Archiv für den September, 2008

Fazit

Nun ist er also vorbei, der DGhK-Jubiläumskongress20/20 Zukunft Denken – in Essen, Haus der Technik.

Er war eine schöne runde Sache. Alles verlief reibungslos, gut organisiert und durchdacht.
Ein Thema mit Blick auf die Zukunft zu nehmen, war eine gute Idee.

Die Referenten lieferten sehr interessante und z. T. streitbare Aspekte dazu:
Prof. Albert Ziegler, einer der profiliertesten internationalen Begabungsforscher, dem von den Vereinigten Emiraten und jetzt auch Korea mehrstellige Millionenbeträge für Konzepte zur Förderung der (Hoch-)Begabten des Landes hinterhergeworfen werden, mit seiner Hauptthese, dass Intelligenz durch gezielte Förderung z.B. durch Mentorenprogramme, eindeutig erhöht werden kann;
Dr. Pero Mićić, Zukunftsforscher und Vorstand der FutureManagementGroup AG, mit seinem interessanten Entscheidungsmodell mit Blick auf die Zukunft, das unterschiedliche Kriterien der Entscheidungsfindung beinhaltet, nach denen sowohl Individuen als auch Organisationen Zukunft gestalten können – Überraschungen inbegriffen;
Prof. Dr. Stephan Jansen, Präsident der privaten Zeppelin Universtiy in Friedrichshafen, in seiner unnachahmlich charismatisch-arroganten Art, der sich spürbar wohlfühlte in einer Art von Bad-Boy-Attitüde – aber völlig überzeugte durch knallharte Zahlen und Fakten angesichts derer es einem angst und bange werden kann bezüglich der Zukunft der “Bildungsrepublik” Deutschland.

Gisela Steinhauer vom WDR war dabei eine geniale, kundige und witzige Moderatorin.

Einfach mal etwas anderes!!

Die Jugendlichen arbeiteten in einem Theaterworkshop mit dem bekannten Theaterpädagogen, Musiker und (Impro-) Schauspieler Jens Niemeier und bereicherten das Ganze mit ihrem gelungenen Impro-Theater-Auftritt, bei dem sie eine Versteigerung hochbegabter Experten an den Meistbietenden improvisierten, wobei dann auch schon einmal jemand per Höchstgebot bei Al-Kaida landete, weil in Deutschland niemand Interesse hatte…

Die Kids waren den ganzen Tag unterwegs, zunächst im Mineralienmuseum Essen-Kupferdreh, dann auf dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein – und waren fix und alle am Abend. Sicher ein gutes Zeichen.

Das Ambiente war super, das Essen gut – und die Stimmung auch. Der Markt der Möglichkeiten war gut bestückt und besucht.

Kurios war übrigens die Spende von Hipp, die unseren Kongress mit ungezählten Gläschen Babynahrung in riesigen Paketen sponserten, die wir dann irgendwie verteilen mussten.

Einziger Wermutstropfen: Es hätten gerne ein paar Leute mehr kommen können als rund 200! Keine Ahnung, warum es so schwer ist, die Leute zu mobilisieren. Nun hatten wir am Samstag auch zu konkurrieren mit vielen Veranstaltungen zum Weltkindertag. An der Organisation des Kongresses hat es sicher nicht gelegen: Aber auch wir in Rhein-Ruhr hatten im Frühjahr mit der schwierigen Motivationssituation zu kämpfen, als wir Ende April ein großes Jubiläums-Familienfest mit einem wirklich guten Programm veranstaltet hatten und von der Teilnehmerzahl doch auch etwas enttäuscht waren.

Auch die Resonanz der Presse hätte deutlicher sein können. Mehr als Artikel im Lokalbereich (hier und hier und hier) und ein Beitrag im WDR-Lokalfenster Ruhr war nicht drin, was ich nicht verstehe. Mobilisiert worden waren sie alle, auch alle überregionalen Zeitungen. Wenn Mensa eine Jahresversammlung hat, dann stehen dazu Artikel und Interviews in allen Zeitungen; richtet der Bundesverein der DGhK einen großen Jubiläumskongress zum 30-jährigen Bestehen des Vereins aus, hat niemand überregional Interesse.
Was machen wir da falsch? Hat einer eine Idee?

Wie auch immer:
Es war ein wirklich guter Tag und ein wirklich guter Kongress! Respekt und Dank an die beiden Organisatorinnen.

 

Morgen ist es soweit: DGhK-Kongress

Morgen also findet der Jubiläums-Kongress der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) in Essen im Haus der Technik am Hauptbahnhof statt. Thema des Kongresses 20/20 – Zukunft denken.
Infos hier.
Anmeldung ist nicht mehr möglich – es werden aber noch Karten an der Tageskasse erhältlich sein.
Presse/Fernsehen – alles ist mobilisiert. Mal sehen, was passiert. Gleich jedenfalls wird es im Rahmen eines Beitrages über hochbegabte Schüler im Elsa-Brandström-Gymnasium Oberhausen auch ein Interview mit mir geben. Die Lokalzeit Ruhr des WDR wird das wohl heute Abend senden.
Ist das alles aufregend…
Hoffentlich klappt morgen alles von der Organisation her, hoffentlich werden alle begeistert sein, hoffentlich hilft der Kongress auch dabei, das Thema Hochbegabung weiter zu enttabuisieren.

