Archiv für die Kategorie Bildung und Erziehung

Seufzer …

… eines wissenschaftlichen Mitarbeiters, der an einer deutschen Uni halt u.a. auch lehrt und Studenten betreut – und im Moment einen 17-tägigen Ferienkurs bei der Deutschen Schülerakademie (DSA) für besonders begabte Oberstufenschüler leitet:

”Hier ist es wie erwartet: Anstrengend, aber verdammt gut. Wär’ doch nur die Hälfte meiner Studis so fit wie die Kids hier…”

No comment!

Doch ein Kommentar per Email – der einer Studentin:

“Er hat vollkommen Recht: An der Uni … ist Schweigen in Seminaren Volkssport. Bin sogar schon von Kommilitonen blöde angemacht worden, wenn ich mich ‘übermäßig’ beteiligt habe.”

So etwas hört wohl nie auf …

 

Streitfrage Bildungsgerechtigkeit

Lesen, Meinung bilden, Kommentare schreiben zum Artikel auf Welt Online – bitte:

Chancengleichheit in der Bildung ist Illusion

Auszüge:

“Eine Studie des Züricher Erziehungswissenschaftlers Helmut Fend, die vor Kurzem veröffentlicht wurde, weist nach, dass Gesamtschulen nicht mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen als die Schulen im gegliederten Bildungssystem. 23 Jahre lang wurden hessische Jugendliche in ihrem schulischen Werdegang wissenschaftlich begleitet. Der Befund ist eindeutig: Ob ein Jugendlicher eine Lehre macht oder studiert, hängt stark vom sozialen Status der Eltern ab. Welche Schulart er besucht hat, spielt dabei kaum eine Rolle.
Warum dann der hartnäckige Kampf um die Einheitsschule, der wie ein Glaubenskrieg ausgefochten wird? Warum sind deren Befürworter immun gegen alle empirischen Befunde, die die Heilserwartungen der Einheitsschule als Schimäre ausweisen? Man kann vermuten, dass die Vehemenz der Forderung Ausdruck einer tief sitzenden Kränkung ist. Einer Kränkung darüber, dass es junge Menschen gibt, denen – unverdient – alles zufliegt, weil sie das Glück haben, in bildungsbeflissenen Elternhäusern heranzuwachsen, während andere – unverschuldet – in Milieus hineingeboren werden, die sie von Anfang an in ihrer Sozialisation benachteiligen. Letztlich ist für die Vertreter der Einheitsschule Bildungspolitik eine verkappte Form von Sozialpolitik.Die Benachteiligungen von Kindern beginnen, wie man heute weiß, sehr früh. Wenn eine schwangere Frau häufig klassische Musik hört, entwickelt das Neugeborene schon früh ein Rhythmusgefühl, die Vorstufe von Musikalität. Wenn kleinen Kindern regelmäßig vorgelesen wird, bilden sie ein differenziertes Sprachvermögen aus und schreiben schon in der Grundschule verblüffend gute Texte. Wenn ein Kind im Elternhaus erlebt, dass die Eltern elaboriert reden und diskutieren, überträgt sich dieses sprachliche Vermögen auf das Kind. Es wird zum verbal geschickten, selbstbewussten Streiter in eigener Sache.
Wenn ein Kind Lob und Zuspruch erfährt, wenn es die Welt im Spiel entdeckt, wird es später auch im schulischen Lernen Neugier und Ehrgeiz entwickeln. Wenn man sich von all diesen stimulierenden Anreizen das Gegenteil denkt, kann man ermessen, wie tiefgründig und wie nachhaltig die Handicaps und Defizite sind, mit denen die Kinder zu kämpfen haben, die in bildungsfernen Elternhäusern heranwachsen müssen. Schon in der Grundschule sitzen sie im hintersten Waggon des Geleitzuges.”

“Was noch zu wenig geschieht, ist die Förderung der Hochbegabten unter den Schülern. Diese Aufgabe aus ideologischen Gründen zu unterlassen wäre genauso unmenschlich, als wenn man die schwachen Schüler ihrem Schicksal überließe. Schon aus volkswirtschaftlichen Gründen können wir es uns nicht leisten, diese Kinder zu vernachlässigen. Sie sind die Garanten von Innovation und Erfindungsgabe, dem wichtigsten „Rohstoff“ in einem rohstoffarmen Land.”

