Archiv für den November, 2009

Labyrinthchen 2009

Die Auszeichnung des DGhK-Regionalvereins Rhein-Ruhr für begabungsfreundlich arbeitende Kindertagesstätten, genannt Labyrinthchen, wird in diesem Jahr der Kindertagesstätte des Roten Kreuzes Monopoli in Kamen verliehen.

Ein Vorbericht dazu ist schon in der WAZ zu lesen.

Morgen Abend (27.11.09) wird im WDR-Regionalfernsehen, Fenster Dortmund, zwischen 19.30 und 20.00 Uhr ein Bericht über die KiTa und die Verleihung zu sehen sein, gefolgt von einem kurzen Studiointerview mit der Vorsitzenden des DGhK-Regionalvereins. :-)

Der Regionalverein Rhein-Ruhr der DGhK verleiht in jedem Jahr einer Kinder­tageseinrichtung das Labyrinthchen als Anerkennung für vorbild­liche Leistungen in der Begabungs- und Begabtenför­de­rung.

Die Auswahl des Preisträgers erfolgt an­hand der Auswertung einer Bewerbungs­mappe, in der sich die Kinder­tageseinrich­tung in ihrer Vielfältigkeit dar­stellen kann, einer Visitation der Ein­richtung – und gerne auch angeregt durch Erfah­rungsbe­richte von Kindern und Eltern.

Folgende Kriterien werden zu Grunde gelegt:

  • ein Konzept, das eine individuelle bega­bungsorientierte Arbeit zeigt
  • Einbeziehung auch jüngerer Kinder in an­spruchsvolles Spielen und Forschen
  • evtl. Zusatzausbildung der Erzieher/innen
  • Gestaltung von (Fach-) Räumen
  • Einsatz von begabungsgerechtem Spiel- und Arbeitsmaterial
  • Bemühen um den individuell optimalen Einschulungstermin für jedes Kind
  • die begabungsfreundliche Arbeit soll längerfristig angelegt sein
  • die Kindertageseinrichtung soll auch von außen in der begabungsfreund­li­chen Arbeit wahrgenommen werden

Die Verleihung des Labyrinthchens ist verbunden mit einem Preisgeld von 500,- € und einer Plakette für den Eingangsbereich.

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Es geht bei der Auszeichnung nicht darum, einen “Hochbegabtenkindergarten” auszuloben, sondern eine KiTa, die generell ein begabungsfreundliches Klima aufweist, in dem alle Kinder ihren Fähigkeiten entsprechend wirklich individuell wahrgenommen werden und ihren jeweiligen Begabungen und Vorlieben folgend agieren können.

 

Thema Hochbegabung: Aufklärung auf der Konsumentenmesse

Geschafft: In mehr als einer Hinsicht.

Auch in diesem Jahr fand wie immer im November in Essen die große Verbrauchermesse „Mode-Heim-Handwerk“ in der Gruga statt.

Schon in den letzten Jahren waren wir mit unserem Stand der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) dort auf sehr große Resonanz gestoßen, obwohl wir zu Beginn nur an den Wochenenden und an einem Gemeinschaftsstand vor Ort sein konnten. Im letzten Jahr haben wir dann den Schritt zu einem großen Einzelstand hin gewagt – und es hat sich gelohnt.

Im Rahmen der Präsentation der Essener Selbsthilfegruppen innerhalb der WIESE waren wir auch diesmal mit einem eigenen großen Stand auf der Messe 9 Tage lang präsent – Tag für Tag.

Das Tolle daran: Die WIESE kann in Zusammenarbeit mit der Messe Essen diese Stände völlig kostenlos zur Verfügung stellen – und sorgt zudem noch für Kaffee und Kekse und Obst. Einfach unglaublich – und von hier aus einen ganz herzlichen Dank an alle “guten Geister” der WIESE!

Neun Tage Messe: an acht von ihnen habe ich – zusammen mit anderen ehrenamtlichen DGhK-Mitgliedern Standdienst gemacht, jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr.
Soviel Standdienst, das bedeutet: ständige Geräuschkulisse, künstliches Licht, vor allem auch schmerzende Füße spätestens am Ende des zweiten Tages, ein fusseliger Mund vom Reden und irgendwann Abhärtung gegen jede Art von Reizen.

Aber: Unser Einsatz hat sich wieder gelohnt – obwohl man das kaum glauben mag bei einer Messe, die explizit unter dem Zeichen von Konsum Konsum Konsum steht.
Wir haben im letzten Jahr über 400 Gespräche mit Betroffenen und Nicht-Betroffenen geführt – und zusätzlich haben noch mehr als 250 Leute Infomaterial mitgenommen.
Diesmal konnten wir dieses Ergebnis noch toppen: 450 Gespräche haben wir geführt und wieder über 200 Leute registriert, die nur Material mitgenommen haben – wobei die Zahlen sicher noch höher sind, weil wir gar nicht alles notieren konnten.

