Archiv für den Januar, 2008

Kindergarten in Not II

Da heute ein entsprechender Artikel in der Presse ist, in RP online, greife ich auch das Thema meines vorvorletzten Beitrages noch einmal auf, der sich natürlich auf den in besagtem Artikel erwähnten Kindergarten bezog: das iMoKHo-Kinderhaus in Remscheid, geleitet von Johanna Scholz.

Dieser Einrichtig hat die Kargstiftung nach vielen Jahren der Förderung von einem Tag auf den anderen alle Gelder gestrichen – übrigens nicht nur diesem Kindergarten, sondern so gut wie allen Einrichtungen frühkindlicher Förderung. Eine Entscheidung am grünen Tisch. Ein “Politikwechsel” dieser Stiftung setzt wohl ab jetzt auf Projekte, die vielleicht imageträchtiger sind als die Förderung von Kleinkindern.
Das ist extrem kurzsichtig!

Ich bin selbst einen Morgen lang im iMoKHo-Kinderhaus gewesen und habe erlebt, wie auf jedes der (hochbegabten) Kinder sehr sehr individuell eingegangen wurde, mit kundigem und sehr aufmerksamem Blick auf die jeweiligen Besonderheiten in Verhalten, Charakter, Persönlichkeit.
Viele Kinder, die mit Störungen dorthin kamen, blühten schnell auf und konnten ein gut funktionierendes Sozialverhalten entwickeln. Das, zusammen mit ihrem großen intellektuellen Potenzial, lässt darauf hoffen, dass diese Kinder zu zufriedenen und ausgeglichenen Leistungsträger in unserer Gesellschaft werden.
Und jetzt?

Für Besonderheiten im unteren Spektrum von Begabung oder bei Behinderungen gibt es unendliche Hifen und Unterstützungsmöglichkeiten, was natürlich seine völlige Berechtigung hat.

Sollen begabte Kinder aber wirklich im Regen stehen bleiben?

Zukunft braucht Begabung – Begabung braucht Zukunft

 

Notlösung

“Wem nichts einfällt, der macht Schule”:

Für viele Lehramtskandidaten sei das Studium hin auf das Unterrichten nur eine Verlegenheitslösung – und viele, die irgendwann unter burn-out litten, hätten niemals wirklich “gebrannt”.
Das ist der Tenor eines interessanten Artikels unter jetzt.de.

Einige Zahlen aus der diesem Artikel zugrundeliegenden Studie:

“25 Prozent aller Studienanfänger, die in der Studie befragt wurden, gaben an, das Studium sei eine Notlösung. Sie wollten eigentlich nicht wirklich Lehrer werden. Die Hälfte dieser Gruppe studierte trotzdem weiter.

27 Prozent der Befragten gaben sich zum Beispiel selbst schlechte Noten in Fragen von Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Menschen, Engagement oder beruflicher Motivation. Trotzdem hielten sie an ihrem Berufsziel fest.”

Aus meiner eigenen Erfahrung, meinem Lehrerstudium vor 30 Jahren, kann ich die Ergebnisse der Studie übrigens vollständig
bestätigen. Es hat mich z.T. wirklich erschreckt, aus welchen
Motivationen heraus meine Mitstudenten Lehrer werden wollten.

Am Lehrerstudium Interessierte sollten vielleicht einmal diesen Fragebogen ausfüllen, “Fit für den Lehrerberuf”, dessen Ergebnis ihnen evtl. nahelegt, ihre Entscheidung für’s Unterrichten noch einmal zu überdenken.

 

Luxus

Es ist kein Luxus, Begabte zu fördern.
Es ist ein Luxus, und zwar ein sträflicher, dies nicht zu tun.

(Alfred Herrhausen, früherer Manager der Deutschen Bank)

 

Kindergarten in Not I

Da gibt es in NRW südlich des Ruhrgebiets, in einer relativ kleinen Stadt, einen Kindergarten, der sehr individuell und eigentlich schon verhaltenstherapeutisch mit hochbegabten Kindern arbeitet, die z.T. mit großen persönlichen und sozialen Störungen dorthin kommen. Nach einigen Wochen ist es diesen Kindern dann eigentlich immer möglich, in die Kommunikation mit anderen Kindern zu gehen, zu spielen, sich langsam in die Gruppe zu integrieren und sich das geistiges Futter zu holen, das sie brauchen. Sie machen große Entwicklungssprünge – und aus gestörten Problemkindern werden Kinder, die mit ihrem großen Potenzial zu ebensolchen Hoffnungen Anlass geben.

Eine extrem wichtige Arbeit an hochbegabten Kindern, die in anderen Einrichtungen zugrundegehen würden. Und zudem eine präventive Arbeit, die dem Staat, den Krankenkassen (viele dieser Kinder weisen heftige psychosomatisch und psychisch relevante Symptome auf) und anderen Institution auf Dauer enorme Kosten erspart.

Aber wen interessiert das?!