”Das Motto müsste lauten: Vom Kampf um das beste Schulsystem zum Kampf um den besten Unterricht. Meine langjährigen Erfahrungen als Lehrer an unterschiedlichen Schulen haben mich nämlich gelehrt: Es gibt keine gute oder schlechte Schulform, es gibt nur guten und schlechten Unterricht, und zwar mitunter nebeneinander in derselben Schule, Wand an Wand. Hier liegt die wahre Quelle von Ungleichheit. Könnte man diese Unterschiede in der Unterrichtsqualität ausgleichen, und zwar bundesweit, hätte man für die Kinder mehr gewonnen als durch den Kampf um das richtige System.”

 

Blick über den Zaun: Die Schweiz

Ich finde es immer wieder interessant, Berichte über den Zustand des Bildungssystems anderer Länder zu bekommen.

Im empfehlenswerten MAMA BLOG der Schweizer Tageszeitung Tagesanzeiger gibt es einen Artikel über den generellen Zustand des Schulsystems der Schweiz und vor allem auch über das, was bei uns ja auch im Gange ist: Die Vorbereitungen/Konsequenzen der Integration von Sonder-/Förderschülern, die von allen Ländern durchgeführt werden muss, die  – wie Deutschland auch – die UN-Behindertenkonvention unterzeichnet haben (siehe auch hier und hier).

Titel des Artikels: Ein Kind = 3 Kühe

Auszug: “«Unser Bildungssystem ist im Grunde noch immer eine gigantische Sortiermaschine», kritisierte Bildungsforscher Andreas Schleicher im Interview die Schweizer Volksschule und monierte: «Im Bildungsbereich stehen wir etwa dort, wo die Medizin vor 100 Jahren war: Viel Ideologie, viel Tradition, sehr wenig Wissen. Und dann kommen Bildungspolitiker und stülpen eine Reform auf die andere. Das ist, als ob man irgendwelche Medikamente produziert und sagt, das wird schon nützen. Und die Medikamente dann dreissig Menschen ohne individuelle Diagnostik verabreicht.»
Wie wirkungslos die bis anhin verabreichten Medikamente tatsächlich waren, zeigt  der Rückzieher von Regine Aeppli: Das Ergebnis der Vernehmlassung ist eine wahrhaft bittere Pille:  Weder Lehrerschaft und Schulleitungen noch die Behindertenverbände, die sich einst für die schulische Integration stark machten, glaubten daran, dass Sonderschüler mit den heutigen Mitteln in Regelklassen angemessen gefördert werden können: Die Klassen sind zu gross, es fehlt an sonderpädagogisch ausgebildetem Personal und an der Bereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer, noch mehr aufgebürdet zu bekommen. Denn in Zürich werden diese, anders als etwa in Basel, nur rund 9 Stunden pro Woche von Heilpädagogen entlastet. Der Rest der Woche muss die Lehrerschaft selber schauen, wie sie mit Behinderten und Hochbegabten auf dem selben Schulbank klarkommen.
«Integration ist auch eine Frage der persönlichen Einstellung, und die kann man kaum verordnen», sagte Aeppli am Freitag vor der Presse. Damit hat sie im Grundsatz sicher recht. Konkret aber scheiterte das Integrationskonzept weniger an der persönlichen Einstellung des Lehrkörpers, als vielmehr an der fragwürdigen Einstellung der Schulpolitiker: Ein Kanton, der wie Zürich seit 1999 einen Zuwachs von Sonderschulzuweisungen von 40 Prozent verzeichnet und dieses  Problem so lösen will, dass der Kanton dabei 17 Millionen spart, macht ein klares Statement: Die Volksschule ist ein Sparschwein.
«Für einen Primarschüler wird pro Jahr rund 12′000 Franken ausgegeben, für eine Milchkuh 4000 Franken», rechnete  der Basler Ökonomieprofessor Silvio Borner schon vor fünf Jahren  vor  und bezeichnet die Gleichung «3 Kühe = 1 Kind» als «grotesk»”

Beruhigend oder enttäuschend?: Die Probleme scheinen sich hüben und drüben nicht sehr zu unterscheiden…

 

Gastbeitrag: Eine ganz normale Grundschule …

Eine ganz normale Grundschule

Ja, es handelt sich um eine ganz normale Gemeinschaftsgrundschule in Nordrhein-Westfalen, über die ich hier berichten will. Eine ganz normale Grundschule, an der Begabtenförderung funktioniert. Eine ganz normale Grundschule, die wie alle Schulen mit Lehrermangel und den kurzfristigen Entscheidungen des Ministeriums zu kämpfen hat, eine Schule, die nicht integrativ arbeitet und daher nicht teilweise mit zwei Lehrkräften in einer Klasse arbeiten kann, eine Schule, an der die Direktorin neben den Aufgaben der Schulleitung eine eigene Klasse leitet und an der nur stundenweise eine Sekretärin anwesend ist.
Und trotzdem sind an dieser 2-zügigen Schule überproportional viele als hochbegabt erkannt oder getestete Kinder.

