Archiv für die Kategorie Bildung und Erziehung

Tabu Hochbegabung in der Familie

Zu den Beratungsgesprächen mit Eltern hochbegabter Kinder, die am längsten in mir nachhallen, gehören die Gespräche, in denen ich irgendwann eindeutig Witterung der Spur eines Phänomens aufnehme und verfolge, das für mich zu den verstörendsten und zerstörendsten von (Familien-) Beziehungssystemen gehört: Das ist das Tabu.

Es gab und gibt diese Gespräche immer wieder, in denen sich nicht die Hochbegabung an sich als „des Pudels Kern“ der Problematik eines Kindes erweist, sondern das Tabu, dem die Hochbegabung innerhalb der Familie unterliegt – aller Aufklärung und Diskussion zum Thema zum Trotz. Gerade im letzten Monat musste ich wieder zwei solcher Gespräche erleben.

So gut wie immer sind es in diesen Fällen meiner Erfahrung nach die Mütter, die das Tabu errichten, aufrechterhalten, bewachen und gegen jedes Anrühren vehement schützen und abschotten.
Fast immer sind die Kinder, um die es dabei geht, Mädchen, schon älter, oft in der Pubertät. Viele dieser Kinder/Jugendlichen haben schon einschlägige psychiatrische Diagnosen, sie haben oft bereits mehrere Therapien und z.T. auch Aufenthalte in kinderpsychiatrischen Kliniken hinter sich, nehmen Antidepressiva oder andere Medikamente – und all das, ohne dass sich je irgend etwas an ihren Problemen zum Guten verändert hätte. Alles wurde immer nur noch schlimmer und schlimmer.

Es wurde immer an der falschen Stelle gesucht.
Und das mit System.
Weil alles an (Krankheits-) Diagnosen sein durfte – nur Hochbegabung nicht.

Wenn dann irgendwann gar nichts mehr geht, das Kind endgültig unterzugehen droht und das Klima in der Familie einen Grad der Unerträglichkeit erreicht hat, der wirklich nicht mehr weiter auszuhalten ist – dann, erst dann, wenn überhaupt, dann dann -, greift die Mutter – und es ist IMMER die Mutter – zum Telefon und fragt zögerlich, ob ihr Kind nicht vielleicht hochbegabt sein könne – oder sagt, sehr erstaunt, dass ein Test jetzt unvorstellbarerweise eine Hochbegabung ergeben habe und das könne doch wohl gar nicht sein. Und nein, man habe vorher wirklich noch nie einen Verdacht in diese Richtung gehabt …
Das spätestens ist der Moment, in dem ich hellhörig werde …

Was ich in diesen Fällen dann erzählt bekomme, gehört in den „ersten Kreis der Hölle“. Alles ist katastrophal verfahren, das Kind in einer desaströsen psychischen Verfassung, schulisch alles gegen alle Wände gefahren, das Familienleben am Ende, die Therapeuten ratlos.
Kein Ausweg nirgends.

Ich beginne, nachzuhaken: Ja, das Mädchen sei immer schon sehr aufgeweckt gewesen, darauf habe auch der Kinderarzt hingewiesen, habe sehr früh sehr gut gesprochen, sei an allem interessiert gewesen, habe vor der Schule, was man zu verhindern versucht habe, schon lesen und rechnen gekonnt, habe immer über Langeweile im Unterricht geklagt, keine Freunde gehabt, höchstens viel ältere und das habe man als Mutter dann unterbunden, habe sich falsch gefühlt, über Selbstmord gesprochen … Aber es habe sich nie jemand etwas dabei gedacht!

Dieser Satz kommt in diesen Fällen irgendwann IMMER: „Ich habe mir nie etwas dabei gedacht!“ Und danach auch – in Variation: „Naja, Schule ist ja auch oft langweilig, da muss man sich eben zusammenreißen“, „Es ist doch normal, auch mal down zu sein“, „Freunde zu haben, ist eben nicht einfach, Einsamkeit ist doch irgendwie einfach normal.“, „Naja, jeder fühlt sich doch mal falsch oder schlecht oder allein.“, „Sich falsch und fremd fühlen, was soll’s?“, „Die anderen, die sind eben alle anders, da muss man mit leben und sich anpassen.“ – und solche Aussagen mehr.