 

Von der Banken- zur Bananenrepublik

Aufgrund des freundlich zugespitzten, jedoch völlig zutreffenden, Artikels in der SZ Bildung in Not dann doch noch ein paar Wort als Nachklang zur diesjährigen OECD-Studie.

“Deutschland ist keine Bildungsrepublik, eher schon eine Bankenrepublik. Die Schulen und Hochschulen sind Hütten, die Banken Paläste. Geraten Kreditinstitute in Not, eilen Staat und Steuerzahler mit Milliardenbeträgen zu Hilfe. An Bildungsnöte hat man sich dagegen gewöhnt.”

Wohl wahr.

In der letzten Woche titelte die WAZ Schimmelnde Schulen und sprach davon, dass es z.B. mittlerweile kein Sonderfall mehr ist, wenn Kinder kurz aus der von Schimmelpilzen belasteten Sporthalle zu ihrer Tasche gehen müssen, um ihr Asthma-Spray zu benutzen.
“Deutschlands Schulen wurden so lange vernachlässigt, dass sich jetzt ein Sanierungsstau von 78,5 Milliarden Euro aufgebaut hat. Es bröckelt, es zieht und regnet rein. Notfalls packen Eltern mit an.”

Gebäude und deren Ausstattung, Modernisierung des Schulsystems und der Lehrpläne, Lehrerausbildung, Didaktik, Methodik, Unterstützung der Lehrer durch Sozialarbeiter und Schulpsychologen, Fördermöglichkeiten jeder Art, Materialien…
Die Aufzählung der Bereiche, in die investiert werden müsste – finanziell, aber natürlich auch konzeptionell, kann problemlos weitergeführt werden.

“Schon jetzt fehlen vielen Firmen Fachkräfte, und schon jetzt treiben 80.000 Schulabbrecher die Sozialausgaben in die Höhe.”

Leider steht wirklich durchgreifenden Änderungen im Bildungssystem extrem entgegen, dass die Bildungshoheit bei den einzelnen Ländern liegt, die eifersüchtig ihre jeweiligen Bonbons hüten. Aber was nutzt das:

“Bayern beispielsweise könnte seinen Bedarf an Akademikern nicht aus eigener Kraft decken. Da mögen CSU-Politiker noch so sehr auf die Schulen in anderen Ländern herabblicken: Bayerische Unternehmer sind froh, wenn sie einen Ingenieur aus Bremen gewinnen können.”

“Das Schicksal eines Landes hängt von der Ausbildung seiner Jugend ab. Diese alte (bereits von Aristoteles formulierte) Erkenntnis hat mittlerweile selbst die vom Ölreichtum verwöhnten arabischen Staaten bewogen, massiv in Schulen und Universitäten zu investieren. Einen solchen Aufbruch muss es auch in Deutschland geben.”

Wenn nicht in absehbarer Zeit in jeder Hinsicht investiert wird in die “Bildungsrepublik” Deutschland, dann wird uns eines Tages der aktuelle OECD-Bericht attestieren, dass wir bildungsmäßig auf das Niveau einer Bananenrepublik zurückgefallen sind – immerhin einer Bananenrepublik mit den schönsten Banken.

 

OECD – Oh je!

Nein, ganz ehrlich: Ich habe keine Lust, zum diesjährigen OECD-Bildungsbericht einen Kommentar abzugeben.

Immerhin, bitte sehr, ein paar Links dazu:

ZEIT ONLINE

WELT ONLINE
Scinexx

Der Tagesspiegel

SPIEGEL ONLINE

N-TV
Handelsblatt
RP ONLINE

 

Einfach nur krank!

Rausschmisshilfe bei der Barmer – Kündigung via Krankenkasse titelt die SZ, und es ist nicht zu fassen, was es dort zu erfahren gibt:

“Die Ersatzkasse Barmer bot im Internet einen Service der besonderen Art: Sie stellte Firmen vorformulierte Kündigungsschreiben für Schwangere, Mütter und Behinderte zur Verfügung.
Das Schreiben der Barmer Ersatzkasse kommt direkt auf den Punkt: ‘Betreff: Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses.’ Der Mustertext sollte ein Service für Arbeitgeber sein und ihnen die Kommunikation mit ihren Mitarbeitern erleichtern. ‘Kündigung einer Schwangeren oder Mutter’ war das Schreiben betitelt, ein anderes lieferte den Text zur ‘Kündigung eines Schwerbehinderten’.”