Eine ganz normale Grundschule, die zur individuellen Förderung verpflichtet ist – und diesem Auftrag tatsächlich nachkommt. Und das spricht sich herum. Wie das funktionieren kann?

Ganz einfach: In den ersten 4 Stunden findet verlässlicher Unterricht statt. Wenn durch Krankheit Lehrkräfte ausfallen, werden die Kinder mit konkreten Arbeitsaufträgen, die ständig bereitliegen, auf andere Klassen aufgeteilt – das kann gerade für jene Kinder, die die Klasse irgendwann in den 4 Jahren wechseln, von enormem Vorteil sein, denn sie kennen andere Klassengemeinschaften und andere Lehrkräfte bereits. So einige Kinder konnten ihr Können schon vor einem Klassenwechsel in die Gemeinschaft einbringen. So sollte vor 2 Wochen Mirko der zweiten Klasse vorgestellt werden: “Kennen wir schon!“ antwortete die Klasse im Chor. Und Mirkos Pate lädt ihn sofort ein, sich neben ihn zu setzen.

Nach der großen Pause haben alle Kinder entweder Fächer wie Englisch oder Religion oder eine AG. Hier mischen sich die Jahrgangsstufen – es ist für so manche Eltern unglaublich, wie viele Kinder sich untereinander kennen! Die Kontakte halten bis in die weiterführenden Schulen hinein. Das AG Angebot reicht von Förderangeboten in Mathe oder Deutsch als Zweitsprache, Schach und Computer über Judo, Tennis und Schulhofspielen bis zu Schulverschönerung, Garten, Geige, Chor und Theater. Durch die Vielzahl des Angebots sind die AG Gruppen kleiner als die Klassenstärken. Es ist selbstverständlich, dass 1.-Klässler gegen 4.-Klässler Schach spielen, 3.-Klässler den Kleinen beim Bau von Brückenkonstruktionen helfen oder gemeinsam die Gartengeräte zum Erdeauflockern tragen. Die Teilnahme an Wettkämpfen ist obligatorisch, sei es das jährliche Schulschachturnier (bei dem die Obermauerschule immer ganz vorne liegt!), Tischtennisturniere, der jährliche Auftritt des Chors auf dem Weihnachtsmarkt, eine Sendung bei Lilliputz,…

Danach beginnt für viele Kinder die Betreuung mit frisch zubereitetem Mittagessen, anschließender Hausaufgabenbetreuung und freiem Spiel oder Ausruhen im Ruheraum…und auch hier spielen Klassenzugehörigkeiten keine Rolle mehr. Peergroups heißt das Zauberwort.

Die Förderung besonderer Begabungen heißt: Wenn möglich durch Wochenpläne, zielgerichtete Freiarbeit und dem AG-Angebot die Kinder in die Klassengemeinschaft einbinden oder: ein Klassenwechsel in eine nächsthöhere Klasse. Es kann auch mal eine Kooperation mit dem nahe gelegenen Gymnasium geben, wenn der Matheunterricht in der 4 nicht mehr ausreicht. Vor einem Klassensprung können die Kinder 1 oder 2 Wochen „mal gucken“, der Weg zurück bleibt immer offen. Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, kann der Wechsel offiziell erfolgen. So ist in jeder Klasse mindestens ein „Springerkind“ – das Springen ist für Kinder und Lehrer so normal, wie es eine Klassenwiederholung ist. Auf der anderen Seite wird durch Elternhilfe im Unterricht vieles aufgefangen. So ist der Schulalltag für Eltern transparent, und Lehrkräfte und Kinder profitieren. Eine regelmäßige Eins-zu-Eins Leseförderung, mit Geduld und Zuwendung etwa bringt den in diesem Bereich langsameren Kindern oft den Anschluss an das Klassenziel.