Auf dieser Messe erreichen wir einfach Menschen, die ansonsten nicht zu uns gefunden hätten, z. T. weil sie einfach nicht wissen, dass es uns gibt, z. T. aber auch immer noch aus Scheu dem Thema gegenüber. Wir sind einfach da mit unserem Stand, und die Hemmschwelle, uns anzusprechen, ist niedrig auf einer Messe, bei der die Standinhaber ja alle angesprochen werden wollen.
In diesem Jahr war vor allem die große Anzahl von Großmüttern bemerkenswert, die sich wegen ihrer Enkel informierten.

Die Schicksale der betroffenen Personen und Familien sind immer noch häufig sehr schwierig, zumal, wenn Hochbegabung nur eins der Phänomene bei Kindern ist, die ansonsten auch noch mit LRS, ADHS, Allergien, Asperger, Familienproblemen und vielem mehr belastet – und die Schulen nicht hilfreich sind, um es sehr vorsichtig auszudrücken.
Es ist schon ein wirklich gutes Gefühl, in so kurzer Zeit so viele Menschen erreichen und beraten zu können, was für etliche von ihnen mit Sicherheit – ohne pathetisch werden zu wollen – lebensverändernd sein kann.

Aber auch die Gespräche mit Nicht-Betroffenen halte ich für sehr wichtig, einfach schon deswegen, weil diese Leute “Stimmungsmultiplikatoren” sind – und wenn sie nach einem Gespräch mit uns zumindest glauben, dass Hochbegabte auch nur nette Menschen sind, die Probleme haben, halt andere Probleme als sie selbst, dann ist schon viel gewonnen.

Diesmal war aber leider auch die Zahl der Menschen erhöht, die “uns”, d.h. dem Thema Hochbegabung gegenüber, nicht zumindest gnädig gestimmt waren. Es gab zum Teil ziemlich bösartige Kommentare, die mich an Bemerkungen von von 20 Jahren erinnerten.
Ich habe den Eindruck, dass in Krisenzeiten viele Leute besonders anfällig dafür sind, scheinbar “privilegierte” Menschen irgendwie zu demütigen, ohne daran interessiert zu sein, wie es denen wirklich geht. Neid? Angst? Manche der Sprüche jedenfalls, die wir uns hier und da anhören mussten, sind nicht wirklich zitierbar.
Das sind aber kleine “Schönheitsfehler”, die das positive Gesamtergebnisse dieser Woche nicht wirklich trüben können.

Das Fazit der Messe-Woche ist dasselbe wie im letzten Jahr:
Anstrengend – lohnend – nächstes Jahr wieder!

 

Zum Heulen

Wenn Lehrer weinen und keiner mehr was lernt, so titelt heute die WAZ im Hauptteil – und was man da so liest, ist wirklich zum Heulen.

Der Untertitel: “Aggressive, verwahrloste Kinder machen an vielen Schulen Unterricht unmöglich. Beinahe noch schwerer zu ertragen ist das völlige Desinteresse vieler Eltern am Lernerfolg ihres Nachwuchses. Ein deprimierender Frontbericht.”

Man lese selbst.
Ein Satz sei jedoch noch zitiert: “15 Minuten Unterricht pro Stunde ‘sind viel’”.
Wundert man sich da, wenn gewillte Betriebe keine Auszubildenden mehr nehmen mit der Begründung, dass ein enormer Prozentsatz der Schulabgänger nicht ausbildungsfähig ist…

Falls jemand glaubt, das sei doch alles übertrieben, dem kann ich mit einer Geschichte aus meinem persönlichen Umfeld aushelfen:
Eine gute Freundin, Hauptschullehrerin, Anfang 50, wirklich handfest und robust, ist am Ende. Vor zwei Jahren musste sie schon einmal pausieren wegen eines Burn-out-Syndrom und ging dann, durch eine Kur neu motiviert und gestärkt, wieder frohgemut ans Werk. Zunächst ging alles gut. An ihrer Schule gab es dann jedoch im Frühjahr krankheitsbedingte Ausfälle (Burn-out!) von bis zu 30% der Lehrer. Konsequenz: Jeden Tag wechselnde Stundenpläne, Fremdfachunterricht als Normalfall z. T. aus dem Stand heraus, schwierige und aggressive Schüler, mangelnde Lernfortschritte, gereizte Stimmung auch unter den verbliebenen Kollegen. Fazit: Eine auch objektiv gesehen absolut überfordernde Situation! Die Lage für meine Freundin wurde durch all diese Belastungen bald wieder grenzwertig. Als dann ein Schüler einen tätlichen Angriff auf sie wagte, verließ sie weinend die Klasse und ging zu ihrem Konrektor (der Rektor war auch erkrankt) und schilderte ihm den Vorfall und die unerträgliche Situation in der Klasse, die allgemein als äußerst problematisch bekannt war. Die “fürsorgliche” Reaktion des Konrektors: “Da müssen Sie selber sehen, wie Sie klarkommen.”
Daraufhin brach meine Freundin endgültig zusammen.

