Archiv für die Kategorie Bemerkenswertes

Lob der Langeweile

Langeweile als Ausgangspunkt, zu den Quellen der eigenen Kreativität zu kommen. In dem Sinne gibt es im immer empfehlenswerten MAMA-Blog des Schweizer Tages-Anzeigers ein Plädoyer für genau diese, die Langeweile, auch – und besonders – für Kinder:

Warum Kinder sich langweilen sollten

Sollten sie, definitiv!

 

Brot und Spiele

Heute nur ein Hinweis auf den Blogbeitrag des Weltenkreuzers: Fußball für’s Volk.

Seufzen einer Verkäuferin, als sie (wieder einmal) einer Kundin auf Anfrage mitteilen musste, dass die Deutschlandflaggen-Überzieher für die Autoaußenspiegel ausverkauft seien: “Das war mindestens das hundertste Mal für heute. Wenn Merkel und Co. ihren Mist durchkriegen wollen, wäre jetzt die Zeit dazu. Kümmert doch im Moment eh’ niemand. Hauptsache diese Dinger für den Spiegel sind wieder da.”

Man muss halt Prioritäten setzen…

 

Statement

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Laudatio zum 70. Geburtstag von Joachim Gauck:
“Weil wir immer wieder Debatten brauchen, weil wir uns immer wieder miteinander austauschen müssen, ist es so gut, dass wir Sie, Herr Gauck, haben. Denn Sie legen den Finger in die Wunde, wenn Sie eine Wunde sehen, aber Sie können auch Optimist sein und sagen: Es geht voran. Beides brauchen wir. Danke, dass es Sie gibt. Danke, dass Sie weiter da sind.”

www.wir-fuer-gauck.de

 

Schöne, heile Apple-Welt

Über die Qualität der Apple-Produkte will ich hier gar nichts sagen, wohl aber aufmerksam machen auf das, was die Tagesschau und andere berichten: Die Selbstmordserie beim chinesischen Elektronikhersteller Foxconn, der auch das hype-umwehte neue iPad herstellt.

“Der Apple-Anhänger neigt dazu, in seiner eigenen Apfel-Welt zu leben – auch hierzulande.”, ist zu lesen beim INFOradio des RBB.
Ganz blauäugig sollten allerdings auch eingefleischte Apple-Fans nicht sein …

 

Einfluss einer Buchbesprechung

Am Pfingstsonntagmorgen hörte ich durch Zufall eine Buchbesprechung im WDR 2. Antje Deistler stellte den Roman Glückliche Ehe von Rafael Yglesias vor – und war rundum sehr begeistert. Eher ein “Frauenbuch”.

Es war ca. 10:30 Uhr.

Irgendwie, aus einer Laune heraus, schaute ich sofort bei Amazon nach und stieß dabei auf den sog. Amazon.de-Verkaufsrang. Wie auch immer der sich statistisch zusammenbaut: Auf jeden Fall basiert er auf konkreten Verkaufszahlen und nicht auf einer Anzahl von Nur-Guckern.

Ich wurde neugierig, wie sich denn so eine Buchbesprechung im Radio auf die Verkaufszahlen auswirkt – und so wurde es an diesem Tag mein Hobby, mich immer wieder über den stündlich aktualisierten Verkaufsrang des vorgestelltes Buches zu informieren.

Eine Zusammenfassung:

23.05.10:
10:30 Uhr:  Verkaufsrang  1121
12:00 Uhr:  Verkaufsrang    443
14:30 Uhr:  Verkaufsrang    130
14:45 Uhr:  Verkaufsrang    101
15:45 Uhr:  Verkaufsrang    124
16:45 Uhr:  Verkaufsrang    146
17:45 Uhr:  Verkaufsrang    129
19:45 Uhr:  Verkaufsrang    134

25.05.10
16:30 Uhr:  Verkaufsrang    596

27.05.10
19:15 Uhr:  Verkaufsrang    467 

Fand ich schon spannend das Ganze. Die direkte Auswirkung der Buchbesprechung auf die Verkaufszahlen war schon fast gespenstisch. Es war immerhin Sonntag, sogar Pfingsten, viele Leute also unterwegs in Kurzferien etc. Und dennoch schaffte es eine Buchbesprechung im Radio, die Verkaufszahlen des vorgestellten Buches direkt und sofort derart hochschnellen zu lassen, dass das Buch weit nach vorne katapultiert wurde.