Es ist dann – IMMER – ein einziger Satz, im rechten Moment in die Welt gesetzt, der den Eispanzer aufsprengt: „Sie scheinen das ja alles selbst sehr gut zu kennen!“
Die Antwort darauf – oft nach einem langen Moment des Schweigens – ist auch IMMER:
„Ja, Sie haben Recht, und ich habe schrecklich darunter gelitten und aus mir ist ja auch gar nichts Vernünftiges geworden – und deshalb wollte ich meiner Tochter unter allen Umständen all das ersparen!“

Voilà!

Schweigen.
Tiefes Atmen.
Das ist der Moment der Krisis, von dem aus die Mütter – oft zum erstenmal in ihrem Leben – tastende Schritte in ein bisher vermintes Gelände wagen.

Was kann ich dazu noch schreiben, was nicht offensichtlich ist …

Vielleicht hier noch der Hinweis auf einen Zeitungsartikel zum Thema hochbegabte Erwachsene: „Wie von einem anderen Stern

 

Gilt auch für Eltern: Respekt muss man sich verdienen!

Eben habe ich in der SZ einen Beitrag aus einem Lehrerblog gefunden, dessen Inhalt und Aussage ich nur voll und ganz bestätigen kann.

Aus dem Artikel "Ich kann die Frau nicht ernstnehmen":
”Neulich hatte ich ein Aha-Erlebnis: Elterngespräch mit der Mutter von Anton. Ich erzähle ihr, wie nett und umgänglich ihr Sohn in der Schule sei. Ich lobe, dass er gerne Zusatzarbeiten für die Klasse übernehme, das Klassenbuch führe, Tafel wische, Laufdienste erledige etc. Doch Antons Mutter freut sich nicht – sie ist fassungslos. Denn zuhause, so gesteht sie mir, den Tränen nahe, sei ihr Sohn ein unerträglicher Tyrann.”

Einen ausführlichen Artikel ähnlichen Inhalts zum Verlust der elterlichen Intuition bei der Kindererziehung findet man hier.

Ich mache ja immer noch recht viel Beratung in Fragen rund um Hochbegabung und stelle immer wieder fest, dass die Frage, die sich ebenfalls im besagten SZ-Artikel findet: “Wer erzieht hier eigentlich wen?” in vielen Familien mit sehr großer Berechtigung gestellt werden müsste – und häufig nur eine sehr unbefriedigende Antwort findet.

Also, liebe Eltern …

 

Kostenlose Autismus-App hilft Betroffenen zu sprechen

Ich könnte mir vorstellen, dass diese App sehr hilfreich sein kann. Näheres dazu ist zu finden auf zeit-online.

IN MEMORIAM
In diesem Zusammenhang: Mein vorletzter Beitrag kündigte eine WDR-Fernsehsendung zum Thema Autismus an, in der auch Sabine Kiefner zu Wort kam. Sabine habe ich vor Jahren kennengelernt, da sie sich auch im Themenbereich Hochbegabung bewegte. Wir haben uns über Jahre hinweg öfter getroffen und waren auch sonst in Kontakt. Als sich herausstellte, dass sowohl ihr Sohn als auch sie selbst betroffen waren, beschäftigte sie sich intensiv mit dem Thema Asperger-Syndrom und den Lebensbedingungen der Betroffenen. Ihr Blog “Ich bin Autistin – Asperger-Syndrom bei Frauen” ist wunderbar authentisch und lebendig und vermittelt in sehr nachvollziehbarer Weise das Lebensgefühl einer von Autismus Betroffenen. Aus diesem Blog ist das Buch “Freude ist wie ein Hüpfball in meinem Bauch” entstanden. Regelmäßig stellte Sabine sich für Lesungen und Diskussionen zum Thema zu Verfügung – immer wieder ein Kraftakt.
Durch ihren mutigen und unermütlichen Einsatz wurde sie zu einer wichtigen und bekannten Vermittlerin, die der nichtbetroffenen Öffentlichkeit anschaulich nahebringen konnte, was es heißt, vom Asperger-Syndrom betroffen zu sein und damit leben zu müssen – und dass eine ganz eigene Normalität damit verbunden sein kann, wenn bestimmte Grundvoraussetzungen gegeben sind. Respekt ist nicht die geringste dieser Voraussetzungen … So wehrte sich Sabine auch immer wieder öffentlich gegen diskriminierende Berichte der Presse.
Es ist wirklich traurig: Sabine Kiefner, 1962 in Köln geboren, ist nach ganz kurzer schwerer Krankheit – eigentlich plötzlich und unerwartet – im November des letzten Jahres verstorben.

