Archiv für den Oktober, 2007

Danke!

Gründe zum Jammern gibt’s genug in dieser “besten aller Welten”, so dass es leicht ist, zu klagen – und angesagt scheint es auch zu sein.

Aus einer aktuellen Erfahrung heraus, die mittlerweile sicherlich kein Einzelfall mehr ist, möchte ich aber auch einmal deutlich “Danke” sagen.
“Danke” all den Schulen und Lehrern, die sich wirklich um Kinder mit Hochbegabung bemühen. Vor allem Dank an die, die Schüler/innen, die hochbegabt und dazu in irgendeiner Weise “schwierig” sind, Underachievern z.B., Hilfe und einen Vertrauensvorschuss geben.

Es gibt es: vorbildhaftes Verhalten in ganz normalen Schulen und dort, wo man es vielleicht nicht vermutet. Als Beispiel kann ich anführen das Vestische Gymnasium in Bottrop-Kirchhellen, das einem Jungen, der nun wirklich alle Symptome des Underachievements zeigt, größtmögliche und sehr individuelle Unterstützung gibt.

Sie existieren, die Fälle, in denen Underachiever eine wirkliche Chance bekommen. Das bedeutet aber auch, dass eigentlich irgendwann dann auch die Schüler dran sind, das Ihre zu geben…

 

 

Spät entdeckte Hochbegabung

Es berührt mich immer wieder, von Leidensgeschichten hochbegabter Kinder zu erfahren. Diese Leidensgeschichten gibt es immer noch, mittlerweile manchmal weniger, weil die Schulen sich ignorant weigern, zu helfen, sondern immer öfter, weil die allgemeinen Lebensumstände schwieriger und komplexer geworden sind, Familien auseinanderbrechen, problematische und widersprüchliche Symptome, Auffälligkeiten, Lebens-, Verhaltens- und Erziehungsaspekte oft wenig harmonisch und konstruktiv aufeinanderprallen.

Noch mehr berührt es mich, muss ich gestehen, wenn ich aus erster Hand Schicksale hochbegabter Erwachsener erzählt bekomme, von Betroffenen, die z.T. erst im Alter von 50 Jahren erfahren haben, dass sie hochbegabt sind. Es macht mich immer wieder betroffen, wie einsam diese Menschen oft ihr Leben lang gewesen sind im Gefühl, überall falsch zu sein, und wie sehr doch die Hochbegabung, wenn auch unerkannt – und gerade, weil unerkannt, im Guten und Belastenden, ihr Leben geprägt hat. Oft gibt es aus diesem Grunde der unerkannten Hochbegabung tragische Familiengeschichten über mehrere Generationen hinweg.

Begegnungen mit hochbegabten Erwachsenen, die erst spät von ihrem Potenzial erfahren haben, ergeben sich oft ganz zufällig. Die Betroffenen sind dann eigentlich immer von einer beschämenden Dankbarkeit, endlich einmal unverschlüsselt ihre Geschichte erzählen zu können.

Was bei solchen Gesprächen immer wieder zum Ausdruck kommt, ist, dass die Erwachsenen, denen die Diagnose “Hochbegabung” plötzlich eindeutig wird, egal, wie alt sie tatsächlich sind, sich fühlen wie am Anfang ihres Lebens.
Nichts, was war, gilt mehr wirklich.
Die bisherige Lebensgeschichte bricht zusammen und muss im Licht des neugefundenen Faktums Hochbegabung völlig neu angesehen, gedeutet und eingeholt, ja, neu erfunden werden.
Oft folgt ein Aha-Erlebnis dem anderen – wie eine Reihe von inneren Explosionen. Erlebnis-Puzzlesteine, die früher nicht einordbar waren, finden plötzlich ganz eindeutig ihren Platz.
Es ist für Erwachsene oft ein unglaublicher Einbruch in ihr bisheriges Leben, mit ihrer Hochbegabung konfrontiert zu werden – wie Tod und Auferstehung. Sie fühle sich wie der Phönix aus der Asche, der stirbt und neu geboren wird, sagte mir eine hochbegabte Frau.
Die späte Entdeckung der eigenen Hochbegabung ist bei Erwachsenen oft mit ganz großer Bestürzung verbunden, mit einer unglaublich überwältigenden Mischung aus Schock und Erleichterung, plötzlichem Verstehen, Bedauern über Versäumtes, großem Schmerz und dem Gefühl, eigentlich noch gar nicht wirklich gelebt zu haben.
Hochbegabte Erwachsene müssen sich sehr häufig von Grund auf neu kennenlernen und in sich selbst ganz neu einleben. Das ist nicht einfach. Bis heute gibt es noch nicht wirklich große Hilfen dazu. Einige Ansprechmöglichkeiten findet man hier.

 

Erholung

Unterwegs im Urlaub.

Nicht weit weg und doch weit weg von allem.
Plötzlich reicht es, von Balkon und Fenster auf den See zu schauen.
Wasser und Horizont
Kleine Kräuselwellen
Aufleuchten der sterbenden Blätter im Licht der Sonne
Ein paar späte Segelboote
Möwen und Enten in ihrem eigenen Lebensgeheimnis
Sich verlieren im wechselnden Licht
Windstille
Gedankenstille
Dasein genügt
Sieh dort: der Regenbogen umspannt den ganzen See                                               

       

 

Herausforderung

                                                
Der größte Lehrer kann dich nicht umgestalten;
er kann dich befrei’n,
du musst dich entfalten.

Ernst Freiherr v. Feuchtersleben