Ach ja, eine andere Freundin, die, mit ihrer Familie Idylle und heiles Umfeld suchend, vor Jahren extra in einen kleinen Ort am Niederrhein gezogen war, erzählte mir just am Dienstag Folgendes: Ihre 11jährige Tochter ist im Schulbus aus dem Nichts heraus völlig grundlos von einem ihr völlig unbekannten Zehntklässler plötzlich angegriffen und so zusammengeschlagen worden, dass sie für drei Tage ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Es gibt Zeugen genug, der Junge hat sogar gestanden. Allerdings: Die Eltern des Jungen machen einen Riesenaufstand, weil das alles doch nicht sein könne, ihr Bubi so etwas nie machen würde und die Verletzungen des Mädchen unmöglich “aus dieser kleinen Rangelei” stammen könnten und das Mädchen ihrem armen Jungen bestimmt an den Hals gegangen sei.

“Wo bleibt das Positive, Herr Kästner?”

 

Jugendsoftwarepreis 2010

Da ich so nett gebeten wurde, auf den Wettbewerb hinzuweisen:

„Zeig mal!“
Jugendsoftwarepreis 2010 – der naturwissenschaftliche Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler

Gesucht werden von Schülerinnen und Schülern entwickelte multimediale Präsentationen, die ein naturwissenschaftliches oder mathematisches Thema behandeln.

Die Arbeiten, die bis zum 20. September eingereicht werden können, sollten eigenes Wissen möglichst einzigartig, zeitgemäß und originell vermitteln. Ob digitale Folienpräsentation, Website oder komplexes Java-Programm – die Art des Beitrags ist nicht entscheidend. Auch der Inhalt der Arbeit ist frei wählbar, er muss sich aber den Fachbereichen Mathematik, Biologie, Chemie, Physik oder angrenzenden Fachbereichen wie der Astronomie oder der Geographie zuordnen lassen.

Teilnehmen können Einzelpersonen sowie Teams von Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen und Schulformen. Sie müssen im Schuljahr 2009/2010 eine allgemeinbildende Schule in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz besuchen und dürfen bei Einsendeschluss nicht älter als 21 Jahre sein.
Die Wettbe­werbsbeiträge können in oder außerhalb des regulären Unterrichtes erstellt werden. Für die Siegerbeiträge gibt es attraktive Preise bis zu 1000 Euro.

Der nächste Einsendeschluss für den Wettbewerb ist der 20. September 2010

Mehr Informationen im Internet unter www.jugendsoftwarepreis.info

Der Jugendsoftwarepreis ist in Projekt der Klaus Tschira Stiftung und wird jährlich ausgelobt. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Heidelberg fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik sowie deren Wertschätzung.

 

Hochbegabung – Blick über den Zaun

Über den Diskussionsstand das Thema Hochbegabung betreffend hört man aus anderen Ländern nicht gerade viel. Am ehesten kommen noch Infos aus Österreich und der Schweiz.
So fand ich es sehr interessant, einen Artikel über ein Projekt zur Förderung hochbegabter Kinder im Pester Lloyd, der deutschsprachigen Zeitung Ungarns, gefunden zu haben.

Ungarn ist ein ziemlich krisengeschütteltes Land, die finanzielle Lage ist äußerst angespannt. Aber nicht nur die: Vor zwei Jahren haben wir unseren fast vierwöchigen Sommerurlaub in unterschiedlichen Regionen Ungarns verbracht und haben auch die generelle Atmosphäre in dem Land als sehr angespannt, fast depressiv oder sogar resignativ, erlebt.
Irgendwie hat es das Land, das im Sozialismus fast so etwas wie einen “Ausnahmestatus” hatte und über mehr Freiheiten und sogar über einen gewissen “Wohlstand”, wenn auch auf bescheidenem Niveau, verfügte als andere Länder im Herrschaftsbereich der damaligen UDSSR, nicht geschafft, nach der politischen Wende in einer wie immer gearteten Aufbruchsstimmung die Entwicklung weiter nach vorne zu bringen. Im Gegenteil: Ich erlebte das Land in einer Art von Windstille erstarrt.

Vielleicht erklärt sich die Skepsis, die den Artikel über die geplante Begabtenförderung in Ungarn durchzieht, auch aus der allgemeinen unbefriedigenden Situation:
Ungarn sucht das Superhirn – Begabtenförderung in Ungarn als erster Schritt zur Zweiklassengesellschaft?
Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass es in Ungarn ein recht ausgeprägtes Minderheitenproblem gibt, das vor allem die dort lebenden, aber nicht wirklich gewollten und nicht wirklich integrierten Roma betrifft. Auch das ungarische Bildungssystem tut sich da schwer. Dies verschärft die Diskussion zusätzlich.