bei der Erkennung einer solchen Hochbegabung spielt sicher auch die Intuition, der “Riecher”, eine große Rolle, denn es geht ja um mehr als um perfekt eingesetzte Technik beim Spielen eines Instruments:
“Ich kann sagen, dass ich, ohne je Tests benutzt zu haben, ein ziemlich sicheres Gefühl dafür besitze, wen ich da vor mir habe … Ich kann es fühlen. Dann springt in mir ein Funke an, ein kleines Feuer, das immer größer wird, und nun weiß ich auch beinahe blind den Weg, der jedes Mal ein anderer ist.”

Im Interview wird auch klar herausgestellt, dass eine besondere (musikalische) Begabung nur die Basis für alles Weitere ist.
Hochbegabung – gleich welcher Art – ist nur ein Potenzial.
”Es gibt eine große Studie vom Max-Planck-Institut in Berlin über Geiger, und da zeigte sich: Wer an die Spitze will, braucht 10.000 Stunden und mindestens 10 Jahre. Daran scheint kein Weg vorbei zu führen.”

Auch im Bereich der intellektuellen Hochbegabung, gerade auch im Umgang mit Underachievern, wird heftig über den “Fleiß” diskutiert (siehe auch hier), der nötig ist, damit aus Hochbegabung auch Hochleistung wird.

Egal in welchem Bereich: Geheimnis des Erfolges ist wohl das, was der Erfinder der Glühbirne, Thomas Alva Edison, dazu sagte: “Ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration.”

 

Grundschulempfehlungen für die weiterführende Schulform

Sie stehen wieder kurz bevor, die ziemlich verbindlichen Empfehlungen der Klassenlehrer/innen aller Viertklässler in NRW für den Besuch der weiterführenden Schulform.

Die ersten Beratungsgespräche mit panischen Eltern hochbegabter Kinder, die wohl alle aus unterschiedlichen Gründen keine Gymnasialempfehlung bekommen werden, habe ich schon geführt. Es werden sicher nicht die letzten gewesen sein.

Was mich dabei oft ärgert:
Vieles an Schwierigkeiten der Kinder in der Schule gab es schon lange, das Problem mit der Grundschulempfehlung war ganz klar abzusehen – aber für manche Eltern kommt das dann trotzdem so plötzlich und unerwartet, wie uns Weihnachten am 24.12. jedes Jahr immer wieder neu völlig unvorbereitet überfällt.
Dann allerdings reagieren die Eltern absolut panisch und kopflos und wollen in einem Tag, am besten ohne eigenen Einsatz, den Karren aus dem Dreck gezogen haben, der da seit Jahren drinsteckt.
Leute: So geht das nicht!

Wie auch immer: Im letzten Jahr habe ich einen ausführlichen Beitrag mit Anmerkungen zur Vorgehensweise bei problematischen Schulformempfehlungen geschrieben. Der gilt noch und ist hier zu finden.

 

Hochbegabung – Blick über den Zaun II

Ich finde es immer sehr interessant, ab und an – leider viel zu selten – Berichte über die Situation von Hochbegabten im Schulsystem anderer Länder zu finden.

Im letzten Jahr gab es einen Zeitungsartikel aus Ungarn.

Heute fand ich einen Bericht aus Israel.
Titel: Krise im Klassenzimmer.
Inhalt: Die in einer Studie festgestellte und analysierte “dramatische Schieflage” des israelischen Bildungssystems.

Sehr spannend.