Dass es auch an dieser Schule unzufriedene Eltern gibt, ist genauso normal. Grundsätzlich liegt das Geheimnis des Gelingens in der Kommunikation, Prävention, Transparenz des Unterrichts und der Sensibilität der Lehrkräfte für den Themenbereich Hochbegabung. Und in der Kreativität, alle Lücken im System zu nutzen und Möglichkeiten für unsere Kinder zu schaffen! Und das geht auch – ohne Mehraufwand! – in einer ganz normalen Grundschule.

vera losemann – dipl. pädagogin – specialist in gifted education – systemische beraterin – dyslexietherapeutin i. a. – duisburg – vlosemann @ aol.com

 

JA zur Rentnerrepublik Deutschland!

Der Westen:    Bedenken gegen Kitas in Wohngebieten   (Dank an den weltenkreuzer)
Der Westen:    Notstand an Essener-Kindergärten wird immer größer
Die ganze Entwicklung zeigt erfreulicherweise ja schon deutliche Erfolge:
Spiegel:           Geburtenzahl in Deutschland sinkt dramatisch

Die Schweiz scheint auch auf einem guten Weg zu sein:
Mama Blog1:   Wie Familien aus der Stadt gedrängt werden
Mama Blog2:   Ja zum Kinderwagenverbot in Szenebeizen
Mama Blog3:   Kinder müssen draußen bleiben

Ich bin ja sowieso für Ghettos für Familien mit Kindern – natürlich mit Passierscheinregelung und einzuhaltenden Sperrstunden.

 

Bildung? Spar ich mir! (II)

Jetzt macht er also ernst, der Herr Koch. Die SZ berichtet: “Nach seinen Vorschlägen für Kürzungen bei der Bildung macht der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) im eigenen Bundesland ernst. Mit den Präsidenten der hessischen Hochschulen unterzeichnete er am Dienstag in Wiesbaden den sogenannten Hochschulpakt, der Einsparungen von jährlich 30 Millionen Euro vorsieht, solange die Steuereinnahmen nicht wieder kräftig steigen.”

Das ist eine wirklich gute Idee! NRW und die anderen Bundesländer sollten sich daran ganz schnell ein Beispiel nehmen.

Vor allem der Zeitpunkt ist einfach genial:
Genau jetzt sollte man nämlich gerade den Universitäten das Geld kürzen, weil ja demnächst – durch die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abi – gleich zwei Jahrgänge gleichzeitig an die Unis stürmen. Wenn man da das eine oder andere Gebäude schließt, keine neuen Bücher mehr anschafft, ein paar Professuren auslaufen lässt, keine neuen wissenschaftlichen Mitarbeiter mehr anstellt und zusätzlich noch ein paar andere entlässt, die Gerätschaften der Labors veralten lässt, einfach alles an Ausgaben kürzt, dann ist das jetzt ganz ganz genau der total optimal richtige Zeitpunkt, um quasi die doppelte Anzahl an Studenten wie sonst diesmal besonders effektiv und sinnvoll auf das akademische Leben vorbereiten zu können.

Einfach super genial.
Gelle!

 

Bildung? Spar ich mir! (I)

Die oben aufgeführte Überschrift findet sich über einem Artikel der Süddeutschen Zeitung, der über die Aussagen des Herrn Koch, seines Zeichen hessischer Ministerpräsident, nach der verlorengegangenen Wahl in NRW berichtet.

Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

Vielleicht doch noch dieses Zitat aus dem Artikel: “Neben dem Verzicht auf baldige Steuersenkungen fordert Koch weitere Einsparungen: Sparpotential sieht er vor allem in der Familien- und Bildungspolitik. … ‘Wir haben uns hier und da zu Projekten entschlossen, die möglicherweise sehr viel teurer werden als zunächst gedacht: etwa die Garantie eines Betreuungsplatzes für Kinder unter drei Jahren’, erläuterte Koch. ‘"Wir müssen prüfen, ob das noch finanzierbar ist.’”

Sehe ich auch so, dass in diesen Bereichen – Familien- und Bildungspolitik – ganz ganz viel Sparpotential steckt.

Vielleicht noch ein nützlicher Hinweis für Herrn Koch von meiner Wenigkeit, um das Ganze noch effektiver zu machen: Vielleicht sollte man den Wegfall der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren noch kombinieren mit dem Wegfall des Elterngeldes. Wenn man dann noch von den Frauen fordert, sofort nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten zu gehen, dann wird sich das Ganze richtig richtig lohnen!

Unt der Herr Koch wirt gans gans fiehl schpahren.

Möglicherweise wird es dann in ca. 18 Jahren absolut und ganz und gar keine Jungwähler mehr geben für unsere so um das Gemeinwohl besorgten Politiker.
Dann wählen nur noch die Rentner.
Und die wissen einen wie den Herrn Koch noch wirklich zu schätzen. 
Da wird der sich freuen, der Herr Koch.