 

WDR: “B. sucht” – Autismus aus der Sicht von Betroffenen

Heute, am Donnerstag, den 11. Juli 2013 zeigt der WDR um 22:00 Uhr im Rahmen der Serie „B. sucht“ mit Bettina Böttinger einen halbstündigen Beitrag zum Thema Autismus. 
Bettina Böttinger hat drei autistische Menschen zu Hause besucht, um zu zeigen, wie sie leben und wie ihr Alltag aussieht. Einer dieser Menschen ist Sabine Kiefner aus Köln, Autorin des Blogs Ich bin Autistin – Asperger-Syndrom bei Frauen – Autismus aus der Sicht einer Betroffenen, die ich auch persönlich kenne – ursprünglich aus dem Hochbegabtenbereich.
Sabine hat übrigens auch ein sehr anschaulich und lebendig geschriebenes Buch über ihre Erfahrungen und ihre Erlebniswelt herausgebracht: Freude ist wie ein großer Hüpfball in meinem Bauch: Aus dem Alltag einer Autistin.
Wiederholt wird die Sendung am Sa, 13.7. um 0.45 Uhr und am Di, 16.7. um 9:30 Uhr.
Außerdem ist die Folge über Autismus auch eine Woche in der WDR-Mediathek abrufbar.

 

Studien zum Verlust der Sprach- und Schreibfähigkeit

Ich liebe Sprache. Wirklich. Sehr.
Meine Freunde haben längst akzeptiert, dass ich unter E-Mails, Nachrichten und Twittermeldungen leide, die schlecht geschrieben sind und viele Fehler enthalten – und ich weiß es sehr zu schätzen, dass sie das respektieren und mir den Freundschaftsdienst erweisen, im schriftlichen Austausch mit mir darauf Rücksicht zu nehmen. Dafür bin ich dankbar.

Ich bin nicht etwa zwanghaft pingelig, sondern liebe und achte unsere Sprache mit ihren Möglichkeiten zur differenzierten Aussage, die sie uns – von albernstem Spott bis hin zu Reflexionen in tiefste Tiefen hinein – schenkt, wirklich von Herzen. Was man liebt, wünscht man sich von anderen zumindest respektiert.

Manchmal bewundere ich ehrfürchtig, was sie in welch großer Schönheit zu leisten vermag, manchmal taste ich mich an den Grenzen der Sprache entlang und versuche, ihr im Ausdrücken von eigentlich Unsagbarem noch einen erhellend stimmigen Satz abzuringen. Manchmal auch spiele ich mit ihr wie ein übermütiges Kind und reize sie aus in ironischen Kommentaren oder absurden Wortspielen. Nie aber ist sie mir gleichgültig, die Sprache, und wenn sie missachtet wird, tut mir das wirklich weh.

Was ich aus meiner persönlichen Sicht zutiefst bedaure, beklagen viele Ausbilder, Unternehmer und Personalchefs auch aus objektiv absolut nachvollziehbaren Gründen: Die Sprachfähigkeit, insbesondere die Schreibfähigkeit, der Schüler, Jugendlichen und dann auch der Erwachsenen nimmt rapide ab.

Dass das tatsächlich so ist, hat eine aufwändige und über 40 Jahre betriebene Studie belegt. Näheres findet sich im Artikel der ZEIT mit dem Titel: Wenn Freiheit überfordert.

Generelles Fazit der Studie: ”Die Fähigkeit der Schüler, Texte orthografisch korrekt und grammatikalisch normgerecht zu schreiben, hat im Durchschnitt stark abgenommen. … Besonders deutlich fallen die Befunde zur Rechtschreibung aus: Die Zahl der Fehler pro hundert Wörter stieg von durchschnittlich sieben im Jahr 1972 auf zwölf im Jahr 2002 an und dann noch einmal auf 17 Fehler im Jahr 2012.”
Interessant dabei ist, dass Schüler mit Migrationshintergrund nicht mehr Fehler produzieren als “ihre deutsch-monolingualen Klassenkameraden”.