Macht der Medien.
Der Autor wird in diesem Falle nichts dagegen haben.
Und eine gewisse Online-Buchhandlung sicher auch nicht.

Ach ja: Auch sehr oben katapultiert wurde am Pfingstsonntag “Das Geisterhaus” von Isabel Allende: Der Film lief am Abend vorher im Fernsehen …

 

Schade, schade!

Trotz meines “vorgerückten Alters” hatte ich durchaus große Sympathien für die Piratenpartei. Sehr große sogar. Und eben: hatte!

Der Spiegelbeitrag Piraten erleiden Schiffbruch lässt nichts Gutes erwarten von einer Partei, die für viele, zumeist jugendliche Anhänger, ein Hoffnungsschimmer am immer bewölkter werdenden Himmel der versteinerten Alt-Parteien war.

Konzeptlosigkeit, Mangel an inhaltlichen Diskussionen und fehlende politische Ausrichtung – all das wäre schon genug, um Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Piraten zu haben.

Was mich aber besonders ärgert, ist eine ungenierte Art des “Neo-Patriarchates”, das aus der Machtfülle einer erschlagenden Männerdominanz in der Piratenpartei heraus beschließt, dass die Geschlechterfrage keine Rolle spiele, alle Menschen gleich seien, man sich also nicht um lästige Fragen dieser Art kümmern müsse.
Das Resultat: “Allein zehn Stunden brauchten die Piraten, um einen neuen Vorstand zu küren. Der besonnene, doch letztlich farblose Parteichef Jens Seipenbusch setzte sich mit 52,6 Prozent der Stimmen gegen sieben weitere Kandidaten durch, er darf die Piraten ein weiteres Jahr verwalten. Auch die übrigen Posten gingen an Männer. Gegen die Piraten sieht selbst der CSU-Vorstand aus wie eine Frauenclique.
Als einzige Frau für den Vorstand kandidierte die Berliner Politikstudentin Lena Simon. Im Gegensatz zu vielen anderen Bewerbern trug sie konkrete politische Anliegen vor: Bildungspolitik, Atomausstieg und Abgrenzung gegen Neonazis.
Gewählt wurde sie nicht – die versammelten Piraten nahmen ihr offenbar übel, dass sie es vor Monaten gewagt hatte, eigenmächtig eine Mailingliste nur für Piratinnen einzurichten. Nach dem Selbstverständnis vieler Mitglieder gibt es aber keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen. "Warum sind wir so wenige Frauen und wie können wir das ändern?", hatte Simon gefragt. Auf eine Antwort verzichtet die Partei: ‘Ich befürchte, dass dieses Thema zu viel Raum bekommt, wenn wir dich im Vorstand haben’, erklärte ein Pirat.”

Ich möchte hier nicht missverstanden werden: Es ist ein Jammer, dass es überhaupt nötig ist, über so etwas wie “Frauenthemen” oder “Frauenquoten” zu reden. Das ist lästig und letztlich ein Anachronismus. Theoretisch zumindest. Solange jedoch eine Überzahl und damit Übermacht von Männern alles an sich zu reißen versucht – aus welcher Motivlage heraus auch immer – , so lange muss man (nein: frau) sehr aufmerksam darum ringen, die eigene Existenzberechtigung, die eigentlich völlig außer Frage steht, auch nach außen hin durchzusetzen. 
Nur als Randnotiz: Um politisch eine Rolle spielen zu können, wollen die Piraten doch sicherlich auch von Frauen gewählt werden … Oder heißt es auch hier: “Stimme abgeben und Klappe halten!”?

Das Verhalten der Piraten erinnert mich an George Orwells Roman “Animal Farm”, erschienen 1945. Dort war auch zu Beginn das Motto: “Alle Tiere sind gleich!” Daraus wurde dann ganz schnell: “Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher!”

Irgendwie sehr aktuell.

Jammerschade.

 

JA zur Rentnerrepublik Deutschland!