Geschafft!
Einfach weggespart, die lästigen Kids.
Kosten ja nur Geld.
So sieht erfolgreiche Familienpolitik aus.
Gelle!

 

Inklusion, Integration, individuelle Förderung

Es gibt tatsächlich Ausnahmen zur ansonsten so ungemein heftig verteidigten Schulpflicht in Deutschland. Dann nämlich, wenn Schulen ratlos sind, überfordert und z.T. auch unwillig, sich um ein besonderes Kind zu kümmern.

Schulpflicht? Erstmal nicht für Amir titelt der Kölner Stadt-Anzeiger.

Ein hochbegabter Junge – und zudem Asperger Autist, da war auf einmal, nach einer langen Schul-Odyssee, für Amir keine Schule mehr zu finden. Siehe auch hier.

In den vorherigen Schulen – z. T. teuer bezahlte Privatschulen – beteiligten sich auch schon einmal gerne auch Lehrer am allgemeinen Mobbing gegen den Jungen, der einfach ganz anders war als die anderen Kindern.
Hochbegabt – oft schon schlimm genug. Aber dann auch noch Asperger…

Amir hat allerdings das Asperger Syndrom in einer Weise, die durchaus bei einer (eigentlich ja längst schon gesetzlich geforderten) wirklichen individuellen Förderung ganz kompatibel mit dem normalen Schulunterricht sein kann. Allerdings müssten Lehrer und Mitschüler das wollen. Und viele wollen nicht!

Nun möchte ich daran erinnern – und dieses Faktum scheint mir immer noch nicht wirklich ins allgemeine Bewusstsein gedrungen zu sein – , dass Deutschland im vorletzten Jahr die sogenannte UN-Behindertenkonvention unterschrieben hat, die umzusetzen jetzt Pflicht ist! Nun hat diese Konvention einen § 24, der eigentlich ganz harmlos daherkommt und schlicht aussagt, dass Inklusion der Normalfall sein muss.
Diese einfache Aussage ist allerdings nichts anderes als eine Atombombe mit Zeitzünder für unser bisheriges Schulsystem.
Sie bedeutet in aller Konsequenz, dass letztlich so gut wie alle Förderschulen aufgelöst und die im Volksmund so genannten “Sonderschüler” im normalen Schulsystem mit allen anderen Schülern zusammen “individuell” unterrichtet werden müssen. Das gilt für hörbehinderte, sehbehinderte, schwerstmehrfach behinderte Kinder genauso wie für “erziehungsschwierige”, Autisten etc.

Das Ganze klappt ja heute schon nicht, wie wir immer wieder sehen, mit einer schon immer zwangs- aber nicht wirklich integrierten Sondergruppe von Schülern, den Hochbegabten. Wie soll das werden, wenn die o.g. genannten Gruppen auch noch “selbstverständlich” in unserem bisherigen Schulsystem unterrichtet werden müssen?
Amir wäre dort ein Muster an “Normalität”…

Seit einiger Zeit bin ich im Schulministerium NRW Mitglied einer Arbeitsgruppe, die die Umsetzung des § 24 der Behindertenkonvention inhaltlich und praktisch vorbereiten und in die Wege leiten soll. Mitglieder dieses Gesprächskreises sind Politiker aller Couleur, Professoren, Vertreter verschiedenster Behindertenverbände, Schulformen, des Städtetages, der Kommunen etc. etc.
Was ich sagen kann, ist, dass alle wirklich guten Willens sind. Aber – die Materie ist so ungeheuer komplex, dass ich nicht sehen kann, wie das Ganze auf absehbare Zeit konkret umgesetzt werden kann, ohne das alte Schulsystem völlig umzukrempeln.

Mir ist es extrem wichtig, in diesem Gesprächskreis mitarbeiten zu können, weil ich die Befürchtung habe (berechtigt, wie sich schon herausgestellt hat), dass aufgrund der massiven Anstrengungen und Probleme, alle Sonderschüler “irgendwie” ins normale Schulsystem zu “pressen”, die hochbegabten Schüler dann vollends hinten rüber fallen, weil die Probleme mit allen anderen so groß sein werden, dass auf die Hochbegabten dann sowieso niemand ein Auge mehr hat. Dies ist im Vorfeld am besten zu verhindern, indem ich es immer wieder zur Sprache bringe.