Es geht aber nicht nur um Rechtschreibfehler und Grammatik, sondern auch um die zunehmende Unkenntnis von Strukturen und Textformen. In den letzten Jahren z. B. wurde der Aufgabe, eine Bildergeschichte in Worte zu fassen, also eine schlichte Nacherzählung anzufertigen, vermehrt nicht mehr im Sinne der Aufgabenstellung nachgegangen, sondern es fanden sich häufig Wertungen, Kommentare, Meinungsäußerungen und Fragen an den Autor im Stile von "Ich fant den Film gemein aber das Madchen ist auch selber schult daran das die anderen Kinder die Puppe wekgenommen haben." oder "Wie heisen die kinder???" – sowie Internetsymbole wie Smileys.

Diese Vermischung der “wertfreien”, schlichten Wiedergabe eines vorgegebenen Inhaltes mit launigen Meinungsäußerungen und Wertungen im Internetkommentarstil “Das ist voll blöd” halte ich noch für viel schlimmer als die stark gestiegene Zahl der Rechtschreib- und Grammatikfehler. Sie zeigt nämlich eine zunehmende Undifferenziertheit auch im Denken und die Tendenz zur narzisstischen Aneignung vorgegebener Wirklichkeit und ihrer Ausdrucksformen. Wie eng Sprache und Denken zusammenhängen, das zeigt die umfangreiche Literatur zu diesem Thema.

Sehr bedenklich finde ich dieses wachsende Unvermögen, Sachverhalt und eigene Meinung auseinanderzuhalten, auch in – im weitesten Sinne – politischer Hinsicht, da die sich hier zeigende Undifferenziertheit anfällig macht für Propaganda und jegliche Form von Manipulation. Diese werden oft einfach nicht mehr erkannt, weil das dazu notwendige “Werkzeug” nicht ausgebildet wurde. So wird es z. B. für viele immer schwieriger, zwischen der eventuellen Notwendigkeit einer (politischen) Sachentscheidung und dem eigenen “Das ist einfach Scheiße” zu unterscheiden. Schon heute zeigt sich selbst in wissenschaftlichen Arbeiten von Studenten eine erschreckende Vermischung von Fakten, Analyse und persönlicher Meinung.

Positiv an der Entwicklung der Schreibfähigkeit in den letzten 40 Jahren sind die gestiegene Lebendigkeit und Ausdrucksstärke der Texte und ein vergrößerter Wortschatz. Trotzdem aber sind auch diese positiven Tendenzen seit 2002 wieder rückläufig. Vor allem relativiert ein Faktum diesen an sich zu begrüßenden Fortschritt: Gestiegener Wortschatz und lebendigere Ausdrucksweise finden sich vornehmlich bei Schülern der oberen/unteren Mittelschicht.

Damit kommen wir zum eigentlichen Dilemma der Schreibentwicklung, das der Untertitel des ZEIT-Beitrages so zusammenfasst: “Eine Studie über die Schreibfähigkeit von Grundschülern zeigt: Zu lockerer Unterricht schadet den Schwachen”.

Erschreckend ist, dass die Liberalisierung des Sprachunterrichtes in den letzten Jahrzehnten mit dem damit verbundenen und immer konsequenter werdenden Wegfall verbindlicher Vorgaben gerade denjenigen schadet, die Unterstützung besonders benötigen: “Die soziale Schicht, der die Kinder entstammen, hat heute einen viel größeren Einfluss auf ihre Schreibfähigkeiten als vor 40 Jahren.”
Erschütternd!

Man verstehe mich nicht falsch: Keiner wünscht sich eine Rolle rückwärts zum Sprach-Drill vergangener Jahrzehnte. Freiere Ausdrucksweise und gestiegenen Wortschatz begrüße ich sehr, sind aber schon wieder rückläufig und waren zudem nur schichtspezifisch zu finden – und vor allem: Kinder bildungsfernerer Schichten gehen heute sprachlich deutlich schlechter ausgerüstet ins Leben als vor 40 Jahren. Vor diesem Hintergrund halte ich es für dringend geboten, Sprachunterricht umfassend zu reformieren. So, wie er heute ist, scheint er niemandem zu nutzen. Hier gibt es nur Verlierer – und die Sprache selbst gehört auch dazu.
Eine falsch verstandene Liberalisierung des Sprachunterrichtes scheint zum Irrweg geworden zu sein.