Schwangere Arbeitnehmerinnen, berufstätige Mütter, arbeitende Schwerbehinderte finanzieren diese Krankenkasse mit und als Dank dafür hilft die Kasse dabei, ihren Rausschmiss zu vereinfachen.

Wie krank ist diese Welt eigentlich mittlerweile?

Ebenfalls lesenswert ist in dem Zusammenhang der Artikel Diskriminierung am Arbeitsplatz – Ein Recht auf Karriere:
“Seitdem sie 18 ist, hat Barbara Steinhagen hart für ihre Karriere geschuftet. Ihr Arbeitgeber Sony BMG ließ sie jedoch fallen, als sie schwanger wurde. Nun klagt sie wegen Diskriminierung.”
In dieser Woche ist die Verhandlung beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt.
“‘Ein Sieg würde die Modalität der Stellenbesetzungen in den Unternehmen grundlegend verändern’, sagt der Anwalt. Dann müssten alle Entscheidungen nachvollziehbar gemacht werden.
Frauen, die sich für eine Familie entscheiden, könnten im Berufsleben dann nicht mehr so leicht benachteiligt werden, hofft Barbara Steinhagen. Das zähle mehr als eine Entschädigungszahlung. Ihren alten Job möchte sie nach zweijähriger Streiterei vor Gericht ohnehin nicht zurück. Sie kämpft also ‘nicht nur für mich, sondern für alle Frauen, die sich nicht bevormunden lassen möchten’. Steinhagen sucht gerade einen neuen Job. Einfach sei das nicht. ‘Es wird einem viel weniger zugetraut, wenn man ein kleines Kind hat.’”

Ja, ja: Familie und Karriere, die sind für Frauen “gleichberechtigt” vereinbar – und die Erde ist eine Scheibe.

 

Nichts Neues unter der Sonne

Die Süddeutsche bringt einen Bericht über die Krise des “Bologna-Prozesses”, der Hochschulreform hin zu Bachelor- und Masterstudiengängen: Der Bachelor-Blues.

Durch die Verkürzung der Studienzeit (Bachelor) seien eine massive Verschulung der Lehre, geringer gewordene Mobilität der Studenten und eine höhere Studien-Abbrecherquote eingetreten. Auch die Qualität der neuen Abschlüsse sei zweifelhaft.

Man fordert eine Reform der Refom.

Diese Notwendigkeit sehen allerdings nicht alle. Dazu gehört Wolf Wagner, Politikprofessor an der FH in Erfurt, der vor allem den Hochschullehrern selbst die Schuld am Scheitern der Reform gibt.
Seine Begründung ist dieselbe, die man, variiert, auch auf das verkürzte Abitur anwenden kann.

Die Reformen als solche sind wahrscheinlich durchaus sinnvoll – erfordern aber in der Umsetzung ein Umdenken und das Anwenden neuer Methoden.
Und genau das passiert nicht.
Da wird einfach Stoff gekürzt, die Stundenzahl erhöht – und weitergemacht wie immer.
Und das KANN nicht funktionnieren.

Wolf Wagner, Politikprofessor an der FH in Erfurt dazu:
“‘Die Mehrheit der Professoren unterläuft die Ziele des Bologna-Prozesses’ … Sie würden weiterhin frontal Stoff durchpauken, statt auf moderne fächerübergreifende Lernformen umzusteigen. Um Bologna erfolgreich zu machen, müssten sie ihr Einzelgängertum beenden.”

Ach ja, nichts Neues unter der Sonne. Unter der Sonne nichts Neues.

 

Mann, Mann…

… schon wieder ist ein Jahr rum – und mein Blog existiert immer noch.

Heute vor zwei Jahren ging ich mit meinem ersten Beitrag online.

Im Februar 2008, als Geburtstagsgeschenk, bekam dieser Blog von meinem Sohn ein neues Outfit verpasst, das ich auch viel freundlicher finde als das alte.

Die Besucherzahlen haben sich im zweiten Jahr im Vergleich zum ersten ungefähr verdoppelt.
Ist doch was!

Beliebtester Suchbegriff ist mit Abstand HAWIK IV, dabei handelt es sich um den überarbeiteten Nachfolger des IQ-Testes HAWIK III; der Vorjahresfavorit Hochbegabung bei Erwachsenen folgt mit etwas Abstand.
Weiterhin beliebt sind Suchbegriffe wie Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, Benoit mit seinem Buch Hohe Lehre und etliche Begriffe rund um Hochbegabung wie Perfektionismus oder das schillernde Wort Elite.

Rein von den Suchbegriffen her gedacht, sollte ich mich eigentlich noch mehr auf Themen aus dem Bereich der Hochbegabung konzentrieren, aber mir selbst würde das nicht so viel Spaß machen, mich nur auf ein Thema zu beschränken. Mal sehen…

Auf jeden Fall freue ich mich über jede Anregung, jeden Kommentar und jede Verlinkung.
Und so weiter und so weiter und so weiter…