Der Westen:    Bedenken gegen Kitas in Wohngebieten   (Dank an den weltenkreuzer)
Der Westen:    Notstand an Essener-Kindergärten wird immer größer
Die ganze Entwicklung zeigt erfreulicherweise ja schon deutliche Erfolge:
Spiegel:           Geburtenzahl in Deutschland sinkt dramatisch

Die Schweiz scheint auch auf einem guten Weg zu sein:
Mama Blog1:   Wie Familien aus der Stadt gedrängt werden
Mama Blog2:   Ja zum Kinderwagenverbot in Szenebeizen
Mama Blog3:   Kinder müssen draußen bleiben

Ich bin ja sowieso für Ghettos für Familien mit Kindern – natürlich mit Passierscheinregelung und einzuhaltenden Sperrstunden.

 

Nicht nur in der Kirche: Immer und überall

Für all die Menschen, die es nun mit und mit wagen, in die Öffentlichkeit zu treten und von den von ihnen erlebten sexuellen Übergriffen und Vergehen durch Vertreter der Kirche, Priester, Ordensleute etc., zu reden, habe ich hohen Respekt. Ich hoffe, dass die Aufklärungswelle zu sexuellen Straftaten, die die Kirche momentan überrollt, wirkliche und nachhaltige Konsequenzen haben wird! Respekt sei der Regensburgerin Monika Preis gezollt, von deren Bemühungen und Ängsten in dem Zusammenhang die SZ berichtet: Kirche und sexueller Missbrauch – ”Mein Mut ist wirklich dahin”. Ihr wünsche ich neuen Mut und viele Mitstreiter/innen!

Aber: sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen drohten und drohen Mädchen und Jungen immer und überall. Das ist nicht übertrieben.
Und nicht zu vergessen: In den immer noch allermeisten Fällen handelt es sich um die eigenen Familienmitglieder, die zu solchen Taten fähig sind.

Ich kenne viele Leute. Männer sind ja nun meist nicht besonders kommunikativ, was solche Themen angeht. Was ich aber von Frauen, auch aus meinem engsten Umkreis, im Laufe der Jahre so erfahren habe, das spottet jeder Beschreibung. Und das von so vielen Frauen, dass ich es gar nicht fassen kann.

Da sind zunächst tatsächlich die Übergriffe unterschiedlichster Heftigkeit von Vätern, Onkeln, Nachbarn und sogar Brüdern. Und wenn es nur – wie mir eine Mutter letztens berichtete –  so ist, dass der Nachbar das 4jährige Mädchen nicht einfach so hochhebt, um ihm über den Zaun zu helfen, sondern es nimmt mit einer Hand oben zwischen den Beiden – und es dann auch da erst gar nicht wieder loslässt. Wo fangen sexuelle Übergriffe an? Das geht dann aber in anderen Fällen bis hin zu jahrelangem regelmäßigem Missbrauch, weil die Mutter krank ist oder sich verweigert. Oder zusätzlich.

Ich habe viele Jahre in einer Beratungsstelle gearbeitet und erinnere mich sehr gut an den Schock, den damals ein Telefongespräch in mir auslöste, in dem mich ein Mann mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt fragte, ob er seine 2jährige Tochter schon jetzt “benutzen” dürfte, oder ob er noch warten müsse, bis sie 3 Jahre alt sei.

Viel höre ich auch von Vergewaltigungen eben mal so nach dem Motto: Zur falschen Zeit am falschen Ort. Da handelt es sich um eine Vergewaltigung durch einen Busfahrer an einer dunklen Haltestelle abends allein im Bus, durch irgendjemandem in einem Parkhaus, einem Friedhof, einer Toilettenanlage, einem Einkaufszentrum.

Das alles ist Realität, mit der – vor allem, aber nicht nur – Frauen immer rechnen müssen. Jede Naivität ist da unangebracht.