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Ludwig Wittgenstein

Nachtrag:
Wie für diesen Beitrag bestellt, erschien heute auf SPIEGEL ONLINE auch noch ein Interview mit der Jura-Professorin Jantina Nord: Sprachtest für Jurastudenten: "Das Ergebnis war teils verheerend".

Auch hier das Fazit – in Wiederholung des Titels: “Leider war das Ergebnis teils verheerend.”. Man kann es erheiternd finden, dass angehende Juristen das Wort “verlustig gehen” von “lustig” ableiten oder “sich übervorteilt fühlten” mit “besonders günstig davongekommen” assoziieren, wenn man aber bedenkt, dass Sprache das wichtigste Werkzeug der Juristen ist und man im Ernstfall vor Gericht auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen ist, dass diese wissen, was sie tun, wird einem ganz schlecht.

Nord weist darauf hin, dass mangelnde Sprachkompetenz natürlich nicht nur bei Jurastudenten zu finden ist: “Kollegen aus allen Fachbereichen beklagen das Problem. Es gibt etwa Architekturstudierende, die hervorragende Entwürfe liefern, aber nicht beschreiben können, was sie gemacht haben. Viele Professoren winken dann ab und sagen, es sei ja nicht ihr Job, den Erstsemesterstudierenden Deutsch beizubringen. Wenn Maschinenbauer kein Mathe können, bekommen sie ein Propädeutikum Mathematik. Das ist beim Sprachthema anders.”

Im Übrigen macht die Juristin nicht die spezifische Fachsprach der Juristen für den mangelhaften Umgang mit Sprache verantwortlich: “Wir müssen … schon einen Schritt früher ansetzen, nämlich bei den ganz banalen Themen Rechtschreibung, Verständlichkeit und Grammatik.”

 

Hilfe bei der Stipendiensuche

Mit der gemeinnützigen und mehrfach ausgezeichneten Stipendiensuchmaschine myStipendium.de möchten wir – die Initiative für transparente Studienförderung – den Zugang zur Stipendien- und Auslandsstipendienlandschaft für alle Schüler, Studierenden und Promovierenden vereinfachen und Hilfestellung bei der Bewerbung um ein Stipendium bieten. Innerhalb von zwei Jahren konnten wir die Unterstützung von 346 Hochschulen und 35 prominenten Fürsprechern wie bspw. der derzeitigen Bildungsministerin Frau Prof. Dr. Wanka gewinnen.

myStipendium ermöglicht jedem (angehenden) Studierenden und Promovierenden kostenlos in wenigen Minuten eine Übersicht passender Fördermöglichkeiten zu erhalten. Mittels eines Matching-Algorithmus ermitteln wir auf Basis eines umfangreichen, 34 Kriterien umfassenden Nutzerprofils Stipendienempfehlungen, die auf den individuellen Lebenslauf des Nutzers passen. Indem wir jedem Nutzer nur ca. 15 Stipendienempfehlungen aus über 1.200 hinterlegten Stipendien präsentieren, können wir so die durchschnittliche Recherchezeit deutlich abkürzen. 

Unser Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. als Ausgewählter Ort 2012 im Land-der-Ideen-Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und als Hochschulperle des Jahres 2012 durch den Stifterverband für die deutsche Wissenschaft. …

Weitere Informationen zu myStipendium und der Initiative für transparente Studienförderung finden Sie auf www.myStipendium.de bzw. www.transparente-studienfoerderung.de

Mit den besten Grüßen
Mira Maier
ItS Initiative für transparente Studienförderung gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt),
Geschäftsführerin

(aus einem Brief an die DGhK)

 

Hochbegabte Erwachsene: Von wegen Selbstläufer

Einen interessanten Artikel über hochbegabte Erwachsene und einen exemplarisch geschilderten Lebenslauf findet man auf dem Portal der FAZ:
Hochbegabung und Karriere – Erwachsene Wunderkinder

Spannend und aussagekräftig in seiner traurigen “Normalität” und seinem deprimierend häufigen Vorkommen finde ich – auch im Zusammenhang mit meinem letzten Blogbeitrag Diagnose DumbDown – das im FAZ-Artikel beschriebene Lehrerverhalten mit seinen Folgen:

“Christoph Wimmer erinnert sich gut daran, wie ihn die Lehrer auf dem Gymnasium ermahnten, weil er immer aus der Reihe fiel: ‘Christoph, du bist zwar nicht dumm, aber verhalte dich so wie alle anderen.’ Als seine Noten stetig schlechter wurden, wechselte er auf die Realschule. Dort war er ein Außenseiter. Wimmer suchte sich einen anderen Weg, um Aufmerksamkeit zu bekommen: Aus dem interessierten, aufgeweckten Kind wurde der Klassenclown. Die Lehrer kamen nicht mehr mit ihm zurecht, ein Jahr musste er wiederholen, dann reichte es ihm. Nur mit einem Hauptschulabschluss, wenn auch einem sehr guten, verließ er die Schule”

Man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen: “Christoph, du bist zwar nicht dumm, aber verhalte dich so wie alle anderen.“

Man projiziere diese Aussage mal auf den Sport:
“Christoph, du schießt zwar tolle Tore, aber lass das bitte bleiben wie alle anderen auch!”
“Christoph, du bist zwar ein toller Skiabfahrtsläufer, aber fahr mal bitte so langsam wie die anderen!”
“Christoph, du bist zwar toll im Weitsprung, aber spring gefälligst nur so weit wie alle anderen!”
“Christoph, du bist zwar der King der Formel 1, aber pass Dich gefälligst allen anderen an!”
“Christoph, du könntest im Schwimmen zwar eine Medaille gewinnen, aber halte Dich wie die anderen gefälligst zurück!”
”Christoph, hör’ gefälligst auf, so gut Tennis zu spielen, spiel’ wie alle anderen!”

Yeah!!!!!!!!!!

 

Studie: Regulärer Unterricht bremst Hochbegabte

Wer hätte das gedacht … (Vorsicht: Ironie)

Wer das aber immer schon vermutet hat, dass hochbegabte Schüler im normalen Unterricht ihr Potenzial nicht einsetzen und nutzen können und das zumeist auch gar nicht erwünscht ist, den bestätigt jetzt eine Studie der Universitäten Würzburg, Trier und Erlangen-Nürnberg.

PULSS: „Projekt für die Untersuchung des Lernens in der Sekundarstufe“ lautet der exakte Titel der Studie. Daran beteiligt waren Prof. Franzis Preckel (Universität Trier) und Prof. Albert Ziegler (Universität Erlangen-Nürnberg). Koordiniert wurde die Studie von Prof. Wolfgang Schneider und PD Dr. Eva Stumpf von der Begabungspsychologischen Beratungsstelle der Universität Würzburg.
Ohne hier Einzelheiten zu zitieren, verweise ich gleich auf die Quellen:

http://www.welt.de/print/die_welt/finanzen/article114280570/Hochbegabte-bleiben-zurueck.html

http://www.uni-wuerzburg.de/sonstiges/meldungen/single/artikel/gute-noten-2/

http://www.i4.psychologie.uni-wuerzburg.de/forschung/laufende_projekte/pulss_projekt_fuer_die_untersuchung_des_lernens_in_der_sekundarstufe/

http://www.uni-trier.de/index.php?id=7819

Schön, dass es jetzt so eine Studie gibt.
Nur: Was nützt es in dem Zusammenhang, Recht zu haben … (Vorsicht: Pessimismus)

 

Sind Frauen zuständig für die Entwicklung der “männlichen Identität”?

Es gibt durchaus die Tendenz, zu beweinen, dass Männer ja nun auch mittlerweile durch die starke Veränderung bei den Frauen ein Identitätsproblem hätten, da die alten Muster nicht mehr funktionierten – und Mann oft nicht mehr wisse, was Mannsein denn eigentlich heiße, weil dies und jenes durchaus Widersprüchliches von ihm erwartet werde. Außerdem seien Jungs inzwischen einer stark entwickelten weiblichen Welt ausgesetzt, in der sie keine Rollenvorbilder mehr hätten, kaum mehr eine “männliche Identität” aufbauen und ihre Kraft nicht mehr ausleben könnten etc.

Der Witz dabei ist, dass dieses Problem gerne oft den Frauen angelastet und vorgeworfen wird, die ja von der Mutter bis zur Grundschullehrerin die Erziehung der Kinder hauptsächlich prägen.