Das Ganze kann nur gelingen, meiner Meinung nach, wenn wirklich ein völlig neuer Wind in unsere Schulen eingelassen wird: Abkehr vom Frontalunterricht in starren Klassen, Lehrer in Mentorenfunktion als “Lernbegleiter” und nicht mehr als “Eintrichterer”, wirkliche individuelle Förderung in Abkehr vom zielidentischen Unterricht etc., sind Stichworte dazu.

Amir durfte nun an einem Gymnasium in Leverkusen ein paar Tage hospitieren. Die Schule weiß, wie man mit autistischen Kindern umgeht. Er sei „total glücklich“ nach Hause gekommen, sagt seine Mutter. Es ist nur zu hoffen, dass die bürokratischen Hürden, die bei einem solchen Schulwechsel anstehen, den Hoffnungsfunken für Amir nicht zunichte machen.

Übrigens: Nur um die Dimension dessen, was da geschehen muss, anschaulich zu machen:
Es gibt über 400.000 Förderschüler aller Art in Deutschland, die integriert werden sollen und müssen…

 

Gut ist falsch, ordentliches Benehmen verdächtig

Das schlägt dem Fass den Boden aus, was ich da gestern in der Beratung gehört habe:

Da ist ein 2 1/2jähriges Mädchen, Kind einer alleinerziehenden, teilzeitberufstätigen Mutter. Dieses Mädchen geht in eine Kindertagesstätte. Dieses Mädchen spielt sehr gerne und ausgiebig. Dieses Mädchen spricht jedoch auch schon fließend und beherrscht Worte wie “Mikroskop” und kann sie erklären. Dieses Mädchen bleibt zudem bei den Mahlzeiten im Kindergarten bis zum Ende des Essens ordentlich sitzen. Dieses Mädchen sagt tatsächlich “Bitte” und “Danke”.

Das sind die Vergehen dieses Mädchens.

Konsequenz des Kindergartens: Der alleinerziehenden Mutter wird ununterbrochen vorgeworfen, das Kind sei verhaltensauffällig!!!! Ihr wird zudem vorgeworfen, das Mädchen gleichzeitig zu vernachlässigen und zu überfordern. Die Mutter soll gezwungen werden, Erziehungskurse zu besuchen, da ansonsten das Jugendamt verständigt werde.
Der Kindergarten weigert sich, sich überhaupt nur Gedanken darüber zu machen, dass das Kind vielleicht überdurchschnittlich begabt sein könnte. Die Kinder-Gärtnerinnen (wer will da von “Erzieherinnen” sprechen…?) wollen statt dessen die Mutter beim Jugendamt anzeigen.

Die Mutter ist völlig ratlos, was sie tun soll.

P.S.: Das Kind kann noch nicht getestet werden. Fakt ist aber: Mutter und Großmutter haben beide einen getesteten IQ-Wert von deutlich über 130.

Noch ein P.S.: Wenn das Mädchen “F* Dich, Alte” sagen oder ihren Kakao klein Kevin über den Kopf schütten würde, dann wäre das wohl ein Zeichen von Normalität und geistiger Gesundheit.

Kann es sein, dass da irgendwo etwas nicht stimmt?

 

Nicht nur Lernen – auch Schlaf fördert die Intelligenz

Da müht man sich mit dem Nachwuchs, macht Frühförderung auf Teufel komm raus, gibt viel Geld für Nachhilfe aus – und macht evtl. alles wieder zunichte dadurch, dass man nicht auf genügend Schlaf bei den lieben Kleinen achtet.

Ich muss das Rad nicht neu erfinden, deswegen mache ich gerne aufmerksam auf einen absolut lesenswerten Artikel des Schweizer Mamablogs:
Schlafmangel macht Kinder dumm und dick

Zitat aus dem Beitrag:
Avi Sadeh von der Tel Aviv Universität hat vor ein paar Jahren die Hirnleistungen von  77 Grundstufenschülerinnen (9- und 11-jährig) und Schülern untersucht. Die eine Gruppe hat über drei Tage rund eine Stunde mehr geschlafen als die andere. Nach der dritten Nacht wurden die Kinder neurobiologisch getestet. Der Leistungsunterschied, der eine Stunde Schlaf ausmachte, war grösser als der zwischen einem 11- und einem 9-jährigen Kind. In Sadehs Worten: «Der Verlust von einer Stunde Schlaf über mehrere Tage setzt die kognitive Kapazität des Gehirns um zwei Schuljahre zurück.»”