Der Kindergarten, es verwundert kaum, muss sich privat finanzieren und bekommt keinerlei städtische Unterstützung. Dass die Städtische Erziehungsberatungsstelle trotzdem besonders schwierige Kinder mit Hochbegabung gerne mal in diesen Kindergarten schickt, scheint niemanden zum Nachdenken zu bewegen.

Bisher hat dieser KiGa finanzielle Unterstützung durch eine Stiftung bekommen – gerade soviel, dass zusammen mit den Elternbeiträgen der KiGa finanziell über die Runden kam.

Jetzt hat diese Stiftung ihren Schwerpunkt verlegt – und von jetzt auf gleich etlichen Fördereinrichtungen im frühkindlichen Bereich die Gelder nicht nur gekürzt, sondern total gestrichen.
Auch diesem Kindergarten.
Eine Entscheidung am Grünen Tisch.
Die Benachrichtigung über die Streichung der Gelder kam übrigens freundlicherweise zwei Tage vor Weihnachten. Frohes Fest!

Da hochbegabte Kinder nicht besonders häufig finanziell so potente Eltern haben (allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz), dass der Kindergarten eigeninitiativ gerettet werden könnte, werden jetzt Sponsoren gesucht, die eine kontinuierliche Förderung gewährleisten können.

Ansonsten muss der Kindergarten definitiv schließen.

Anfragen und Angebote gerne über mich.

 

Tier müsste man sein!

Einen bemerkenswerten Zeitungsartikel von Caroline Rollinger habe ich gefunden, am 24.12.2007 in der WAZ und abgewandelt in der Aachener Zeitung vom 11.9.2007 (daraus die folgenden Zitate).

Es geht darum, dass man festgestellt hat: “Knut ist wieder in den Schlagzeilen.

“Geh’ mir weg mit Knut”, wird der gelangweilte Leser jetzt denken, aber gemach, gemach: Das Ganze wird noch spannend.

Denn:
Knut ist wieder in den Schlagzeilen, aber: “Diesmal nicht, weil er so niedlich aussieht, sondern wegen seines besorgniserregenden Verhaltens. Der Polarbär nuckelt an seinen Tatzen – ein möglicher Hinweis darauf, dass der Bär sich langweilt.”

Und dann folgt die atemberaubende Feststellung: “Das Problem der Langeweile bei Zootieren ist nicht neu.

Sieh an:

“Zu wenig Platz, Futter auf dem Präsentierteller und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten machen den Tieren zu schaffen. «Da verwundern lustlos herumschweifende Tiger und Affen, die traurig an die Käfigstangen schlagen, nicht», sagt Laura Zimprich von der Tierschutzorganisation «Animal Public».”

Ach ja:

Anders jedoch als bei hochbegabten Kindern ist man nun bei den Zootieren sehr schnell auf die Idee gekommen: “«Nicht nur ein artgerechtes Gehege, sondern auch die Förderung der natürlichen Instinkte und der Intelligenz ist für das Wohlbefinden der Tiere sehr wichtig», bekräftigt die Vorstandsassistentin der Stiftung Artenschutz, Birgit Benzing. In puncto Zeitvertreib sind der Fantasie der Pfleger keine Grenzen gesetzt.”

Schau, schau!

Und weiter: ” Nachdem wissenschaftliche Studien Anfang der 90er Jahre das Thema Langeweile thematisierten, gab es ein Umdenken in den Zoos. Seither halten Spielzeuge, Trainingsprogramme und Fütterungen, bei denen die Tiere ihr Futter suchen oder ihm nachjagen müssen, viele Tiere auf Trab.

Beneidenswert, nicht wahr:

“Jeder Zoologische Garten oder Tierpark in Deutschland entscheidet selbst, welchen Tieren er die Zeit vertreibt und wie lange. Die Methoden werden aber immer weiterentwickelt, wie der Münsteraner Allwetterzoo zeigt. Hier erhalten seit kurzem sogar bisher vernachlässigte Tiere wie Vögel und Fische ein körperliches und geistiges Fitnessprogramm

Wow! Mensch! Zootier müsste man sein!

Langeweile durch Hochbegabung bei Kindern: Mein Gott, die sollen sich nicht so anstellen und sich anpassen…
Langeweile bei Zootieren: Da müssen ausgefeilte pädagogische Programme her, um die Tiere bei Laune zu halten. Die Tierpfleger sind da auch sehr engagiert und ideenreich, wie man in diesem Artikel lesen konnte.

Ich habe da in aller Bescheidenheit einen genialen Vorschlag:
Wie wäre es, wenn man Tierpflegern statt einigen Pädagogen das Unterrichten hochbegabter Kinder überlassen würde. Denen würde bestimmt schon etwas Spannendes zur Förderung einfallen.

Oder sollte man hochbegabte Kinder in den Zoo…

“Also das geht jetzt doch zu weit!”, mag jetzt vielleicht der bestürzte Leser denken: Bier ist Bier, und Schnaps ist Schnaps – und man darf doch dem niedlichen Knut nun wirklich nicht seine Personal Trainer wegnehmen, nicht wahr?!