Ich selbst habe im Alter von 18 Jahren einmal unglaubliches Glück gehabt: Ich wollte allein ein Berliner Museum besuchen. Das lag in einer weitläufigen Grünanlage. Nur eine mehrspurige Straße war in der Nähe und irgendwo der Eingang zu einer U-Bahn-Station. Zum meinem Unglück war das Museum geschlossen. Absolut kein Mensch weit und breit. Da tauchte aus dem Nichts ein männlicher Radfahrer auf – offensichtlich betrunken. Er fuhr mir nach, griff nach mir und riss an mir. Ich lief schnell durch den Park – Richtung U-Bahn, aber auf dem Rad war der Mann einfach schneller. Dann packte er mich so an der Schulter, dass ich stolperte und hinfiel. Ich war in Panik. Das war so ein Moment, in dem die Welt stillsteht und unterzugehen scheint. Und dann das: Durch den Ruck meines Fallens – er hatte mich noch an der Schulter gepackt – fiel der Man von Fahrrad, besoffen, wie er war! Das hat mich gerettet. Er rappelte sich zwar wieder auf, war aber einfach einen Tacken zu betrunken, um schnell genug zu reagieren. Das war meine Chance – und ich habe sie genutzt. Angekommen in der rettenden U-Bahn-Station musste ich mich erst einmal übergeben.
Letztlich ist mir gar nichts passiert. Eines aber ist klar und eindeutig und immer noch gegenwärtig: In dem Moment war meine Kindheit unwiderruflich zu Ende. Die Welt hatte sich in einer Weise offenbart, die Grundvertrauen zerstört hatte und jegliche Naivität zukünftig verbot. Ich bin kein ängstlicher Mensch geworden, aber ein hochaufmerksamer, was Situationen angeht, in denen sich so Erlebtes irgendwie wiederholen könnte.

Die Traumata, die vergewaltigte Frauen (und Männer) ihr Leben lang mit sich herumschleppen, sind mit Worten nicht anschaulich zu machen. Das geht über Beziehungsstörungen, Schlaflosigkeit, Zwängen und Depressionen hin bis zu der Aussage einer nach außen sehr selbstbewussten und erfolgreichen Frau, verheiratet, Kinder, die sagt: “Damals ist meine Seele getötet worden, und ich habe mich nie wieder richtig lebendig gefühlt.”

Missbrauch ist Zerstörung von Leben.

Die Kirche sollte dem Leben dienen. Nicht das Leben missbrauchen. Nicht Missbrauch Vorschub leisten. Nicht ihn bagatellisieren. Niemals ihn dulden.

 

Konservative mit niedrigerem IQ

Welche Schlüsse man auch immer daraus ziehen mag:
Die Süddeutsche titelt: Konservative sind weniger intelligent. “Linksliberale sind schlauer als Konservative – zumindest im Durchschnitt. Forscher finden das einleuchtend. Denn Tradition kommt auch ohne Denken aus.” 
Die Zeitung beruft sich auf eine Langzeitstudie mit 15.000 jungen Amerikanern, die sich als “sehr konservativ” bezeichneten und im Durchschnitt einen IQ-Wert von 95 hatten – 5 weniger als der Durchschnitt der Bevölkerung, während sich eine “linksliberale” Kontrollgruppe durch einen leicht überdurchschnittlichen IQ-Wert von 106 auszeichnete.

“Für den Psychologen Satoshi Kanazawa, der an der London School of Economics lehrt, passen die Daten ins Bild: Intelligenz erlaube es den Menschen, sich anders zu verhalten, als es die Evolution in ihnen angelegt habe, argumentiert er in Social Psychology Quarterly.
Ihre höhere Geistesleistung gibt ihnen die Freiheit, neue Wege im sozialen Zusammenleben zu suchen. Sie können wegen ihrer Intelligenz eher Ressourcen für Menschen aufwenden, die nicht mit ihnen verwandt sind, und sind eher für staatliche Wohlfahrt, die höhere Steuern erfordert.”

 

Frohes neues Jahr!

Jenseits von rückblickender Rührseligkeit, Pessimismus oder (naivem) Optimismus bezüglich 2010 und auch jenseits irgendeiner Art von Sentimentalität oder Tiefgründigkeit fand ich folgendes Zitat einfach nur erfrischend:

Der Jubel über den Jahreswechsel ist ziemlich banal – schließlich kommt ein neues Jahr jedes Jahr wieder.
Jahre sind eine ziemlich solide Ware. Sie werden pünktlich geliefert, und jedes hält, was es verspricht: Genau ein Jahr, keine Sekunde mehr, aber auch keine Sekunde weniger.
Gabriel Laub (1928-98), poln.-dt. Schriftsteller, Satiriker u. Essayist

In diesem Sinne…