Aber genau da ist ja der Knackpunkt: Die Jungs und Männer TUN es eben nicht, in voller Konsequenz erziehen und Vorbild sein. Das Ganze bleibt immer noch den Frauen überlassen. Ganz stolz wird es als Erfolg gewertet, dass Väter nun ab und an (jedenfalls wenige Prozent der Väter) nach der Geburt ihrer Kinder die Elternzeit nutzen.

Die Väter sind es nicht, die im Zweifelsfall zu Hause bei den Kindern bleiben.
Sie sind es nicht, die bei einer Trennung die Kinder übernehmen und bei Halbtagsjob und ständiger Überlastung und schlechtem Gewissen und oft wenig Geld in Erwartung einer Mini-Rente alles managen.
Sie sind es nicht, die in KiTas und Grundschule die mühevolle Kleinarbeit übernehmen, die “Rotznasen” aufs Leben vorzubereiten.
Warum nicht?
Weil es keinen Status bietet.
Weil die Karriere leidet.
Weil Altersarmut droht.
Weil es gesellschaftlich nicht anerkannt ist.
Weil es oft eintönige und dreckige Wiederholungarbeit ist.
Und weil es gar nicht oder Scheiße bezahlt wird.

Im Klartext: Männer wollen die Erziehungsarbeit in voller Konsequenz nicht tun, erwarten aber von den Frauen, denen man dieses Feld immer noch gerne überlässt, den Jungs die Entwicklung einer “männlichen” Identität zu ermöglichen. Sonst sind all die Mütter, Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen natürlich daran Schuld, dass die Jungs ihr Jungssein nicht auf die Reihe kriegen.

Im Ernst: Können Frauen Jungs eine “männliche Identität” vermitteln?
Sind Frauen daran Schuld, dass Männer Jungs kein positives Rollenbild vermitteln und vorleben, weil sie in der Kleinkinderziehung kaum präsent sind und sie delegieren?
Was denn noch?

Frauen kämpfen für eine neue Identität – natürlich nicht immer mit den richtigen Mittel, denn es gibt keinen festgelegten Weg, weil das alles Neuland ist. Aber sie ringen. Try and error.

Ringen um die eigene Identität: Das können Frauen den Männer aber nicht abnehmen, das für sich selbst zu tun.

Wenn viele Männer jammern – Ausnahmen bestätigen die Regel –, dass sie mittlerweile “als Mann” zu kurz kämen oder desorientiert wären, ist das einfach nur lächerlich und ein Armutszeugnis für die Psyche der Männer und repräsentiert – wie die OECD-Studie zeigt – in keiner Weise die herrschenden (ökonomischen) Verhältnisse.

Eine eigene neue “männliche” Identität zu entwickeln, das ist eine psychologische Anfrage an die Männer selbst – und auch eine soziale Aufgabe. Diese aber kann man(n) nun wirklich nicht an die Frauen delegieren so wie bisher gewohnt so vieles andere Soziale.

Und genau da liegt wohl der Knackpunkt: Die Männer sind für ihre Identität als Mann selbst zuständig und verantwortlich. Es ist in IHRER Hand und IHRER Verantwortung, sie zu entwickeln – auch im Hinblick auf ihre Söhne. Keiner sagt, dass das einfach ist.

Mami kann ihnen diese Arbeit aber nicht abnehmen.

 

Digital Natives schützen Eltern vor Digitaler Demenz

Einfach nur köstlich:
Schon oft erwähnt, kann ich mir nicht verkneifen, immer wieder zu empfehlen, den “Daily Dueck” zu lesen oder auch zu abonnieren.

Aktuell:
Heutzutage müssen nicht die Kinder, sondern die Eltern vor digitaler Demenz geschützt werden. Von wem? Von den Kindern natürlich …

„Hilfe, unsere Eltern sind jetzt auch im Internet. Papa hat sich wohl ein unbeabsichtigtes Abo eingehandelt, er versucht, eine Webseite anzurufen. Er wälzt das Telefonbuch und weiß nicht, wo er suchen soll. Mutti bekommt immer mehr Pakete, die beiden werden sich verschulden. Das Internet ist für Erwachsene zu gefährlich, weil sie eine Digitale Demenz davon bekommen. Wir müssen auf unsere Eltern achtgeben, es droht Gefahr.“

Bitte hier weiterlesen: „Parent Monitoring & Care“